Patientenquittung via Internet: Neuer Durchblick bei Arztkosten

Patientenquittung via Internet: Neuer Durchblick bei Arztkosten

Weil viele Patienten Hemmungen haben, ihren Arzt um eine Quittung zu bitten, bietet die AOK Rheinland diesen Service nun im Internet an. Der Anspruch besteht schon lange, jetzt ist er leichter einzulösen. Patientenverbände kritisieren, dass die Positionen für Laien nicht verständlich sind.

Innerhalb einer Woche haben sich fast 1500 Kunden für einen neuen Service der AOK Rheinland/Hamburg registriert — bezogen auf 2,9 Millionen Versicherte in NRW. Patienten können seit Anfang August ihre Arztabrechnungen im Internet einsehen.

Bei vielen Nutzern kommt das Angebot gut an: "Ich finde es super, dass ich sehen kann, wann ich beim Arzt war und welche Medikamente ich in den letzten anderthalb Jahren genommen habe", sagt eine 34-jährige Patientin, die anonym bleiben möchte. Schon früher hätte sie gerne ihre Ärzte nach einer Patientenquittung gefragt: "Aber da hatte ich Hemmungen." Jetzt fühle sie sich besser informiert.

Unverständliche Punkte in der Abrechnung

Die Reaktionen auf das Online-Angebot (www.aok24.de) seien unterschiedlich, berichtet Manfred Schmidt, Verantwortlicher bei der AOK Rheinland für die Patientenquittung. "Die einen sind begeistert, die anderen wirken eher enttäuscht, weil sie gerne mehr Details haben möchten", sagt er. Zu sehen sind auf der Rechnung die einzelnen Leistungen, die ein Arzt, Zahnarzt, eine Apotheke oder andere Heilmitteldienstleister erbracht haben. Teilweise sind sie auf Anhieb verständlich, zum Beispiel das Röntgenbild der Brust, wie es in der Grafik zu sehen ist. Insgesamt erhält der Patient eine ausführliche Liste, die ihm einen Eindruck verschafft, welche Kosten für ihn bei welchem Arzt bezahlt werden.

Dennoch gibt es einige Punkte in der Abrechnung, die unverständlich sind. Dazu zählen diverse Pauschalen. Zudem werden medizinische Untersuchungen mit entsprechenden Fachbegriffen — wie das Kardioangiogramm in der Grafik — erklärt, was nicht alle Patienten übersetzen können.

Das bemängelt auch Wolfram-Arnim Candidus, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten: "Die meisten Patienten verstehen doch gar nicht, was da genau abgerechnet wird", sagt er. "Das ist eine reine Alibifunktion für die Ärzte und ein Kontrollsystem für die Kassen." Wirklich informativ seien die Quittungen für Patienten nicht.

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Interesse seitens der Versicherten gering

In den Quittungen steht überdies nicht, was die einzelne Behandlung gekostet hat. Am Ende weiß der Patient zwar, welcher Arzt wie viel Geld erhalten müsste, doch kann er immer noch nicht sagen, wie teuer beispielsweise das Röntgenbild oder die Blutuntersuchung gewesen ist. "Um wirklich mündig zu agieren, wäre es für die Patienten wichtig, zu wissen, wie teuer die Behandlungen sind", sagt Candidus. Denn nur so könnten sie entscheiden, ob bestimmte Behandlungen oder Diagnostiken wirklich nötig sind.

Vielleicht würden Patienten so auch helfen, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken. "Schließlich handelt es sich um ihr eigenes Geld, was sie ausgeben." Als Beispiel führt er die Abrechnungen der Privaten Krankenkassen an, in denen dargelegt wird, welche Dienste der Arzt zu welchen Kosten abrechnet. "Wenn dort 3,80 Euro für eine telefonische Beratung berechnet werden und es sich nur um die Bestellung eines Rezepts gehandelt hat, kann man das reklamieren."

Ein weiteres Problem führt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein an: "Die Summe, die als Abrechnungsbetrag angegeben wird, entspricht nicht dem tatsächlichen Honorar der Ärzte", sagt ein Sprecher. Sie erhalten nach einem komplizierten Verfahren Fallpauschalen. Ihr Honorar liegt meist unter der angegebenen Summe.

Insgesamt ist das Interesse an Patientenquittungen seitens der Versicherten noch gering. Die mit 2,1 Millionen Versicherten zweitgrößte gesetzliche Krankenkasse in NRW, die Barmer GEK, erhält nur unregelmäßig Anfragen. "Letztlich sind die Abrechnungen zu undurchsichtig, deswegen bieten wir sie nicht online an", erklärt eine Sprecherin. Ähnlich sieht es bei der Techniker Krankenkasse aus. Eine Sprecherin der DAK Gesundheit sagt: "Wir werden den Service mittelfristig wohl auch online anbieten."

(RP/rm)
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