Kosten und gesetzliche Regeln Was kostet eine Scheidung?

Düsseldorf · Die Trennung einer Ehe ist meist komplex und kostspielig. Oft entsteht ein Kampf um Vermögen und Kinder, der dann geregelt werden muss. Antworten auf die drängendsten Fragen, wenn man sich scheiden lassen will.

 Nicht alle Ehen halten – bei weitem nicht. (Symbolbild)

Nicht alle Ehen halten – bei weitem nicht. (Symbolbild)

Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Scheidung der Ehe kann nicht nur emotional, sondern auch finanziell zermürbend sein. Wie viel die rechtliche Trennung letztendlich kostet, ist vom Einzelfall und diversen Faktoren abhängig.

Wie lange dauert es, sich scheiden zu lassen?

Ehepaare sind rechtlich dazu verpflichtet, mindestens ein Jahr vor dem Scheidungsantrag bereits getrennt zu leben. Wird das sogenannte Trennungsjahr nicht eingehalten, kann das Gericht den Scheidungsantrag zurückweisen, wodurch zusätzliche Kosten entstehen können. Ausnahmen sind möglich, wenn belegt werden kann, dass die Ehe unzumutbar ist – beispielsweise wegen Misshandlung. „Das wäre dann eine sogenannte Härtefallregelung“, schildert Niels Koch, Düsseldorfer Anwalt für Familienrecht. Die Kosten bleiben gleich. Der Grund für den unzumutbaren Zustand muss in der anderen Person liegen.

In der Regel dauere die Scheidung mit Versorgungsausgleich etwa sechs bis acht Monate, sagt Stefan Specks, ebenfalls Anwalt für Familienrecht in Düsseldorf. Addiert ergibt das also mindestens anderthalb Jahre, „die Scheidung ist ein Langzeitprojekt“. Und sie kann abhängig von der Menge der ehelichen Differenzen auch noch länger dauern.

Was kostet die Scheidung?

Die Scheidungskosten setzen sich aus Gerichts- und Anwaltskosten zusammen. „Für einen ersten Überblick kann ein Scheidungskostenrechner hilfreich sein“, sagt Specks. Je nach Dauer und Konflikten können die Kosten jedoch steigen. Gesetzlich dürfen die Scheidungskosten nicht unter 3000 Euro, aber auch nicht über eine Million Euro liegen.

Gerichts- und Anwaltskosten sind vom Verfahrenswert abhängig, der endgültig jedoch erst vom Richter im letzten mündlichen Verhandlungstermin festgesetzt wird. Hierfür werden die letzten drei Nettoeinkommen beider Gatten addiert. Je nach Gericht werden pro Kind etwa 250 Euro vom Einkommen abgezogen, etwa zwei bis fünf Prozent des Vermögens wird zudem hinzugerechnet – laut Rechtsanwalt Koch seien diese Vorgehensweisen in NRW jedoch unüblich.

Das Familiengericht führt automatisch einen Versorgungsausgleich durch – sofern kein Härtefall vorliegt, die Ehe länger als drei Jahre dauerte oder kein Ehevertrag abgeschlossen wurde –, der ebenfalls Teil des Verfahrenswerts ist. Der Ausgleich bestimmt sich aus zehn Prozent für jede bestehende Rentenversicherung des dreifachen Einkommens beider Gatten. Beim Versorgungsausgleich werden die Altersvorsorge-Ansprüche, die während der Ehe erworben wurden, hälftig aufgeteilt.

Ein Beispiel: Das Durchschnittshaushaltsnettoeinkommen 2021 betrug 3813 Euro im Monat. Multipliziert mit drei ergibt das einen Wert von 11.439 Euro, bei zwei Rentenversicherungen liegen die Kosten für den Versorgungsausgleich bei 2287,80 Euro. Insgesamt liegt der Verfahrenswert demnach bei 13.726,80 Euro. Wie hoch die Anwaltskosten sind, regelt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Bei diesem Verfahrenswert liegen für zwei Anwälte die Kosten bei 4319,70 Euro, die Gerichtskosten bei 648 Euro. Das ergibt eine Summe von knapp 2500 Euro pro Person.

Die Kosten für die Scheidung sind steuerlich nicht absetzbar und können steigen, wenn beispielsweise Fragen zu Unterhalt, Vermögen oder Kinder gerichtlich geklärt werden müssen. Um daher Kosten zu sparen, empfiehlt Specks eine Scheidungsfolgenvereinbarung abzuschließen.

Wie wird das Vermögen nach der Scheidung geteilt?

Beim Verbundverfahren werden verschiedene Scheidungsfragen in einem Verfahren abgewickelt, darunter auch Aspekte zu Vermögen oder Sorgerecht. Wenn sich Paare nicht einigen können, wie Vermögensgegenstände aufgeteilt werden, greift der Zugewinnausgleich. Dieser zählt das Vermögen, das während der Ehe erwirtschaftet wurde und macht hiervon Halbe-Halbe. Vermögen, das in die Ehe eingebracht wurde, wird dabei nicht berücksichtigt. Auch Geschenktes und Geerbtes fällt in das Anfangsvermögen, das nicht aufteilt wird. Wenn dieses aber während der Ehe an Wert zugenommen hat, beispielsweise bei einer Immobilie, wird die Wertsteigerung im Zugewinnausgleich mitberücksichtigt. Dieser Zugewinn gilt als gemeinsam erworben.

Wem steht bei einer Trennung das Haus beziehungsweise die Wohnung zu?

Wohnte das Paar vorher zur Miete, hat es die Möglichkeit, den Mietvertrag gemeinsam zu kündigen. Möchte nur einer kündigen, ist der andere verpflichtet, dem zuzustimmen. Im Einverständnis des Vermieters kann der Mietvertrag auch geändert werden. Ist insgesamt keine Einigung möglich, so kann beim Gericht ein Antrag auf Wohnungszuweisung gestellt werden, der jedoch mit weiteren Kosten verbunden ist. Gibt es Kinder in der Ehe, ist bei der gerichtlichen Zuweisung das Kindeswohl entscheidend. Derjenige, bei dem das Kind bleibt, kann also in der Regel wohnen bleiben, wenn er oder sie will.

Sind die Gatten gemeinsame Eigentümer einer Immobilie, so gehört ihnen auch nach der Scheidung das Haus beziehungsweise die Wohnung zusammen. Der Verkauf ist laut Rechtsanwalt Stefan Specks nur gemeinsam möglich. Bleibt einer in der Immobilie wohnen, kann die andere Partei eine Zahlung in Form von Miete oder Kauf verlangen. Das Haus kann auch geteilt werden, indem es beispielsweise in zwei Eigentumswohnungen verwandelt wird. Auch besteht die Möglichkeit, die Immobilie auf Kinder zu übertragen. Wird keine Entscheidung realisiert, kann die Immobilie vom Amtsgericht teilversteigert werden.

Ist nur einer Eigentümer der Immobilie, bestimmt dieser über dessen Verwendung. Wenn die Immobilie während der Ehe gekauft wurde, kann sie beim Zugewinnausgleich an Berücksichtigung finden.

Was passiert mit dem Kind bei einer Scheidung?

In der Regel sollten Eltern mit dem Kind gemeinsam klären, wo es wohnen möchte. Ist keine Einigung möglich, kann ein Antrag auf Umgangsregelung beim Familiengericht gestellt werden. Dort wird nach Wohl des Kindes entschieden.

In der Regel sind beide Eltern sorgeberechtigt. Derjenige, der das Kind versorgt, leistet Betreuungsunterhalt. Der andere Elternteil ist verpflichtet, Barunterhalt in Form von monatlichen festen Summen zu leisten. Die Höhe bestimmt sich nach der Düsseldorfer Tabelle und ist abhängig von Einkommen, Alter und Anzahl der Kinder. Die Tabelle ist zwar rechtlich nicht bindend, wird bundesweit aber von Gerichten herangezogen. Entscheiden sich die Eltern für ein Wechselmodell, wird ein Ausgleichsbetrag gezahlt.

Was ist mit der Gütertrennung?

Ein Vertrag über Gütertrennung hebelt den Zugewinnausgleich aus. Das kann bei der Scheidung zu großen Nachteilen für den Ehepartner führen, der weniger Vermögen während der Ehe erworben hat. Wenn bei der Gütertrennung außerdem vereinbart wird, dass es keinen Versorgungsausgleich der erworbenen Rentenansprüche gibt, kann dies für denjenigen, der nur niedrige Rentenansprüche hat, negative Folgen haben.

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