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Geldanlage: Aktien immer langfristig, Gold nur als Beimischung

Telefonaktion : Aktien immer langfristig, Gold nur als Beimischung

Sechs Experten erklären, wie man sein Geld auch in der Niedrigzinsphase sinnvoll anlegt – und warum es manchmal sinnvoller sein kann, das Haus zu renovieren als zu sparen.

(RP) In der Niedrigzinsphase hat gute Beratung Hochkonjunktur. Zwei Stunden lang telefonierten am Freitag zum Thema Geldanlage sechs Experten bei einer Aktion unserer Redaktion mit Lesern.

Ich bin unzufrieden mit meiner bisherigen Bankberatung. Die Kosten sind hoch, und in den vergangenen fünf Jahren hab ich auf meine Anlagen keine Rendite bekommen. Was soll ich tun?

Suchen Sie sich alternative unabhängige Angebote, zum Beispiel bei Honorarberatern oder Finanzplanern. Auch die können für Sie passende anlegergerechte Produkte finden.

Ich habe zwischen 2011 und 2013 Aktien gekauft. Sind die Erträge daraus noch abgeltungssteuerpflichtig?

Ja, die Steuerpflicht gilt seit 2009 unabhängig von der Haltedauer.

Gilt der europäische Einlagenschutz von 100.000 Euro pro Person?

In Deutschland ist das so. Zudem haben Banken und Sparkassen aber auch noch eigene Einlagensicherungssysteme. Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrem Institut.

Ich bin 79 Jahre alt und habe ausreichend Rente. Jetzt möchte ich 80.000 Euro anlegen, die ich bisher in Festgeld in Deutschland investiert habe. Jetzt würde ich gern zu einer schwedischen Bank wechseln, die 1,12 Prozent Zinsen bieten. Und ich denke über eine Anlage in Italien nach. Wie ist es in diesen Ländern mit der Einlagensicherung?

Die deutsche Einlagensicherung ist sehr gut, Schweden ist auch noch ok. Von Italien würde ich angesichts der derzeitigen Unsicherheit und der Probleme einiger italienischer Banken abraten.

Ich bin 82, habe früher mein Geld in Aktienfonds angelegt und möchte jetzt auf Tagesgeld umsteigen. Ich verfüge über 200.000 Euro und etwas mehr als 30.000 Euro auf dem Girokonto. Ich wohne in einem Altbau.

Nutzen Sie einen Teil des Geldes, um die Dämmung in Ihrem Haus zu modernisieren. Und lassen Sie eine Photovoltaik-Anlage installieren. Das spart Energiekosten und bringt damit auch Geld.

Ich (77) habe mein Geld zu 20 Prozent in riskanten Anleihen investiert, den Rest in Aktien (Blue Chips) und Tagesgeld. Was halten Sie davon?

Generell gilt: Je älter man ist, desto defensiver sollte man Geld anlegen.

Ist es sinnvoll, jetzt Gold zu kaufen?

Beim Geldanlegen kommt es auf die Mischung an. Fünf bis zehn Prozent seines liquiden Vermögens kann man in Gold halten. Das ist gut fürs Gefühl, bringt aber erstmal keinen Zins. Was das Gold angeht: Es kann im Kurs schwanken.

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Ich will in zwei bis drei Jahren eine Immobilie kaufen. Sollte ich bis dahin noch in Aktien investieren?

Eher nicht. Mögliche Kursschwankungen in diesem Zeitraum sind nur schwer kalkulierbar.

Ich bin 80 Jahre alt. Mein 52-jähriger Schwiegersohn hat Probleme. Ihm droht die Kündigung, weil das Unternehmen seinen Sitz nach Großbritannien verlegt. Sollte er jetzt 100.000 Euro in ein Haus in England stecken und dort hinziehen, um seinen Job zu retten?

Nein, das Geld würde ich nur kurzfristig anlegen. Ihr Schwiegersohn sollte zunächst seine berufliche Zukunft klären, ehe man über ein längerfristiges Investment nachdenkt.

Ich bin Rentner, 76 Jahre alt, bekomme 2000 Euro Rente und habe Haus und Eigentumswohnung an meine Tochter vermietet. Jetzt werde ich steuerpflichtig. Wie würden Sie 20.000 Euro anlegen? In einen ETF-Sparplan? Oder sollte ich lieber Rücklagen in Gold bilden für den Fall einer Finanzkrise?

Gold in Barren oder Münzen zu kaufen, ist teuer. Außerdem ist der Kurs schwankungsanfällig. Deshalb lieber Gold nur als Beimischung ins Portfolio packen – vielleicht fünf oder zehn Prozent vom liquiden Vermögen. Ein ETF-Sparplan auf zehn Jahre ist vom Anlagezeitraum her ok.

Ich bin 73 und bekomme eine Pension von 4000 Euro monatlich. Ich habe seit zehn Jahren 50.000 Euro als Tagesgeld geparkt (mit aktuell 0,01 Prozent Zinsen) und 50.000 Euro in Fonds investiert. Was halten Sie davon?

In Tagesgeld sollte man nicht mehr als drei Nettomonatseinnahmen investieren. Ich würde den Rest in Festgeld anlegen, für ein bis drei Jahre. Das bringt derzeit Zinsen zwischen 0,9 (für ein Jahr) und 1,3 Prozent (für drei Jahre).

Gibt es irgendwo noch zwei Prozent Zinsen ohne Risiko?

Nein, mit klassischen Anlagen wie Sparbuch oder Festgeld ist das in den kommenden Jahren nicht zu erreichen. Wenn Sie das schaffen wollen, müssen Sie mit Ihrem Bankberater über Alternativen sprechen.

Ich bin Rentner und habe 3,5 Millionen Euro angelegt – in zwei Depots mit 16,7 beziehungsweise 28 Prozent Aktienanteil. Der Rest steckt in Rentenpapieren, Immobilien und Rohstoffen. Ich erwarte keine hohe Rendite mehr, sondern will vor allem ruhig schlafen können.

Dann minimieren Sie Ihre Risiken. Richten Sie ihr Depot defensiver aus und fahren Sie dazu vor allem den Aktienanteil deutlich runter.

Ich habe seit Jahren Geld in Rentenfonds angelegt. Soll ich da was ändern?

Das kommt auf den oder die Fonds an. Rentenfonds beispielsweise mit Staatsanleihen sehr guter Bonität (zum Beispiel Bundesanleihen) erzielen nur noch eine geringe Rendite. Gegebenenfalls sind bei steigendem Zinsniveau auch Kursverluste möglich. Mein Tipp: Reden Sie mit Ihrem Berater über Ihr Risikoprofil und mögliche Alternativen.

Ich will 150.000 bis 200.000 Euro langfristig anlegen. Wozu raten Sie? Ist Gold ein sicherer Hafen?

Wenn Sie Rendite erzielen wollen, brauchen Sie auf jeden Fall Aktien oder Aktienfonds. Der sichere Hafen ist Gold wegen möglicher Kursschwankungen und Währungsrisiken nicht.

Ich bin 64, stehe kurz vor der Rente und bekomme demnächst 200.000 Euro aus einer Rentenversicherung ausgezahlt. Ich habe ein schuldenfreies Haus, eine Anlage in Gold und 40.000 Euro in bar. Soll ich mir die Summe auszahlen oder den Betrag verrenten lassen?

Das kommt auf Ihre Lebenserwartung an. Eine Verrentung ist die Wette auf ein langes Leben. Dazu würde ich bei Altverträgen mit hoher Verzinsung raten. Bei neuen Verträgen ist eine Verrentung schlecht. Da müssten Sie 95 werden, bis Sie das Kapital wieder zurückbekommen.

Wir sind Rentner, haben ein Einfamilienhaus und 150.000 Euro übrig, die wir anlegen wollen. Was raten Sie?

Sie könnten, ehe Sie das Geld anlegen, überlegen, ob Sie Ihr Haus barrierefrei umbauen wollen, beispielsweise das Bad. Dann haben Sie vorgesorgt für den Fall, dass Sie sich einmal nicht mehr so gut bewegen können. Die Summe, die übrig bleibt, können Sie dann anlegen.

Ich bin 75 Jahre alt und habe ein Investment mit Aktien, das seit zehn Jahren keinen Zuwachs bringt. Ich brauche das Geld im Moment nicht. Soll ich trotzdem verkaufen?

Wenn Sie das Geld nicht brauchen, können Sie die Aktien auch behalten. Allerdings sollten Sie prüfen, wie sich Ihr Investment genau zusammensetzt und welche Kosten damit verbunden sind. Nach den guten Aktienjahren ist es kaum erklärlich, warum sie damit keine Gewinne gemacht haben.

Ich bin Ende 50, habe 60.000 Euro geerbt und will damit meine Rente aufbessern. Aktien kommen nicht mehr infrage, oder?

Doch. Wenn Sie vorhaben, aus der Anlage später einen monatlichen Auszahlplan zu machen, können Sie Ihr Geld jetzt auf Aktienfonds und Tagesgeld aufteilen und später entsprechend anteilig entnehmen. Bei einem Entnahmeplan brauchen Sie das Geld ja nicht auf einen Schlag, sondern entnehmen es über die Jahre verteilt. Das heißt, die Anlagedauer ist für Aktien lange genug.

Ich habe eine Lebensversicherung mit Garantiezins von drei Prozent, die 55 Jahre läuft. Soll ich die auflösen? Es sind noch 18 Jahre übrig.

Wenn Sie das Geld nicht brauchen, können Sie den Vertrag auch weiterlaufen lassen. Drei Prozent bekommen Sie sonst zurzeit für eine sichere Geldanlage nicht.

Wir haben unser Geld auf verschiedene Fonds aufgeteilt, darunter Aktienfonds und Mischfonds. Leider sind wir jetzt, nach knapp einem Jahr, im Verlust. Alles auflösen?

Nein, es sei denn, Sie brauchen das Geld. Aktien- und Mischfonds sind ein langfristiges Investment, kurzfristig kann es immer Schwankungen geben.