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Schleichender Tod der Lebensversicherung

Kommentar zu den Eu-Aufsichtsplänen : Schleichender Tod der Lebensversicherung

Die Lebensversicherung ist als Geldanlage in der Niedrigzinsphase nicht schlechter als viele andere Produkte. Aber die Pläne der EU-Kommission verringern ihre Attraktivität zusätzlich.

Das Problem der Lebensversicherung ist nicht ihre geringe Rendite. Mit der könnte man in der aktuellen Zeit gut leben, denn im Gegensatz zu früheren Jahren sind andere Investments in sichere Geldanlagen ja keinen Deut lukrativer. Die Kapitallebensversicherung ist nicht schlechter als ein Tages- oder Festgeld­konto, schon gar nicht schlechter als das gute alte Sparbuch, auf dem insgesamt Milliarden liegen und bei denen Inhaber nicht über realen Vermögensverlust nachdenken. Aber sie droht jetzt weiter an Attraktivität zu verlieren, wenn die EU, wie von der Kommission vorgeschlagen, für risikoreiche Geldanlagen mehr Kapitalpuffer verlangen sollte.

Die Intransparenz der Lebensversicherungen gegenüber dem Kunden und die viel zu hohen Kosten, die den Beitragszahlern über Jahre von den Anbietern aufgebürdet werden, haben die  Lebensversicherer zu verantworten. Aber an der Niedrigzinsphase sind auch sie nicht schuld. Manche von ihnen haben daraus ihre Lehren gezogen und neue Produkte entwickelt, moderne Varianten, die mehr Rendite versprechen, aber eben nicht mehr die Auszahlung der kompletten Versicherungssumme garantieren. Ein logischer Schritt. Dass die Veränderungen nur mit mehr Risiko auch für die Klientel einhergehen können, ist eine der banalsten Weisheiten der Finanzmärkte. Wo gibt es mehr Rendite ohne größeres Risiko?

Jetzt drohen die Versicherer für diese Anpassung an die Zins-Wirklichkeit bestraft zu werden – mit Folgen für die Verbraucher. Dass die Branche verpflichtet werden soll, höhere Risiken in ihren Anlagen mit mehr Kapital zu puffern, mag gut sein, weil es die Ansprüche aus Altverträgen stärker sichert. Aber es schreckt gleichzeitig potenzielle Neukunden ab, für die die Altersvorsorge über Lebensversicherungen teurer werden könnte. Dem Klassiker droht der schleichende Tod.