Trend bei Einkommensunterschieden gestoppt: Studie: Kein Rückgang bei ungleichen Einkommen

Trend bei Einkommensunterschieden gestoppt : Studie: Kein Rückgang bei ungleichen Einkommen

Die Wirtschaft wächst und trotzdem verharrt die Ungleichheit der verfügbaren Haushaltseinkommen in Deutschland auf einem hohem Niveau.

Zwar nahmen die Einkommensunterschiede seit 2005 leicht ab, wie aus einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Dieser Trend habe sich jedoch 2011 nicht weiter fortgesetzt. Vielmehr ging die Einkommensmobilität, also der Auf- oder Abstieg einzelner Gruppen in der Einkommenshierarchie, seit der Wiedervereinigung deutlich zurück.

"Die Chance, innerhalb eines Vierteljahres aus dem Armutsrisiko zu entkommen, ist in den vergangenen Jahren um zehn Prozentpunkte auf 46 Prozent gesunken", erläuterte der DIW-Forscher Markus Grabka. Für die aktuelle Studie werteten Grabka und sein Kollege Jan Göbel die aktualisierten Analysen zur personellen Einkommensverteilung auf Basis der vom DIW Berlin zusammen mit TNS Infratest erhobenen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) aus. Aufgrund der jährlichen Wiederholungsmessung ist dabei nicht nur die Analyse der personellen Einkommensverteilung, sondern auch des Auf- oder Abstiegs innerhalb der Verteilung möglich.

Der Studie zufolge entwickelten sich die verfügbaren Haushaltseinkommen in den Jahren 2000 bis 2011 sehr unterschiedlich: Während bei den höchsten Einkommen Zuwächse von 13 Prozent verzeichnet wurden, gab es in den unteren Einkommensgruppen Rückgänge von bis zu fünf Prozent. Dabei registrierten die Forscher seit 2005 einen leichten Rückgang der Ungleichheit, den sie auf die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zurückführen.

Ungleiche Kapitaleinkommen sind schuld

2011 scheint der Trend rückläufiger Einkommensungleichheit demnach aber ins Stocken geraten zu sein. Als Ursache dafür nennen die Wissenschaftler neben einer wieder gewachsenen Ungleichheit der Erwerbseinkommen vor allem die gestiegene Ungleichheit der Kapitaleinkommen.

Eine weitere am Donnerstag veröffentlichte Studie kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass eine Trendwende bei der Einkommensungleichheit in Deutschland noch aussteht. Die Einkommen seien heute deutlich ungleicher verteilt als vor zehn oder 20 Jahren, heißt es im neuen Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Besonders stark öffnete sich die Schere demnach zwischen 2000 und 2005. Zwar gebe es Hinweise darauf, dass die Ungleichheit seitdem wieder etwas abgenommen hat: Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen sei nach jahrzehntelanger Erosion wieder angestiegen. Eine echte Trendumkehr sei aber noch nicht erreicht.

Vielmehr gebe es "gewichtige Indizien dafür, dass noch eine Menge zu tun ist, um eine echte Entspannung der Verteilungsentwicklung zu erreichen", erklärte die Wissenschaftliche WSI-Direktorin Brigitte Unger. Einige positive Tendenzen in jüngster Zeit ergäben noch keinen stabilen Trend. "Und die ärmeren Menschen in diesem Land haben davon bislang überdies kaum profitiert."

(AFP)
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