Kredit von der Bank: So erhöhen Rentner ihre Chancen

Laufzeiten, Sicherheiten : So haben Rentner bessere Chancen auf einen Bankkredit

Mancher Bank ist das Risiko bei einem Kreditnehmer 60 plus zu groß. Ein Vorurteil. Erstens gilt es auch hier, den Einzelfall zu prüfen, zweitens können Senioren oft genug Sicherheiten bieten.

Je länger jemand Zeit hat, einen Kredit zurückzuzahlen, umso geringer ist das Risiko für die Bank oder Sparkasse, die das Darlehen vergibt. Umgekehrt tun sich Senioren schwerer, wenn sie sich Geld leihen wollen. Das würden die Geldhäuser natürlich weit von sich weisen, und sicher kommt es auch auf den Einzelfall an. Aber den Trend sehen Experten trotzdem. „Die Beschwerden von Senioren, die mit ihrer Bitte um einen Kredit bei Banken scheitern, nimmt nach unserer Einschätzung zu“, sagt Dieter Weirich, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge in Berlin. Ganz anders als früher, als auch 60-Jährige Immobilien ohne Probleme kaufen konnten und später zwar ein schuldenfreies Haus hatten, aber nicht mehr wussten, wovon sie leben sollten. Heute scheitern Senioren, obwohl sie eigentlich ein geringeres Risiko tragen, weil ihr Einkommen, nämlich die Rente gesichert ist, und sie auch nicht mehr von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Wie sagte jüngst ein Vertreter der Bankbranche: „Es gibt kein Grundrecht auf Darlehen.“ So einfach kann das sein.

Die laut DIA zunehmende Zahl an Beschwerden geht erstaunlicherweise einher mit der Tatsache, dass die Deutschen nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Schufa immer mehr Kredite aufnehmen und dabei die Zahl der Darlehensnehmer 60 plus steigt. Die Begründung von Schufa-Chef Michael Freytag für dieses Phänomen:„Die Menschen leben immer länger und sind immer länger fit.“ Rentner als Kreditnehmer ist eben nicht gleich Rentner als Kreditnehmer. Schlussfolgerung: Also leisten sich auch ältere Zeitgenossen mehr auf Pump: Autos, Möbel, elektronische Geräte. Im Schnitt beträgt der Durchschnittskredit in Deutschland etwas mehr als 10.000 Euro.

Was sollten Rentner im Hinterkopf haben, wenn sie sich Geld bei ihrer Bank leihen wollen?

Sicherheiten Je mehr Sicherheiten, desto größer die Kreditchance. Wer beispielsweise Geld braucht, um die eigenen vier Wände zu sanieren, kann mit der Bank vereinbaren, dass im Grundbuch eine Grundschuld eingetragen wird.

Foto: Podtschaske

Kreditnehmer Günstig auf die Kreditvergabe wirkt es sich auch aus, wenn man einen Kredit zu zweit abschließt und der andere eigenes Einkommen hat (beispielsweise, weil er noch arbeitet) und außerdem noch ohne Schufa-Eintrag ist. Das steigert die Kreditwürdigkeit und gibt Ihnen die Möglichkeit, günstigere Zinskonditionen auszuhandeln.

Laufzeit Je kürzer die Laufzeit eines Kredits ist, umso bereitwilliger gibt die Bank Geld. Länger als bis zum 75. Lebensjahr mag kaum ein Institut ein Darlehen gewähren. Und auch hier gilt: Je kürzer die Laufzeit, umso günstiger die Konditionen, die der Kreditnehmer für sich herausverhandeln kann.

Andererseits sagt die seit Mai unter dem Wortungetüm Immobiliar-Kreditwürdigkeitsprüfungsleitlinien-Verordnung geltende Regel, dass ein Darlehen nicht mehr wie zuvor mit dem Ende der statistischen Lebenserwartung getilgt sein muss, sondern es muss vor allem gewährleistet sein, dass der Kreditnehmer das Darlehen langfristig bedienen kann. Heißt: Wer bei einem Immobilien-Kauf die Hälfte des Kaufpreises an Eigenkapital mitbringt und später nicht mehr als 30 Prozent seines Alterseinkommens für Kredit, Wartung und Instandhaltung aufbringen muss, hat auch als Rentner gute Chancen, einen Kredit zu bekommen. Er oder sie muss immer im Kopf haben, dass er oder sie eben noch genug Geld übrig haben muss, um sich eventuelle Urlaubsträume zu erfüllen, ein neues Auto anschaffen zu können, wenn das alte nicht mehr will, oder möglicherweise notwendige Pflegeleistungen von seinem Ersparten einzukaufen.

Was Rentner übrigens in der Regel nicht auf Pump kaufen, sind Aktien. Auch hier gilt es ein Klischee zu beseitigen, nämlich jenes vom Rentner, der sein Erspartes auf dem Sparbuch, bestenfalls noch in einer anderen festverzinslichen Geldanlage geparkt hat, aber dabei jedes Risiko scheut. Im Gegenteil: Deutschlands Rentner sind ein Volk von Aktionären. Die Ruheständler haben durchschnittlich mehr als 70.000 Euro in Wertpapieren angelegt, wie eine Studie der Direktbank ING Diba im eigenen Kundenkreis im vergangenen Jahr ergeben hat. Entweder in Aktienfonds oder in Einzelwerten, in die sie augenscheinlich lieber investieren als in börsengehandelte Exchanged Traded Funds (ETFs).