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Kritik an Sparkassen und Volksbanken: Nutzung der Geldautomaten bleibt Gebührenfalle

Kritik an Sparkassen und Volksbanken : Nutzung der Geldautomaten bleibt Gebührenfalle

Das Bundeskartellamt forderte vor anderthalb Jahren an, dass Fremdkunden an Automaten der Volksbanken und Sparkassen weniger Gebühren zahlen sollen. Geändert hat sich kaum etwas. Verbraucherschützer kritisieren das.

Wer kein Konto bei einer der Volksbanken hat, aber dennoch an einem der Automaten der Volksbank Emmerich/Rees Geld abheben möchte, der muss eine satte Gebühr zahlen. Fünf Euro fordert die Bank pro Abhebung von Fremdkunden. Damit liegt sie in der Region in der Spitzengruppe. Auch andere Genossenschaftsbanken und Sparkassen erheben hohe Gebühren dafür, dass man kein Konto bei ihnen hat, sich an ihren Automaten aber Bargeld besorgen möchte. Besonders in den Ferien, wenn ortsunkundige Touristen in der Stadt sind, profitieren die Unternehmen von dieser Regelung.

Seit Januar 2011 müssen die Banken immerhin anzeigen, wie hoch die Gebühren sind. Ein Jahr später prüfte das Bundeskartellamt den Status quo anhand einer Befragung von mehr als 500 Banken aus dem Sparkassen- und Genossenschaftssektor zu deren Gebührenmodell. Nach Angaben eines Sprechers stand fest, "dass die Gebührenhöhe bei der Mehrzahl der untersuchten Regionalinstitute deutlich über denen der bundesweit tätigen Kreditinstitute liegt". Geändert hat sich seitdem fast nichts.

Für den Bankenexperten und emeritierten Hochschullehrer für Bank- und Börsenwesen, Wolfgang Gerke, ist das ein Unding. "Die Gebühren sind eindeutig zu hoch", kritisiert er. Seiner Meinung nach sind die 1,95 Euro, die Privatbanken wie die Deutsche Bank, Commerzbank oder Postbank von Fremdkunden verlangen, absolut kostendeckend. Alles andere hält er für überhöht. "Die Kreditwirtschaft muss verbraucherfreundlicher werden", regt er an. "Allerdings denke ich nicht, dass sich die Banken aus eigenem Antrieb zusammensetzen, um etwas an den Gebühren zu ändern."

Aktuell keine Reaktion des Kartellamtes

Das Kartellamt reagiert derzeit nicht auf die Diskussion. Ein Sprecher verweist darauf, dass bereits ein erster Schritt getan wurde, indem man vor drei Jahren Druck auf die Banken aufgebaut habe. So wurden teils überzogene Beträge von mehr als zehn Euro pro Abhebung um die Hälfte reduziert. "Wir beobachten aktuell die Entwicklung am Markt und behalten uns vor, gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten", sagt ein Sprecher heute. Die regelmäßige Kontrolle der vielen Hundert Institute bundesweit ist aufwendig, das Kartellamt hat offenkundig nicht genug Personal, um die Banken und Sparkassen regelmäßig zu kontrollieren und abzumahnen.

Hält ein regionales Bankinstitut einen beherrschenden Marktanteil von mehr als einem Drittel in seiner Region, unterliegt es der Missbrauchskontrolle der Kartellwächter. Verlangt das Geldinstitut eine hohe Gebühr von Fremdkunden und unterhält in einem größeren Umkreis den einzigen Geldautomaten, so dass Fremdkunden nicht ausweichen können, besteht eine Monopolgefahr.

Viel niedriger als 3,50 Euro wollen die regionalen Banken aber nicht gehen, zumal sie mit den Gebühren gutes Geld verdienen. Auf der Rheinkirmes in Düsseldorf etwa gab es lediglich zwei Geldautomaten, beide wurden von der Stadtsparkasse Düsseldorf gestellt — und jeder, der kein Sparkassen-Kunde war, musste 4,75 Euro zahlen, um an Bargeld zu kommen. Dafür ernten auch die anderen Genossenschaftsbanken und Sparkassen Kritik von der Verbraucherzentrale. Sie fordert, dass das maximale Entgelt unterhalb von zwei Euro festgelegt wird. Ohnehin habe die Festlegung der Gebühren laut einem Sprecher "mit Transparenz nichts zu tun".

So eint die Institute, dass sie nicht sagen wollen, wie hoch ihre Einnahmen aus den Gebühren sind und wie diese sich zusammensetzen. Sie verweisen lediglich auf interne Kalkulationen. Ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes verteidigte die hohen Gebühren. Die Automaten müssten mit Strom versorgt, gewartet und gereinigt werden. Je dichter ein Automatennetz sei, desto höher seinen die Kosten für die Institute. Indem man eigenen Konto-Inhabern einen Vorteil gewähre, liefer man Nicht-Kunden ein Argument, warum man ein Konto bei einer regionalen Bank eröffnen sollte. "Es wäre gefährlich, wenn alle kreditwirtschaftlichen Leistungen gratis angeboten würden", meint der Verbandssprecher. Dann könne die Kreditbranche nicht kostendeckend arbeiten.

(RP)