Serie Mein Geld (8/12) An der Börse für die Rente sparen

Düsseldorf · Die von der FDP propagierte Aktienrente steht so zwar nicht im Koalitionsvertrag. Aber das Investment in Wertpapiere kann den Deutschen auf jeden Fall bei der Altersvorsorge helfen.

          

          

Foto: dpa-tmn/Alexander Heinl

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat eine Geldanlage in Aktien nach Angaben der Deutschen Bundesbank eine durchschnittliche jährliche Rendite von acht Prozent für die Investoren gebracht. Und selbst wenn man davon noch ein rundes Viertel für die Abgeltungssteuer, Depotkosten und Ausgabeaufschläge bei der Anschaffung abziehen würde, käme man noch auf eine Nettorendite, die die der meisten anderen Sparformen deutlich übertrifft. In Null- und Negativzinszeiten gelten solche Gewissheiten mehr denn je.

Was liegt da näher, als Aktien auch stärker als bisher als Instrument der Altersvorsorge für Bürgerinnen und Bürger zu nutzen? Die sich damit ein Zubrot sichern in künftigen Zeiten, in denen die gesetzliche Rente vielen kaum zu einem hohen Lebensstandard reichen dürfte? Erst recht, wo doch in absehbarer Zeit weniger als zwei Beitragszahler in den gesetzlichen Kassen auf einen Rentner kommen?

Diesen Grundgedanken ist auch die Idee der Aktienrente geschuldet, die die FDP im vergangenen Jahr in den Monaten vor der Bundestagswahl im September 2021 propagiert hat. Und auch wenn der Begriff „Aktienrente“ nicht im Koalitionsvertrag steht, den die Freien Demokraten mit der SPD und den Grünen geschlossen haben, so bleibt das Modell doch auf der Agenda. Dazu sollten in diesem Jahr zehn Milliarden Euro aus dem Haushalt in die Rentenversicherung fließen. Wobei noch unklar war, in was dieser neue Fonds investieren, welche öffentlich-rechtliche Stelle ihn managen und woher das Geld in den nächsten Jahren kommen sollte.

Ob das in Zeiten nach dem Ukraine-Krieg, in denen allein die Modernisierung der Landesverteidigung bis dato ungeplante 100 Milliarden Euro verschlingen soll, noch so gelten kann, bleibt vorerst offen. Ebenso wie die Frage, ob, wie zwischen den Koalitionären vereinbart, die Rentenbeiträge in den kommenden vier Jahren stabil bleiben sollen, genauso wie das Rentenniveau und das Eintrittsalter. Wer etwa ein paar Prozentpunkte der Beiträge abzweigen und am Kapitalmarkt investieren will, braucht womöglich über Jahre hinweg einen größeren Bundeszuschuss für die gesetzlichen Kassen. Geht das noch angesichts von ökologischem Umbau der Wirtschaft, Nach-Corona-Lasten und Auswirkungen des Krieges?

Den Plänen zufolge soll jedenfalls die Deutsche Rentenversicherung ihre Reserven am Kapitalmarkt reguliert anlegen können. Die umlagefinanzierte Rente wollten SPD, Grüne und FDP durch die Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie durch erwerbsbezogene und qualifizierte Einwanderung stärken. Das heißt: mehr Frauen in sozialversicherungspflichtigen Jobs, mehr Menschen, die länger arbeiten als bisher, mehr Jobs für Qualifizierte aus dem Ausland. Das soll die Rentenkassen stärker als zuvor füllen.

Die Ungewissheit, ob das alles noch eins zu eins umgesetzt werden kann, ändert nichts an der grundsätzlichen Tauglichkeit des Modells. Die wäre wohl auch dann gegeben, wenn wegen des Ukraine-Kriegs, der damit verbundenen Verteuerung von Rohstoffen und eines daraus folgenden Konjunktureinbruchs die Aktienkurse vorübergehend deutlich nachgeben würden. Wer früh genug anfängt, kann nämlich solche Tiefs an den Börsen über Jahre hinweg aussitzen, wie die Vergangenheit gelehrt hat. So ein Argument könnte auch Aktien-Skeptiker überzeugen, und von denen gibt es in Deutschland immer noch jede Menge. 16 Prozent der über 14-Jährigen, das heißt: ungefähr jeder Sechste aus dieser Altersgruppe, war im vergangenen Jahr Aktionär, hatte also entweder direkt in die Wertpapiere investiert oder Fondsanteile gekauft.

Die Schweden haben so ein Sparmodell bereits in den 90er Jahren eingeführt – über Fonds, die direkt oder über sogenannte Indexfonds am Kapitalmarkt investierten und deren Gelder sich aus 2,5 Prozentpunkten der bis dahin gesetzlichen Rentenbeiträge der Versicherten speisen. Dadurch sank der eigentliche Rentenbeitrag auf 16 Prozent. Und je näher für schwedische Beschäftigte ihr Rentenalter rückt, desto stärker werden deren Anteile an dem Fonds in risikoärmere Investments umgeschichtet – Anleihen beispielsweise, die fest verzinst sind. Und natürlich von solventen Schuldnern kommen sollten. Bei den Nordeuropäern kann übrigens jeder im Rahmen gesetzlicher Vorgaben selbst entscheiden, in welchen Fonds er einzahlt. Zu denen gehört auch der AP7, den die Rentenversicherung selbst aufgelegt hat.

So weit das Vorbild aus Skandinavien, mit dem die Schweden immerhin elf Prozent Rendite gemacht haben. Allerdings machen die Erträge gerade mal fünf Prozent aller Renteneinkünfte aus Ein Anteil, mit dem man in Schweden angesichts vergleichsweise üppiger Betriebsrenten gegenwärtig aber auch gut leben kann. Außerdem ist hier das Spektrum der Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung breiter, weil alle Beschäftigten ab 16 Jahren in das System einzahlen.

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