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Japans Wirtschaft fällt überraschend wieder in Rezession zurück

Wirtschaftskrise : Japan fällt überraschend wieder in Rezession zurück

Die Konjunktur in Japan hat sich im dritten Quartal unerwartet schlecht entwickelt. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht Asiens hat ernste Sorgen. Dies könnte die Steuerpläne von Regierungschef Abe durchkreuzen. Die Auswirkungen der Rezession dämpfen die erhoffte globale Erholung.

Auf das aktuelle Jahr gerechnet sank das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um 1,6 Prozent, wie die Regierung auf Basis vorläufiger Daten am Montag bekanntgab. Japan steckt nach einem unerwarteten Konjunktureinbruch im dritten Quartal wieder in der Rezession.

Experten hatten nach dem Rückgang im Vorquartal um 7,1 Prozent nun wieder mit Wachstum gerechnet. Doch eine Mehrwertsteuererhöhung bremst weiter den Immobilienmarkt, Investitionen und privaten Konsum.

Börsen mit Kursrutsch

Als Reaktion verloren am Montag auch japanische Aktien an den asiatischen Börsen. Da Japan die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, trübt die Rezession dort auch die Aussichten auf eine globale Erholung. Erwartet wird nun, dass Regierungschef Shinzo Abe eine für Oktober 2015 geplante weitere Erhöhung der Steuer aussetzt. Zudem rechnen Fachleute mit vorgezogenen Neuwahlen in Japan schon im Dezember.

Diese Erwartung äußerte auch der Ökonom Marcel Thieliant von Capital Economics. Bislang galten die Steuererhöhungen als Herzstück von Abes Politik der Haushaltskonsolidierung. In den Wahlen könnte er sich die Unterstützung für seine geänderte Steuerpolitik zusichern lassen. Abes Partei riskiert bei einem Urnengang trotz der Wirtschaftslage nicht viel, denn die Oppositionsparteien werden als schwach angesehen.

Probleme durch hohen Staatsschuldenberg

Japan leidet nach vielen Jahren hoher Defizite an einem hohen Staatsschuldenberg. Er wuchs auf mehr als das Doppelte der gesamten Wirtschaftsleistung an, der höchste Wert aller Industrieländer. Der Kurswechsel bei der Steuerpolitik könnte etwas Druck von der Wirtschaft nehmen, die Haushaltssanierung aber bremsen.

Die Steuerpolitik der Regierung Abe hatte im Zeitraum April bis Juni negativ auf die Konjunktur durchgeschlagen. Nach einer Anhebung der Mehrwertsteuer im April von fünf auf acht Prozent brach die Wirtschaftsleistung um 7,1 Prozent ein - und nun noch einmal. Die Zahlen vom Montag sind allerdings vorläufig und sollen bis 8.
Dezember überprüft werden. Möglicherweise sei der Einbruch doch nicht so groß wie er sich im Moment darstelle, sagten Volkswirte.

Angekündigte Reformen bisher ausgeblieben

In einer Rezession befindet sich eine Wirtschaft der wissenschaftlichen Definition zufolge, wenn sie in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. "Die Auswirkungen der Mehrwertsteuer waren wesentlich härter als erwartet", sagte Junko Nishioka, Analyst des Anlagenberaters RBS Japan Securities. Viele Haushalte und Unternehmen hätten Käufe und Investitionen vorgezogen, um die Steuererhöhung zu umgehen.

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Konkrekt gingen die Investitionen in Immobilien um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück, die Investitionen der Unternehmen in Anlagegüter sanken um 0,9 Prozent. Die Ausgaben der Privathaushalte, die rund zwei Drittel der Wirtschaft ausmachen, legten lediglich um 0,4 Prozent zu.

Kritiker sagen, Abe habe sein Versprechen für drastische Reformen des Arbeitsmarktes, des Steuersystems und des Gesundheitswesens bisher nicht umgesetzt. Unternehmen ihrerseits hätten es verpasst, Kapital aus höheren Aktienkursen zu schlagen und mit Gewinnen ihren Mitarbeitern höhere Löhne zu zahlen.

(ap)