Neue Studie: Jede vierte Rechnung in Europa wird zu spät bezahlt

Neue Studie : Jede vierte Rechnung in Europa wird zu spät bezahlt

Viele kennen das: Da flattert eine Rechnung ins Haus, aber man ist gerade knapp bei Kasse. Also wird die Rechnung erst später bezahlt – manchmal auch zu spät. In Europa ist das keine Seltenheit, wie nun eine neue Studie zeigt. Demnach ist es um die Zahlungsmoral der Menschen nicht gerade bestens bestellt: Jede vierte Rechnung wird zu spät bezahlt.

Viele kennen das: Da flattert eine Rechnung ins Haus, aber man ist gerade knapp bei Kasse. Also wird die Rechnung erst später bezahlt — manchmal auch zu spät. In Europa ist das keine Seltenheit, wie nun eine neue Studie zeigt. Demnach ist es um die Zahlungsmoral der Menschen nicht gerade bestens bestellt: Jede vierte Rechnung wird zu spät bezahlt.

Insolvente Hausbesitzer, höhere Arbeitslosigkeit, Angst vor Verlust des Sparguthabens — all das hat die Krise in der Europäischen Union mit sich gebracht. Ausgestanden ist sie noch lange nicht, auch wenn viele Krisenstaaten inzwischen den Euro-Rettungsschirm verlassen konnten. Und so überrascht es kaum, dass die Zahlungsmoral der Menschen gerade in diesen Ländern derzeit zu wünschen übrig lässt. Aber eben nicht nur in diesen Staaten, wie die Studie "Europäische Zahlungsgewohnheiten" von TNS Infratest im Auftrag von Deutschlands größtem Inkasso-Unternehmen Eos zeigt.

Demnach ist es vor allem im Südosten Europas um die Zahlungsmoral der Bürger schlecht bestellt. In Bulgarien und Rumänien werden laut der Studie gerade einmal 70 Prozent der Rechnungen termingerecht bezahlt. Die Slowakei und auch der Schuldenstaat Griechenland stehen mit 71 Prozent nur geringfügig besser da. Allerdings könnte auch bei den südosteuropäischen Staaten in gewisser Weise die Krise eine Rolle spielen.

Etwa jeder sechste Deutsche zahlt unpünktlich

Im Mai vergangenen Jahres hatte das Inkasso-Unternehmen Eos, das in 27 Ländern tätig ist, selbst bestätigt, dass die Auswirkungen der Krise etwa in Spanien auch in anderen Ländern zu spüren sind. "Rumänische Gastarbeiter haben früher aus Spanien oft Geld nach Hause geschickt", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der EOS Gruppe, Hans-Werner Scherer, damals der "Wirtschaftswoche". "Damit wurden teilweise Rechnungen beglichen, die wir verwalten." Als dann die Krise in Spanien ausgebrochen sei, hätten plötzlich auch rumänische Schuldner nicht mehr ihre Raten bezahlen können.

Für die jetzige Studie wurden aber nicht die Eos-Daten verwendet, sondern TNS Infratest befragte dafür 2600 Finanzexperten aus zwölf europäischen Staaten. Und wesentlich besser als die südosteuropäischen Staaten stehen bei der Zahlungsmoral Frankreich (das Land, von dem viele glauben, dass es das neue europäische Problemland wird) und das wirtschaftlich gut dastehende Deutschland da. So zahlen 80 Prozent der Franzosen pünktlich und 83 Prozent der Bundesbürger. Die beiden Länder stehen damit laut der Studie am besten da, der europäische Durchschnitt liegt bei 75 Prozent. Auch die Menschen im Krisenland Spanien zahlen im Vergleich gar nicht mal so unpünktlich ihre Schulden zurück — laut der Studie sind es immerhin 78 Prozent der Schuldner.

Die Wirtschaftsauskunftei Schufa hatte Ende April dieses Jahres ebenfalls Daten zur Zahlungsmoral der Deutschen veröffentlicht. Dabei war festgestellt worden, dass die Deutschen im vergangenen Jahr wieder mehr Ratenkredite aufgenommen hatten, diese aber zu 97,5 Prozent zurückzahlten. Ob fristgerecht, das lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen, genau daran wird aber die Zahlungsmoral in der Studie "Europäische Zahlungsgewohnheiten" bewertet.

Skepsis in Bezug auf künftige Entwicklung

"Die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen in Europa sind sehr unterschiedlich — da ist es nicht überraschend, dass wir unterschiedliche Zahlungsverhalten beobachten", zitiert die "Welt" denn auch Eos-Geschäftsführer Klaus Engberding.

Auch die Gründe für die schlechte Zahlungsmoral hat die Studie versucht zu ergründen. Der häufigste Grund bei Privat- und Unternehmenskunden ist erwartbar: ein Liquiditätsengpass (34 Prozent). Bei Privatkunden kommen aber auch Gründe wie Arbeitslosigkeit oder einfach auch Vergesslichkeit dazu, bei Unternehmen sind es auch Zahlungsausfälle bei den eigenen Kunden. Denen trauen vor allem die Rechnungssteller in Osteuropa betrügerische Absichten zu, also dass sie vorsätzlich nicht zahlen, wie die Studie zeigt.

Demnach wittern 25 Prozent der befragten Unternehmen vonseiten der Privatkunden Betrug, 19 Prozent vonseiten der Firmenkunden. "Dass so viele davon ausgehen, dass ihre Kunden nicht vorhaben, ihre Rechnungen zu bezahlen, liegt sicherlich auch an dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, in dem wir uns in Europa bewegen", so Scherer. So rechnen auch nur die wenigsten Unternehmen damit, dass sich die Zahlungsmoral in den kommenden zwei Jahre verbessert. Gerade mal ein Drittel der Befragten glaubt daran. Erstaunlich: Die Skepsis in Westeuropa liegt dabei deutlich höher als im Osten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Europas Krisenherde im Überblick

(das)
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