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Post verpasst Auftrag für Corona-Logistik in NRW

Logistikbranche : Post verpasst Landesauftrag für Corona-Logistik in NRW

Die Deutsche Post scheitert überraschend dabei, den Auftrag zur Versorgung der künftigen 53 Corona-Impfzentren in NRW zu erhalten. Das erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Das NRW-Gesundheitsministerium bestätigt dies. Der Konzern rechnet trotzdem mit riesigen Aufträgen global. Man stünde bereit, sagt Vorstandschef Frank Appel.

(rky) Die Deutsche Post DHL wird sich überraschend nicht um die Logistik der 53 Corona-Impfzentren in NRW kümmern, erfuhr unsere Redaktion. Die Information bestätigte das NRW-Gesundheitsministerium unserer Redaktion. Diese Entscheidung kommt auch deswegen unerwartet, weil die Post größter Logistikkonzern Deutschlands ist und in der NRW-Stadt Bonn ihre Zentrale hat. Der Konzern hatte nach Informationen unserer Redaktion großes Interesse an dem Auftrag bekundet.

Nun wird sich voraussichtlich der Logistiker Kühne + Nagel darum kümmern, die Impfstoffe zu den NRW-Impfzentren zu bringen, erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Die NRW-Landesregierung wollte auf Anfrage nicht kommentieren, welches Unternehmen nun den Auftrag erhält.Dabei spielen auch Sicherheitsthemen eine Rolle.

Das Scheitern der Post könnte auch damit zusammenhängen, dass der Impfstoff von Biontech aus Mainz nun doch nicht bei minus 70 Grad gelagert und transportiert werden muss, wie anfangs angenommen. Biontech erklärt nun, für einige Tage sei auch denkbar, den Impfstoff bei Kühlschranktemperatur zu lagern.

Insider bei der Post hatten vor einiger Zeit noch damit gerechnet, den Auftrag zu erhalten. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass der Konzern darauf vorbereitet sei, Impfstoffe sehr tief gekühlt auszuliefern. Entsprechende Kapazitäten im Umfeld von NRW stehen bereit.

Das Verhältnis der Post zum Land NRW ist nicht ganz harmonisch. Der Konzern schließt in Aachen das Unternehmen Streetscooter, das innovative Elektrolieferwagen baut. Aachen ist Wohnsitz von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der Streetscooter immer sehr lobte.

Trotz des erstaunlichen Rückschlages im Heimatbundesland ist damit zu rechnen, dass Deutsche Post DHL mit dem Transport von Impfstoffen gegen Corona in den nächsten zwei Jahren viel zu tun haben wird. Der nach eigener Einschätzung größte Logistikkonzern der Welt hat mehrfach erklärt, dass er bereit ist, rund um den Globus Lieferungen zuzustellen.

„Wir sind da nicht erst seit gestern, sondern seit Beginn der Pandemie mit den Pharmaunternehmen im Gespräch“, sagte Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Post. Das Unternehmen stünde bereit zu helfen.

Etwa 15.000 Flugzeuge wären nötig, um die Impfdosen an alle Menschen global zu verteilen, schätzt die Post in einer Studie. Die Luftfahrtorganisation IATA hingegen spricht von nur 8000 Flugzeugen. Egal wie es kommt: Luftfrachtkapazität ist knapp. Eigene Flotten mit Frachtflugzeugen haben nur Expressdienste wie FedEx, UPS oder Deutsche Post/DHL und auch manche Airlines wie die Lufthansa mit ihrer Tochter Lufthansa Cargo.