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180 Millionen Euro Schadenersatz erwartet: Kleinanleger wollen Griechenland verklagen

180 Millionen Euro Schadenersatz erwartet : Kleinanleger wollen Griechenland verklagen

Tausende deutsche Kleinanleger wollen von Griechenland wegen des Schuldenschnitts vom März dieses Jahres Schadenersatz in Millionenhöhe erklagen. "Wer Geld haben will, muss klagen", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, in Berlin.

Er rechne damit, dass in den kommenden Wochen Anleger bei deutschen Gerichten Schadensersatzklagen über rund 180 Millionen Euro an Griechenland richten. Die Anlegerschützer hätten bereits 4.000 betroffene deutsche Anleger registriert, die Griechenland verklagen wollten, und gingen davon aus, dass sich noch weit mehr zu dem Schritt entschließen werden.

Europaweit hätten Anleger die Möglichkeit, gegen Griechenland gerichtlich vorzugehen. Zum Schuldenschnitt gezwungene europäische Privatanleger halten laut DSW zusammen hellenische Anleihen von bis zu sechs Milliarden Euro.

Die Forderungen beträfen Verluste, die Anlegern durch den im März beschlossenen "freiwilligen Zwangsumtausch" entstanden seien. Das krisengeschüttelte Euroland verringerte damit seine Staatsschulden um etwa 100 Milliarden Euro. Damals stimmten 86 Prozent der Anleger dem Umtausch zu, darunter alle im Internationalen Bankenverband zusammengeschlossenen Großbanken.

Kleinanleger wurden laut DSW nicht an den Verhandlungen beteiligt und hatten dennoch zunächst keine Möglichkeit, dem Zwangsumtausch der Anleihen zu entgehen. Nach Einschätzung des DSW-Juristen Dirk Unrau verstößt die Vorgehensweise Griechenlands gegen Völkerrecht, Europarecht, bilaterales Recht und nationales Verfassungsrecht.

Obwohl mit ersten Gerichtsverhandlungen laut DSW erst drei bis sechs Monate nach Einreichung einer Klage gerechnet werden kann, schätzt die Vereinigung die Chancen Geld von Griechenland zu bekommen, als durchaus realistisch ein. "Solange Griechenland in der EU ist, kann es sich nicht leisten, rechtskräftige Urteile zu ignorieren", sagte Hechtfischer.

Zudem könne Griechenland doch noch zahlungsunfähig erklärt werden, sollte es gerichtlich legitimierten Forderungen von Kleinanlegern nicht nachkommen. Da die Mehrheit der Investoren im März dem Anleihentausch "freiwillig" zustimmte, wurde eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands vermieden, die das Land und die EU in eine noch tiefere Krise gestürzt hätte.

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(APD)