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Ein Vorbild?: Schweden meisterten schon eine Finanzkrise

Ein Vorbild? : Schweden meisterten schon eine Finanzkrise

Berlin (RP). In diesen Tagen wird im politischen Berlin immer wieder der Name eines kleinen europäischen Landes geraunt, das bislang vor allem durch seine Möbelhäuser und seine Klamotten-Läden auf sich aufmerksam gemacht hat: Schweden. Die Augen der Finanzpolitiker schimmern hoffnungsfroh, wenn sie Schweden sagen. Denn die Schweden haben durch beherztes Eingreifen des Staates zu Beginn der 90er Jahre eine Finanzkrise gemeistert, die der aktuellen Situation in Deutschland stark ähnelt.

1992 stand das schwedische Bankensystem kurz vor dem Kollaps, nachdem sich in den Jahren zuvor eine große Immobilienblase gebildet hatte. Die Schweden durften damals bis zu 50 Prozent Kreditzinsen vom zu versteuernden Einkommen abziehen. Diese Vergünstigung und eine hohe Inflation führten dazu, dass sich die Schweden massenweise für Immobilien hoch verschuldeten. Zwischen 1987 und 1993 wurden Immobilien im Wert von 400 Milliarden Kronen gebaut.

Anfang der 90er Jahre verschlechtere sich die Konjunktur und der Wert der Immobilien sank um 50 Prozent. Gleichzeitig geriet die schwedische Krone durch Währungsspekulanten unter Druck.

Entscheidende Garantien

Die damalige bürgerliche Regierung richtete einen Krisenstab für die Banken ein und gab - und das war entscheidend - Garantien für die Verbindlichkeiten der Banken ab. Zudem nahm die Regierung die Kreditinstitute, die in Schwierigkeiten geraten waren, unter die Lupe. Sie teilte die Institute in "gute" und "schlechte" Banken. In den "schlechten Banken" wurden die faulen Kredite gesammelt. Teilweise wurden die Banken verstaatlicht. Für die Staatshilfen, die aus Steuermitteln gezahlt wurden, ließ sich die schwedische Regierung Gegenwerte in Aktien geben. Unter der Krise sortierte sich die Bankenlandschaft in Schweden neu, unter anderem entstand aus der "Nordbanken" die Nordea, die heute die größte Bank Nordeuropas ist.

Die Finanzhilfen für die Banken kosteten die Schweden zunächst vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Fünf Jahre später, 1997, hatte sich der Markt erholt und die Wirtschaftsleistung war nur noch zwei Prozent geringer als vor der Krise.

Ein kleines Plus unter dem Strich

Eine neuere Studie zeigt, dass der schwedische Staat langfristig sogar mit einem kleinen Plus aus der Krise herausgekommen ist. Die Regierung ist für die Krise dennoch bestraft worden. Sie wurde abgewählt.

Kritisiert wird am schwedischen Beispiel, dass sich die Regierung für ihre Finanzhilfen zwar Aktien geben ließ, aber keine weiteren Bedingungen stellte. Das macht die deutsche Bundesregierung heute anders. So fordert sie beispielsweise eine Obergrenze für Manager-Gehälter..

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(RP)