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Steuererklärung: Was beachtet werden muss und was man absetzen kann

Steuern : So klappt's mit der Steuererklärung

Bis Mitte des Jahres haben Steuerzahler Zeit, ihre Steuererklärung abzugeben. Was dabei zu beachten ist und was man von der Steuer absetzen kann, sollte man vorher wissen.

Einmal im Jahr steht für fast jeden erwachsenen Menschen in Deutschland etwas an, das nicht unbedingt Spaß macht: die Steuererklärung. Dabei gibt es viele Fallstricke und so manches zu beachten. Wer auf Nummer sicher gehen will, der beansprucht die Hilfe eines Steuerberaters. Er übernimmt dann die Erstellung der Erklärung.

Was ist eine Steuererklärung?

Mit der Steuererklärung liefert man dem zuständigen Finanzamt Tatsachen und Zahlen, mit deren Hilfe das Finanzamt die für eine Person zutreffende Steuer festlegt. Abgeben kann eine solche Erklärung jede natürliche Person und jede juristische Person. Eine natürliche Person ist ein Mensch als solcher. Der Rechtsbegriff der juristischen Person bezeichnet Vereine, Gesellschaften und Körperschaften. Grundsätzlich unterscheidet man in Deutschland zwischen verschiedenen Arten von Steuern. Die geläufigsten sind die Einkommensteuer, die Gewerbesteuer, die Umsatzsteuer und die Körperschaftssteuer. Für jede dieser Steuern gibt es eigene Gesetze und Verordnungen. Auf deren Grundlage muss für jede Steuerart eine separate Steuererklärung abgegeben werden.

Die Steuergesetze und die Abgabenordnung regeln, wer welche Erklärung abgeben muss. Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder steuerpflichtig ist. Nicht zu den Steuerpflichtigen gehören zum Beispiel Menschen, die weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland leben und ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben. Auch viele Rentner sind nicht steuerpflichtig. Zu beachten ist jedoch, dass sich die Steuerpflicht von Rentner danach richtet, ab wann sie die Rente beziehen. Die Deutsche Rentenversicherung erklärt dazu, dass bei Rentnern, die spätestens im Dezember 2005 in Rente gingen, 50 Prozent der Bruttorente als steuerpflichtiges Einkommen angesetzt werden. Für jedes Jahr, das man später in Rente geht, steigt der Satz um zwei Prozent. Wer 2020 Rentner wurde, muss demnach 80 Prozent versteuern. Ab diesem Zeitpunkt steigt der Prozentsatz um ein Prozent. Die Folge: Ab 2040 ist die Rente voll zu versteuern. Das heißt aber nicht, dass man auch tatsächlich Steuern zahlen muss. Rentner sollten beachten, dass sie, auch wenn sie zu Rentenbeginn nicht steuerpflichtig waren, es im Laufe des Bezugs der Rente werden können. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte sich bei einem Steuerberater, dem Finanzamt oder einem Rentenberater erkundigen. Auskünfte bei Rentenberatern sind kostenlos.

Hier finden Sie weitere Infos rund um die Steuererklärung.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung in Deutschland abgeben?

Für die meisten Menschen, zum Beispiel Arbeitnehmer, ist die Einkommensteuer die Steuerart, für die man eine Erklärung abgeben muss. Die muss man aber nur dann abgeben, wenn man neben den Lohneinkünften noch weitere hat, zum Beispiel Einkünfte aus freiberuflicher oder selbstständiger Arbeit, Dividenden, Vermietung, Verpachtung oder Renten, und diese den Grundfreibetrag übersteigen. Auch Arbeitnehmer, die bestimmte Lohnsteuerabzugsmerkmale haben eintragen lassen, sind einkommensteuerpflichtig. Einkommensteuer ist auch dann zu entrichten, wenn man Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen-, Kranken- oder Elterngeld erhalten hat und diese mehr als 410 Euro im Jahr betragen. Auch Elterngeld ist einkommensteuerpflichtig. Wer nach diesen Grundlagen nicht einkommensteuerpflichtig ist, sollte dennoch freiwillig eine Steuererklärung abgeben. Viele Ausgaben, auch private, lassen sich nämlich von der Steuer absetzen. Dazu gehören zum Beispiel die Werbungskosten, Gesundheitsausgaben, haushaltsnahe Dienstleistungen, Unterhaltskosten und unter bestimmten Voraussetzungen Beerdigungskosten. Die Verbraucherzentrale weist zudem darauf hin, dass man, wenn mit einer Steuererstattung zu rechnen ist, vier Jahre Zeit hat, um die freiwillige Erklärung beim Finanzamt abzugeben. Wer keine freiwillige Steuererklärung abgibt, der muss darauf achten, dass er bestimmte Fristen einhält.

Wie bei allen anderen Steuerarten gilt auch hier, dass man seinen Wohnsitz in Deutschland haben muss und sich mindestens 183 Tage in Deutschland aufgehalten hat. Zu beachten ist, dass es seit 2011 die grundsätzliche Pflicht gibt, bei gewerblichen oder freiberuflichen Einkünften die Einkommensteuererklärung auf elektronischem Wege und damit online zu übermitteln.

Bei welchem Finanzamt muss man seine Steuererklärung abgeben?

Welches Finanzamt für die Abgabe der Steuererklärung zuständig ist, richtet sich danach, wo man wohnt. Jedes Finanzamt ist für einen bestimmten Bezirk verantwortlich. Man spricht daher auch von "Wohnsitzfinanzamt". Bei Singles ist zu beachten, dass bei der Abgabe das Finanzamt zu wählen ist, in dessen Bezirk man sich hauptsächlich aufhält. Das kann dann auch schon einmal der Zweitwohnsitz sein. Bei Familien ist das Finanzamt zuständig, in dessen Bezirk sich die Familie hauptsächlich aufhält. Ist man gerade umgezogen, erfolgt die Abgabe beim Finanzamt des neuen Wohnsitzes. Zieht man nach der Abgabe um, legt aber Einspruch gegen den Steuerbescheid ein, macht man das in der Regel ebenfalls beim neu zuständigen Amt. Mit dessen Erlaubnis ist der Einspruch aber auch beim ehemals zuständigen Amt möglich. Wer nicht genau weiß, welches Finanzamt für ihn zuständig ist, kann sich auf der Internetseite des Bundeszentralamts für Steuern informieren.

Welche Fristen gelten für die Abgabe der Steuererklärung 2021?

Wer zu der Gruppe derer gehört, die eine Steuererklärung einreichen müssen, für den gilt der 31. Juli 2021 als Abgabefrist für die Steuererklärung 2020. Da dies ein Samstag ist, verlängert sich die Frist automatisch bis zum 2. August 2021. Diejenigen, die auf die Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins setzen, haben bis Ende März 2022 Zeit. Eigentlich würde die Frist schon einen Monat früher enden, doch wegen der Corona-Pandemie wurde sie um einen Monat verlängert. Auf Antrag kann im Einzelfall schriftlich eine noch spätere Frist beim Finanzamt beantragt werden. Triftige Gründe sind zum Beispiel ein Umzug oder eine längere Krankheit.

Personen, die ihre Steuererklärung ohne Hilfe erstellen, sie aber erst nach dem 31. Juli 2021 beim zuständigen Finanzamt einreichen, müssen damit rechnen, dass das Finanzamt Verspätungszinsen berechnet. Das sind mindestens 25 Euro pro Monat. Wer eine freiwillige Steuererklärung einreicht, muss dies aber nicht fürchten. Für freiwillige Erklärungen hat man vier Jahre Zeit.

Da 2020 aufgrund der Pandemie viele Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld bekommen haben, sind auch mehr Beschäftigte verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Denn alle, die mehr als 410 Euro Lohnersatzleistungen bekommen haben, kommen um die Erklärung nicht herum. Neben Kurzarbeitergeld zählen auch Eltern- oder Arbeitslosengeld zu den Lohnersatzleistungen.

Welche Formulare muss man für die Steuererklärung ausfüllen?

Eine Steuererklärung kann sehr umfangreich sein, muss sie aber nicht. Letztlich richtet es sich danach, was man zu versteuern hat, was man von der Steuer absetzen möchte und ob man zum Beispiel Arbeitnehmer, Rentner, Vermieter oder selbstständig ist. Auf manche Personen treffen gleich mehrere Dinge zu. Entsprechend umfangreicher wird die Erklärung.

Die meisten Menschen, die eine Steuerklärung machen, sind Arbeitnehmer. Es handelt sich dann um eine Einkommensteuererklärung. Als erstes Formular füllt man den Hauptvordruck aus. Er enthält unter anderem den Namen, den Familienstand, die Bankverbindung und Angaben zu sogenannten Einkommensersatzleistungen. Das sind zum Beispiel Arbeitslosen-, Kranken-, Eltern-, Mutterschafts- und Kurzarbeitergeld. Diese Gelder sind zwar steuerfrei, bewirken aber, dass die steuerpflichtigen Einkünfte mit einem höheren Steuersatz berechnet werden.

Hinzufügen kann man einige Anlagen wie die "Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen". Darin gibt man zum Beispiel Kosten für Handwerker, haushaltsnahe Dienstleistungen und Haushaltshilfen an. Das führt zu einer Steuerermäßigung. Auch die "Anlage Sonderausgaben" kann man hinzufügen. Darin angegeben werden Kirchensteuer, Spenden, Mitgliedsbeiträge, Kosten für die Berufsausbildung, Unterhaltsleistungen und Ausgleichsleistungen. In die "Anlage Außergewöhnliche Belastungen" gehören Kosten für Krankheit und Pflege, Kfz-Kosten, Bestattungskosten. Auswirkungen haben die Kosten aber kaum.

Für alle Arbeitnehmer und Pensionäre gehört die Anlage N als wichtiges Formular dazu. In ihr macht man zuerst Angaben zu Arbeitslohn, Versorgungsbezügen und Lohnersatzleistungen. Und dann kommt der interessante Teil der Anlage N: die Werbungskosten. Sie können dazu führen, dass man eine Steuererstattung bekommt. Denn mit diesem Formular lassen sich zahlreiche Dinge von der Steuer absetzen. Der Pauschalbetrag für Arbeitnehmer liegt bei 1000 Euro. Die werden auf jeden Fall abgezogen. Hat man Ausgaben, die darüber hinausgehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Erstattung zu erhalten.

Bei der Steuererklärung für das Jahr 2020 wird dieses Formular besonders wichtig, denn wer im Homeoffice gearbeitet hat, der kann womöglich Dinge steuerlich absetzen, die er vorher nicht absetzen konnte. Für jeden Arbeitstag in der häuslichen Wohnung können Steuerzahler einen Betrag von fünf Euro als Werbungskosten angeben - maximal aber 600 Euro im Jahr. Die Homeoffice-Pauschale gibt es nicht zusätzlich zum Werbungskostenpauschbetrag. Daher ist sie für jene von Vorteil, die Werbungskosten von über 1000 Euro haben. Bei Arbeitstagen im Homeoffice entfällt indes die Pendlerpauschale, da es keine Fahrten zur Arbeitsstätte gab. „Eine Homeoffice-Tagespauschale von fünf Euro darf man nur angeben, wenn man an dem Tag ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet hat“, stellt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine, klar. Wer an einem Tag zusätzlich in die Firma fährt - etwa um Post abzuholen -, kann die Tagespauschale von fünf Euro nicht geltend machen, wohl aber die Entfernungspauschale zwischen Wohnung und Firma. Wer trotz Corona in der Firma gearbeitet hat, erhält die Entfernungspauschale. Dabei gewährt das Finanzamt für jede Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte 30 Cent pro Kilometer. Ob man dafür einen Pkw, Bus, Bahn oder Fahrrad genutzt hat, spielt keine Rolle. Auch wer zu Fuß geht, bekommt die Pauschale.

Neben der Homeoffice-Pauschale gehören auch noch weitere Dinge zu den Werbungskosten. Steuerlich absetzen lassen sich zum Beispiel Arbeitsmittel. Das sind alle Dinge, die man für seine berufliche Tätigkeit benötigt, sofern man sie zu mindestens zehn Prozent für die Arbeit nutzt. Das sind zum Beispiel Computer, Schreibtische, Stifte und Druckerpatronen. Absetzbar sind auch Kosten für Bewerbungsunterlagen, Berufskleidung und den Führerschein. Weitere steuerlich absetzbare Kosten sind die Kontoführung, Rechtsberatungen (wenn diese im Zusammenhang mit der Arbeit stehen), Steuerberatungskosten und Umzugskosten. Seit März 2020 können Steuerzahler dabei eine höhere Umzugskostenpauschale geltend machen. Die Pauschale steigt für Singles auf 820 Euro (zuvor: 811 Euro), für Verheiratete oder Alleinerziehende auf 1639 Euro (zuvor: 1622 Euro). Außerdem gibt es höhere Verpflegungspauschalen bei Dienstreisen: Wer mehr als acht Stunden am Tag dienstlich unterwegs war, kann pro Tag in der Steuererklärung 14 Euro (vorher: 12 Euro) angeben. Bei einer Dienstreise, die an einem Tag mindestens 24 Stunden dauerte, können 28 Euro (vorher: 24 Euro) geltend gemacht werden. Seit 2020 gibt es zudem eine Übernachtungspauschale für Berufskraftfahrer. Sie können für den An- und Abreisetag sowie für jede Übernachtung im Lkw 8 Euro pro Arbeitstag in ihrer Steuererklärung als Werbungskosten eintragen.

Wer das Rentenalter erreicht hat, füllt die Anlage R aus. In diesem Formular geben Pensionäre ihre Altersbezüge und ihre Werbungskosten an.

Ein weiteres Formular, das zur Steuererklärung gehört, ist die Anlage Vorsorgeaufwand. Angeben muss man darin alle Beiträge, die zu einem späteren Rentenanspruch führen. Das sind zum Beispiel Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung, an private Rentenversicherungen oder auch an berufsständische Versorgungseinrichtungen. In die Anlage Vorsorgeaufwand gehören auch die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung. Angaben machen kann man auch für weitere Ausgaben, zum Beispiel für Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall-, Risiko- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Die meisten Daten für diese Anlage können Arbeitnehmer der Lohnsteuerbescheinigung, die der Arbeitgeber ausstellt, entnehmen.Ergänzend dazu kann die Anlage AV betrachtet werden. In ihr trägt man zum Beispiel Beiträge zur Riester-Rente ein und sichert sich so die staatlichen Zuschüsse. Beachten muss man im Rahmen der Riester-Rente auch die Kinderzulage. Sie steht in der Regel Müttern zu, die einen solchen Vertrag haben.

Wer Kinder hat, für den ist die Anlage K interessant. Darin machen Steuerzahler zunächst persönliche Angaben zum Kind. Für jedes Kind muss ein separates Formular ausgefüllt werden. Auch der Kindergeldanspruch muss angegeben werden. Das zuständige Finanzamt ermittelt daraus, was für den Steuerzahler günstiger ist: das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag. Der ist 2020 um 192 Euro gestiegen. Bei gleichbleibendem Betreuungsfreibetrag beträgt er für 2020 exakt 7812 Euro pro Kind und Jahr (2019: 7620 Euro). Wer alleinerziehend ist und mindestens ein Kind bei sich wohnen hat, profitiert 2020 von einem steuerlichen Entlastungsbetrag von 4008 Euro (zuvor: 1908 Euro). „Für jedes weitere Kind erhöht sich der Entlastungsbetrag, und zwar um jeweils 240 Euro“, erklärt Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Alleinerziehende, die jedoch mit einem Freund, Verwandten oder erwachsenem Kind in einer Wohnung leben, haben keinen Anspruch auf den Entlastungsbetrag.

In einigen Fällen kommt die Anlage U zum Einsatz, nämlich dann, wenn man Unterhalt zahlen muss. Darin werden unter Umständen auch Zahlungen an die Kranken- und Pflegeversicherung des geschiedenen Partners eingetragen. Dieses Verfahren nennt man Realsplitting.

Wer Einkünfte aus selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit hat, der muss die Anlage S einreichen. Zu beachten ist, dass sich das Formular nicht mehr über das Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung herunterladen lässt. Stattdessen muss die Erklärung online, zum Beispiel über ein Elster-Formular, ausgefüllt werden. Für die Anlage S gilt, dass dort alle Gewinne eingetragen werden müssen, die Selbstständige erwirtschaftet haben. Wer für eine gemeinnützige Organisation oder öffentlich-rechtliche Körperschaft als Übungsleiter tätig war, erhält einen Freibetrag. Wer hohe Kapitaleinkünfte, zum Beispiel durch Zinsen, Aktien oder Dividenden hat, der muss die Anlage KAP ausfüllen. Da jedoch die meisten Sparer den Freibetrag von 801 Euro nicht erreichen, entfällt in den meisten Fällen das Ausfüllen dieser Anlage.