Schufa hält Daten vor Verbrauchern geheim

Trotz gesetzlicher Vorgaben keine umfassende Auskunft : Schufa hält Daten vor Verbrauchern geheim

Eigentlich ist die Schufa gesetzlich dazu verpflichtet, Verbrauchern alle über sie gespeicherten Daten mitzuteilen. Offenbar hält sich Deutschlands größte Auskunftei aber nicht daran. Das geht aus einem internen Dokument hervor. Dort ist außerdem zu erfahren, worauf die Schufa bei ihren Verbraucherbewertungen besonderen Wert legt.

Dazu gehören laut Erkenntnissen des Radiosenders NDR Info die Fragen, wie lange ein Bankkonto existiert oder eine Adresse, wie viele Kreditanfragen ein Verbraucher stellt und wie viele Bankkonten oder frühere Anschriften er hat.

Weitaus seltener werden demnach Daten wie das Lebensalter, die Häufigkeit von Krediten oder ihre Laufzeit mit in den so genannten Scorewert einberechnet. Mit dem Scorewert wird die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers bemessen.

Die Schufa weigert sich nach wie vor mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis offenzulegen, wie ihre Verbraucherbewertungen im Einzelnen zustande kommen. Der Bundesgerichtshof hatte dem Unternehmen in einem Urteil vom Januar 2014 in diesem Punkt Recht gegeben.

Der Vorstandsvorsitzende der Schufa, der frühere Hamburger Finanzsenator Michael Freytag, bezeichnete die Scoreberechnung wiederholt als "Coca-Cola-Formel", die das Unternehmen nicht preisgeben könne. Zahlreiche Datenschützer und Politiker fordern das Unternehmen trotzdem seit längerem zu mehr Transparenz auf.

Ein Schufa-Sprecher bestätigte NDR Info, dass es Daten gebe, die dem Verbraucher in den im Bundesdatenschutzgesetz vorgesehenen kostenlosen Auskünften nicht mitgeteilt würden. So speichert die Schufa, wie alt die aktuelle Adresse ist, und bezieht dies auch in ihre Scoreberechnung mit ein. Der Verbraucher erfährt davon jedoch nichts und kann ein möglicherweise falsches Datum folglich auch nicht korrigieren.

"Das Alter der Einträge ist ein technisches Datum, das keinen Lebenssachverhalt über den Betroffenen beschreibt", so der Sprecher der Schufa: "Deshalb muss es auch nicht in die Datenübersicht aufgenommen werden."

Dem widerspricht Michael Kaiser vom zuständigen Amt des Hessischen Datenschutzbeauftragten: "Daten, die in die Scoreberechnung mit einfließen, müssen den Verbrauchern auch mitgeteilt werden." Diese Sicht teilen auch die Aufsichtsbehörden weiterer Bundesländer.

Schufa weist Bericht zurück

Die Schufa hat den Bericht inzwischen zurückgewiesen. Man habe bereits im Jahr 2010 ihre Bewertungsverfahren "inklusive der verwendeten Variablen allen Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes offengelegt", teilte die Schufa am Donnerstag mit. Damals habe es keine Beanstandungen an dem Verfahren gegeben.

Zu der nicht vorhandenen Möglichkeit, das eigene Einzugsdatum zu korrigieren, heißt es in der Stellungnahme der Schufa, bei der 2010 erfolgten Offenlegung seien "Beanstandungen an der Verwendung dieses Datums oder Zweifel an der Prognosegüte" nicht geäußert worden. Der hessische Datenschutzbeauftragte habe der Schufa zudem im Januar bestätigt, ihr Verfahren sei ausreichend transparent.

Verbraucherschützer: Daten regelmäßig kontrollieren

Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa oder Creditreform sammeln und speichern unbemerkt eine ganze Reihe von Daten über Verbraucher. Aus diesen Daten ermitteln sie den bereits erwähnten Score-Wert. Dieser soll Aufschluss über die Bonität des jeweiligen Kunden geben und teilt die Verbraucher damit in solche mit guter und schlechter Zahlungsmoral ein.

"Die Score-Werte können große Auswirkungen im Alltag eines jeden Verbrauchers haben", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Der Score kann darüber entscheiden, ob Verbraucher bequem per Rechnung im Internet einkaufen können oder nur gegen Vorkasse." Bei einem schlechten Wert werden Kredite erheblich teurer oder von der Bank sogar abgelehnt.

Da die Wirtschaftsauskunfteien nicht verpflichtet sind, die Richtigkeit der gespeicherten Daten zu kontrollieren, sollten Verbraucher die Daten regelmäßig überprüfen. Gespeichert werden je nach Auskunftei unterschiedliche Daten. Neben dem stets hinterlegten Namen, dem Geburtsdatum und der Anschrift können Girokonten, Kreditkarten, Kredite, Bürgschaften, Mobilfunk- und Leasingverträge sowie Ratenzahlungsgeschäfte erfasst werden.

Abfrage einfach per E-Mail

"Verbraucher haben nach dem Datenschutzgesetz einen Rechtsanspruch darauf, zu erfahren, welche Daten eine Auskunftei über sie gespeichert hat", sagt der Finanzexperte. Einmal im Jahr können Verbraucher ihre Daten kostenfrei abfragen.

"Machen Sie von Ihrem Recht Gebrauch", empfiehlt Nauhauser. "Oft genug sind die gespeicherten Angaben fehlerhaft oder veraltet." Wird etwa ein bereits abgelöster Kredit als noch nicht getilgt verzeichnet, kann das die Kreditwürdigkeit beeinflussen. "Es scheint so, dass Schlamperei der Daten eintragenden Stellen von den Auskunfteien nicht geahndet wird", beklagt Nauhauser.

Die Abfrage der Daten ist unkompliziert: "Das Datenschutzgesetz gibt keine bestimmte Form vor, das geht also auch einfach per E-Mail", erklärt Nauhauser. "Die Auskunfteien legen Verbrauchern zum Teil Steine in den Weg, indem sie ohne Rechtsgrund auf den Postweg bestehen und eine Ausweiskopie verlangen."

Die Anfrage, ob nun per E-Mail oder per Post, muss den vollständigen Namen, die aktuelle Anschrift sowie das Geburtsdatum des Verbrauchers enthalten. "Wer Fehler entdeckt, hat einen Anspruch auf eine Korrektur seiner Daten", sagt Nauhauser.

Hier geht es zur Infostrecke: Was macht die Schufa eigentlich?

(csr)
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