Seit September gibt es Baukindergeld. Doch die Hälfte des Budgets bis Ende 2020 ist bereits beantragt.

Subventionen: Baukindergeld schnell beantragen

Der Staat belastet Immobilienkäufer sehr. Aber er gibt nun Baukindergeldes als Zuschuss. Die Hälfte des bis Ende 2020 festgelegten Budgets ist jedoch bereits praktisch verteilt. Die meisten Anträge stellen wohl Gutverdiener und treiben so die Preise hoch. Die anderen bleiben Mieter.

Der Staat nimmt es, der Staat gibt es: So lässt sich die widersprüchliche Politik Deutschlands gegenüber den Wünschen der Bürger nach mehr Wohneigentum interpretieren. Einerseits ist Deutschland ein Land der Mieter geblieben, weil es zwar große Steuervorteile für Vermieter gibt, aber keine für Mieter. Doch weil die Immobilienpreise in großen Teilen des Landes seit Jahren erheblich steigen, wurde 2018 das Baukindergeld eingeführt: Pro Kind gibt es zehn Jahre lang 1200 Euro im Jahr. Die Eltern dürfen maximal 75.000 Euro zu versteuerndes Einkommen haben plus 15.000 Euro pro Kind. Eine Familie mit zwei Kindern darf also bis zu 105.000 Euro pro Jahr nach Abzug von Werbungskosten und Sonderausgaben verdienen und erhält dann steuerfrei 24.000 Euro Förderung. Bei drei Kindern gibt es 36.000 Euro Subvention.

Zum Vergleich: Die Grunderwerbssteuer in Nordrhein-Westfalen liegt seit der letzten Erhöhung im Jahr 2015 bei 6,5 Prozent des Kaufpreises einer Immobilie. Für den Kauf eines Hauses für 350.000 Euro sind also zusätzlich 22.750 Euro fällig. Zum Vergleich: In Bayern und Sachsen liegt der Satz für die Grunderwerbssteuer bei nur 3,5 Prozent.

Die Immobilienwirtschaft kritisiert das Baukindergeld als Preistreiber, weil es den Erwerb von gebrauchten Immobilien genauso fördere wie den Kauf neuer Häuser. „So wird kein Haus zusätzlich gebaut“, heißt es beim Zentralen Immobilienauschuss (ZIA), „aber Verkäufer kalkulieren die Zulage ein, um einen noch höheren Preis zu erhalten.“

Außerdem erhielten den Zuschuss vor allem jene Familien, die ihn eigentlich nicht nötig hätten, ergänzt der Verband. Er verweist auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), derzufolge zu weit überwiegenden Teilen Familien das Geld beantragen, die sich ein Haus auch ohne die Förderung leisten könnten. „Haushalte aus den oberen Einkommensgruppen profitieren besonders stark“, so das DIW. Ärmeren Familien würden dagegen die Tausende Euro an langfristigem Zuschuss wenig helfen, um beispielsweise zum Zeitpunkt des Kaufs genug Eigenkapital zu haben.

Familien müssen das Baukindergeld spätestens drei Monate nach Einzug in die neue Immobilie beantragen, damit ihr Anspruch nicht verfällt. „Sie sollten es nutzen, um in den ersten zehn Jahren des Kredites möglichst viel zu tilgen“, rät Dirk Eilinghoff vom Beratungsportal Finanztip. Falsch wäre dagegen, das Baukindergeld für Urlaubsreisen oder anderen Konsum auszugeben. „Bei einer Umschuldung nach zehn Jahren drohen höhere Zinssätze als in der aktuellen Niedrigzinsphase“, ergänzt er, „also sollten die dann noch ausstehenden Schulden bis dahin schon deutlich gesunken sein.“ Nur so könne vermieden werden, dass die Belastung nach der Umschuldung wachse.

Gleichzeitig sollten mögliche Antragsteller nicht zu lange warten: Seit dem Programmstart im September des vergangenen Jahres sind gut 68.000 Anträge eingereicht worden. Das teilte die für das Programm zuständige KfW-Bank jüngst mit. 80 Prozent der Anträge wurden für Altbauten gestellt.

Die meisten Anträge (ungefähr 15.000) wurden bislang für NRW, das bevölkerungsreichste Bundesland, eingereicht. Weil rund die Hälfte des bis Ende 2020 festgelegten Budgets von 2,5 Milliarden Euro damit praktisch bereits verteilt ist, könnten Nachzügler im Herbst oder Spätsommer rein theoretisch leer ausgehen. Das „Handelsblatt“ schreibt: „Baukindergeld könnte schon 2019 knapp werden.“ Denn es ist davon auszugehen, dass von den Anträgen nur sehr wenige abgelehnt werden.

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