Ratingagentur Fitch: Portugals Kreditwürdigkeit wird herabgestuft

Ratingagentur Fitch: Portugals Kreditwürdigkeit wird herabgestuft

New York (RPO). Droht ein neues "Griechenland-Drama" am Atlantik? Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität des hoch verschuldeten Portugals wegen mangelnder Haushaltsdisziplin herabgestuft. Unterdessen will die Bundesregierung den Internationalen Währungsfonds an der Rettung Griechenlands beteiligen.

Sollten sich die öffentlichen Finanzen Portugals dieses und nächstes Jahr nicht wesentlich verbessern, drohe eine weitere Herabstufung, kündigte Fitch am Mittwoch an. Investoren fürchten, dass nach Griechenland weitere wirtschaftlich schwache Euro-Länder tiefer in die Schuldenkrise geraten könnten.

Die Finanzmärkte reagierten umgehend: Der Euro verbilligte sich; Der Frankfurter Aktienindex Dax gab seine Gewinne ab und drehte ins Minus. Auch andere europäische Aktienmärkte reagierten negativ. Die Renditeaufschläge auf zehnjährige portugiesische Staatsanleihen verglichen mit dem Bund erhöhten sich um vier Punkte auf 129 Basispunkte. "Die Nachricht von Fitch hat den Markt drehen lassen. Sie zeigt, dass die griechische Situation noch nicht unter Kontrolle ist", sagte Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets.

Die Kreditwürdigkeit Portugals wird von der Agentur nun mit der Note "AA-" und negativem Ausblick bewertet und damit eine Note schlechter als bislang mit "AA". Analysten rechneten indes nicht damit, dass andere Ratingagenturen dem Schritt folgten. Verglichen mit Moody's oder Standard & Poor's habe das Rating von Fitch für Portugal in etwa in der Mitte gelegen, sagte Peter Chatwell, Bond-Experte bei Credit Agricole in London. "Die Herabstufung hat eher Einfluss auf die Schuldenkrise insgesamt", sagte er.

Langfristige Sparpläne glaubwürdig

Fitch teilte mit, der langfristige Sparplan Portugals sei weitgehend glaubwürdig. Auch sei nicht mit politischer Instabilität zu rechnen, die zu einer Abkehr vom Sparkurs führen würde. Allerdings sieht die Agentur Risiken für das Defizit vor allem in den Jahren 2012 bis 2013.

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Neben Griechenland und Portugal haben auch Irland, Spanien und Großbritannien massive Haushaltsprobleme. Fitch hatte jüngst mitgeteilt, Großbritannien sei das Land mit der Top-Note "AAA", das wegen seines hohen Haushaltsdefizits am ehesten eine Herabstufung riskiere. Auch Deutschland ist mit der Bestnote "AAA" bewertet und kann sich damit am Kapitalmarkt Geld zu günstigen Konditionen beschaffen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll bei einer Notfallhilfe für Griechenland nach dem Willen der Bundesregierung eine tragende Rolle spielen. Dies erklärten Regierungskreise am Mittwoch in Berlin kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Die deutsche Regierung erwartet demnach, dass mögliche IWF-Kredite durch freiwillige, bilaterale Hilfen aller 16 Staaten der Eurozone ergänzt werden. Voraussetzung bleibe aber, dass dem hoch verschuldeten Griechenland akut Zahlungsunfähigkeit drohe und Athen keinen Zugang zu Krediten am Kapitalmarkt habe.

Die Kreise berichteten weiter, dass die Idee, den IWF maßgeblich an einer Notfallhilfe zu beteiligen, in der Euro-Zone "eine deutlich größere Untestützung findet als noch vor drei Wochen". Dies begrüße die Bundesregierung sehr.

Zu Medienberichten, die Euro-Gruppe werde sich noch vor dem offiziellen Gipfel der 27 EU-Staatsen kurzfristig treffen, hieß es aus den Kreisen, dazu sei bislang nicht eingeladen worden und es sei auch kein Treffen verabredet. Aus Sicht der Bundesregierung stehe eine Hilfsaktion für Griechenland nicht auf der Tagesordnung, denn das Land habe nach wie vor nicht um finanzielle Unterstützung gebeten.

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(RTR/felt)