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"Paradise Papers": Diese Namen stehen in den Leaks

Superreiche, Minister und die Queen : Diese Namen stehen in den "Paradise Papers"

Ein gigantisches Datenleck bringt Politiker, Unternehmer, Prominente und Superreiche wegen ihrer Steuertricks in Bedrängnis. Ein Überblick über die bekanntesten Namen, die in den "Paradise Papers" auftauchen sollen.

Die "Paradise Papers" legen offen, wie Steueroasen in der ganzen Welt genutzt werden. Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell - aber dadurch entfallen Milliarden-Steuerzahlungen, die sonst dem Gemeinwohl zugute kommen würden. Die bisherigen Erkenntnisse aus den Dokumenten, die zunächst der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt und dann von einem internationalen Medienkonsortium ausgewertet wurden.

  • Ausgerechnet US-Handelminister Wilbur Ross soll an Russland-Geschäften verdienen, was Fragen über einen Interessenskonflikt aufwirft. Der 79-jährige Milliardär hält den Berichten zufolge über ein komplexes Netz an Offshore-Investitionen 31 Prozent an der Reederei Navigator. Einer von deren Großkunden ist der russische Energiekonzern Sibur. Dieser wiederum wird von Vertrauensleuten des Präsidenten Wladimir Putin, darunter der mit US-Sanktionen belegte Geschäftsmann Gennadi Timschenko, und seinem Schwiegersohn Kirill Schamalow kontrolliert. Diese Verbindung sei dem US-Senat offenbar nicht bekannt gewesen, als er Ross Anfang 2017 für das Ministeramt bestätigt habe, schreibt die "SZ". Bei Amtsantritt reduzierte Ross den Dokumenten zufolge seine persönliche Beteiligung an Navigator. Doch werden seine Investitionen nach US-Angaben immer noch auf zwei bis zehn Millionen Dollar (1,7 bis 8,6 Millionen Euro) geschätzt. Ross habe nichts mit der Entscheidung von Navigator zu tun, Geschäfte mit Sibur zu machen, erklärte ein Sprecher des US-Handelsministeriums.
  • Die britische Königin Elizabeth II. soll rund zehn Millionen Pfund (mehr als elf Millionen Euro) aus ihrem Privatvermögen in Fonds auf den Kaimaninseln und den Bermudas angelegt haben. Das Geld sei unter anderem in die umstrittene Handelskette Brighthouse reinvestiert worden, die wegen Wucherzinsen in der Kritik steht, berichteten BBC und "Guardian". Geld sei auch in eine Ladenkette für Spirituosen geflossen, die aber später Pleite ging. Zudem taucht eine Verbindung zum argentinischen Finanzminister Luis Caputo auf. Das Herzogtum von Lancaster, das für die Anlagen der Queen zuständig ist, erklärte: "Alle unsere Investitionen sind vollständig überprüft und rechtmäßig."
  • Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos soll unter anderem Chef einer auf Barbados registrierten Holding gewesen sein, bevor er im Jahr 2000 Finanzminister Kolumbiens wurde.
  • Die Dokumente belegen der "SZ" zufolge ferner, wie der deutsche Spielotheken-Betreiber Paul Gauselmann die Welt des Online-Glücksspiels erobert. Das Geschäft, das faktisch staatlicher Regulierung entzogen ist, habe seinen Grundstein in der Steueroase Isle of Man.
  • Die deutsche Milliardärsfamilie Engelhorn ist laut "SZ" Großkunde der Kanzlei Appleby. Ein Steuerverfahren gegen zwei Töchter des 2016 verstorbenen Pharma-Unternehmers Curt Engelhorn hatte demnach zu einer Nachzahlung von 145 Millionen Euro geführt. Allerdings wussten die deutschen Steuerbehörden laut "SZ", NDR und WDR damals nichts von einigen der dutzenden Trusts, die der Familie Engelhorn zuzurechnen seien.
  • Kanadas Premierminister Justin Trudeau war vor zwei Jahren unter anderem wegen seines Versprechens gewählt worden, wirtschaftliche Ungleichheiten zu bekämpfen und für Steuergerechtigkeit zu sorgen. Nun enthüllen die "Paradise Papers", dass sein wichtigster Spendensammler und Berater Stephen Bronfman gemeinsam mit Ex-Senator Leo Kolber umgerechnet rund 52 Millionen Euro in eine Offshorefirma auf den Kaimaninseln investierte. Der Milliardär Bronfman ist Erbe des früheren Spirituosenimperiums Seagram.
  • Der irische Rocksänger Bono, der sich vielfältig politisch und sozial engagiert und unter anderem für einen Schuldenerlass der Entwicklungsländer kämpft, investierte den Dokumenten zufolge über Firmen in den Steuerparadiesen Malta und Guernsey.
  • Lewis Hamilton soll eine Briefkastenfirma auf der Isle of Man dazu benutzt haben, um mehr als vier Millionen Euro an Mehrwertsteuer zu sparen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Demnach soll der britische Formel-1-Rennfahrer für umgerechnet rund 20 Millionen Euro einen Privatjet in Kanada gekauft haben. Um ihn nach Europa zu bringen, sei er mit dem Flugzeug auf der Insel in der Irischen See gelandet. Sie gehöre zwar nicht zur Europäischen Union, habe aber ein Zollabkommen mit Großbritannien, dadurch gelte das Flugzeug als in die EU importiert, berichtet die Zeitung. Der Import sei aber nach den Regeln der Isle of Man abgewickelt worden.
  • Weitere Kunden der auf den Bermurdas gegründeten Kanzlei Appleby waren den Berichten zufolge multinationale Konzerne, die sich oftmals komplizierter Konstruktionen bedienten, um möglichst wenig Steuern zu zahlen. So habe der US-Sportartikelhersteller Nike seine weltweite Steuerquote auf 13,2 Prozent gedrückt. Genannt werden auch der Taxi-Konkurrent Uber, der Internet-Riese Facebook und der Haushaltsgerätehersteller Whirlpool.
  • Nutzer der Offshore-Welt ist den "Paradise Papers" zufolge auch der US-Investor George Soros, der über die Kanzlei Appleby ein Netz von Firmen unter anderem auf den Britischen Jungferninseln und den Bermudas verwaltet haben soll. Der Gründer des Onlineauktionshauses, Pierre Omidyar, ist demnach Chef einer Firma auf den Kaimaninseln, die als Investitionsvehikel für seinen Trust fungiere.
  • Nachdem wegen der "Panama Papers"-Enthüllungen bereits Pakistans Premier Nawaz Sharif des Amtes enthoben wurde, taucht dieses Mal der Name einer seiner Vorgänger im neuen, "Paradise Papers" getauften Datenleck mit Dokumenten aus Steueroasen auf. Shaukat Aziz, der von 1999 bis 2007 Finanzminister und von 2004 bis 2007 gleichzeitig Ministerpräsident war, soll demnach vor seiner Zeit als Staatsdiener mithilfe der auf den Bermudas ansässigen Anwaltskanzlei Appleby den "Antarctic Trust" aufgesetzt haben. Den habe er aber dem Staat nicht offengelegt, heißt es auf der Webseite des Netzwerks investigativer Journalisten (ICIJ), das die Daten sortiert, weiter recherchiert und Sonntagnacht veröffentlicht hat.

(das/AFP/dpa)