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Gesetzliche Krankenkassen machen 1,5 Milliarden Euro Minus

Erstmals Defizit seit 2015 : Gesetzliche Krankenkassen machen 1,5 Milliarden Euro Minus

2018 hatte es noch einen Überschuss gegeben. Im vergangenen Jahr haben die gesetzlichen Krankenkassen jedoch ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Erstmals seit 2015 haben sie damit ein Haushaltsjahr mit einem Minus abgeschlossen.

Wie das Bundesgesundheitsministerium am Freitag in Berlin unter Berufung auf vorläufigen Zahlen mitteilte, hatte es 2018 noch einen Überschuss von zwei Milliarden Euro gegeben.

Die Finanzreserven betrugen zum Jahresende 2019 rund 19,8 Milliarden Euro. Dies entspreche im Schnitt immer noch knapp einer Monatsausgabe und damit etwa dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve, erläuterte das Ministerium.

Insgesamt stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 251,9 Milliarden Euro. Die Einnahmen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei niedrigeren Zusatzbeiträgen um 3,8 Prozent auf 250,4 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl der GKV-Versicherten nahm um knapp 0,4 Prozent zu. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 1,0 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2018.

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte, die aktuellen Zahlen zeigten in die richtige Richtung: "Die Beitragszahler profitieren von niedrigeren Zusatzbeiträgen, weil Krankenkassen endlich ihre übermäßig hohen Finanzreserven abbauen. Und gleichzeitig kommen auch die notwendigen Leistungsverbesserungen bei den Versicherten an."

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, sprach dagegen von einem alarmierenden Ergebnis. Die derzeit noch brummende Konjunktur habe für Rekordeinnahmen gesorgt. Steigende Ausgaben für den medizinischen Fortschritt und kostspielige Gesetze hätten dennoch ein Defizit verursacht. "Allein durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz und das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz kommen auf die Krankenkassen in diesem Jahr rund fünf Milliarden Euro an Mehrausgaben zu", sagte Pfeiffer. Derzeit müsse man davon ausgehen, dass das Coronavirus auch das deutsche Gesundheitswesen mehr belaste.

(felt/kna)