"Monster" oder Hilfe beim Wirtschaftswachstum? Was die erwartete Rückkehr der Inflation bedeutet

Berlin · Analysten und Medien betiteln sie gern als "Gespenst" - und das könnte Europa 2021 wieder heimsuchen: die Inflation. Aber was genau bedeutet das für Bürger, Wirtschaft und den Standort Deutschland? Fragen und Antworten zum Thema.

Euro-Banknoten (Symbolbild).

Euro-Banknoten (Symbolbild).

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Das "Inflationsmonster" sei zurück, erklärte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski bereits Ende Januar und schrieb von einem "Schock". Zum Wochenstart verloren die Leitindizes an Europas Börsen am Montag; ein Grund waren Inflationssorgen mancher Anleger wegen steigender Verbraucherpreise und Anleihezinsen. Doch: Wie gefährlich ist die Inflation?

DIE INFLATION

Inflation bezeichnet allgemein die kontinuierliche Verteuerung von Waren und Dienstleistungen für Privatverbraucher. Dieser Anstieg der Verbraucherpreise in einer Volkswirtschaft - also die Teuerungsrate - wird in der Regel als Inflationsrate zum Vorjahr erhoben. Die Berechnung basiert auf einem fiktiven Warenkorb je nach dem Konsumverhalten der betrachteten Bürger. Dabei werden die Preisänderungen bei teureren Produkten wie Strom stärker gewichtet als bei Zucker oder Briefmarken, wie die Europäische Zentralbank (EZB) erklärt.

Nach monatelang negativer Inflation im vergangenen Jahr - sogenannter Deflation - zogen die Verbraucherpreise im Januar wieder deutlich an. Das Statistische Bundesamt erwartet für Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen eine Teuerungsrate von 1,0 Prozent im Vorjahresvergleich.

DIE GRÜNDE

Das Statistische Bundesamt führte den starken Anstieg insbesondere auf das Ende der Corona-bedingten Mehrwertsteuersenkung zum Jahreswechsel, die neue CO2-Bepreisung und die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zurück. Analyst Brzeski erwartet, dass die Mehrwertsteuer sowie höhere Energiepreise erst in den kommenden Monaten voll auf die Inflation durchschlagen werden. Gemeinsam mit Preisaufschlägen im Zuge der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise könne das zu einer Inflation von über zwei Prozent nach dem Sommer führen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte der "Augsburger Allgemeinen", der europäische Verbraucherpreisindex könne zum Jahresende sogar über drei Prozent liegen. Es sei allerdings umstritten, inwieweit der in Corona-Zeiten erzwungene Konsumverzicht nach der Pandemie die Preise steigen lasse. Wegen mehrerer Sondereffekte könnte der starke Inflationsanstieg nur vorübergehend sein, sagte Weidmann.

DIE VERBRAUCHER

Für Privatverbraucher und Sparer bedeutet Inflation in erster Linie eine Geldentwertung. Güter werden teurer und Sparguthaben schrumpfen oft. "Kapital, das mit einer geringeren Verzinsung als der Inflationsrate angelegt wird, verliert ständig an Kaufkraft", warnt der Vermögensverwalter DWS. Gerade in Zeiten pandemiebedingter Einkommenseinbußen und anhaltender Niedrigzinsen sind frühe und starke Preisanstiege daher gefährlich und könnten die Kaufkraft der ohnehin schon Krisengeplagten weiter drücken.

DIE EZB

Die EZB will das verhindern, sie strebt stattdessen nur langsam steigende Preise an, die Verbraucher zu zeitnahen Konsumausgaben sowie Firmen zu Investitionen ermutigen sollen. Auch unter Präsidentin Christine Lagarde hält die EZB bis auf weiteres an ihrem Inflationsziel von knapp zwei Prozent im Euroraum fest. Dieser Wert bringt aus Sicht der Zentralbank die angestrebte Preisstabilität und "ist der beste Beitrag, den die Geldpolitik zum Wirtschaftswachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen leisten kann".

Dem gleichen Ziel dient auch die ultralockere Geldpolitik der EZB insbesondere in der Corona-Krise. Sollte die Inflation 2021 tatsächlich nachhaltig anziehen, müsste die EZB sie in der Theorie zwar nicht länger mit Negativzinsen und frischem Geld ankurbeln. Doch bislang erwarten Analysten nicht, dass die Notenbank zeitnah von ihren milliardenschweren Anleihekäufen abrückt und Sparern wieder steigende Zinsen in Aussicht stellt. Vorerst dürften für Verbraucher also nur die Preise steigen.

(felt/AFP)
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