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Gamestop-Aktien: Trade Republic stoppt zwischenzeitlich Handel

Angst vor Marktmanipulation : Trade Republic stoppt zwischenzeitlich Handel mit Gamestop-Aktien

Kleinanleger haben in den vergangenen Tagen mit konzertierten Aktionen die Aktien von angeschlagenen Nischen-Unternehmen in die Höhe schnellen lassen. Immer mehr Online-Broker stoppen daher den Handel mit den Papieren.

Der Online-Broker Trade Republic hat den Handel mit verschiedenen Aktien aus Sorge vor Marktmanipulationen zwischenzeitlich ausgesetzt. Das Unternehmen informierte am Donnerstagabend seine Kunden per E-Mail, dass man vorerst keine Aktien mehr von den Unternehmen Gamestop, AMC Entertainment, Blackberry, Nokia, Express sowie Bed Bath & Beyond über die App von Trade Republic kaufen könne. Seit Tagen gibt es Hinweise darauf, dass die Kurse der Aktien durch gezielte Spekulationen nach oben getrieben werden. Zuvor hatte unter anderem auch die US-Handelsplattform Robinhood den Handel mit einigen Papieren eingeschränkt. Am Freitagmorgen informierte Trade Republic seine Kunden per Mail, dass die Beschränkungen wieder aufgehoben wurden.

Hintergrund sind die heftige Kursbewegungen in den vergangenen Tagen bei einigen Aktien angeschlagener Unternehmen. Allein die Aktie des Computerspiele-Geschäfts Gamestop hatte in den vergangenen fünf Tagen um rund 800 Prozent zugelegt, der Kurs war von 65 Dollar zeitweise auf mehr als 400 Dollar gestiegen, um dann wieder auf aktuell rund 230 Dollar zu fallen. Die Aktien werden dabei vermehrt über sogenannte Neobroker wie Robinhood oder Trade Republic gehandelt, bei denen bei Käufen und Verkäufen kaum Gebühren anfallen. Trade Republic warnte seine Kunden in dem ersten Schreiben jedoch ausdrücklich davor, dass beim Kauf dieser Aktien hohe Verluste entstehen können.

In Online-Foren wie Reddit werden bestimmte Aktien seit einiger Zeit diskutiert. Offenbar kommt es dabei auch immer wieder zu Absprachen zu konzertierten Aktionen, um professionelle Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt haben, aus dem Markt zu drängen. Da es sich bei den gehandelten Aktien eher um Nischenpapiere handelt, können Privatanleger dort mit vereinten Kräften bereits relative große Kursveränderungen auslösen.

Noch mehr Aufmerksamkeit bekam das Thema, als zuletzt Tesla-Chef Elon Musk beim Kurznachrichtendienst Twitter einen Reddit-Link zur Diskussion veröffentlichte. Musk folgen bei Twitter mehr als 43 Millionen Menschen. Sein Einfluss ist enorm. Als er zuletzt empfahl, den Messenger-Dienst Signal zu nutzen, schossen die Aktien eines Unternehmens mit gleichem Namen in die Höhe. Offenbar hatten viele seiner Fans die Firmen verwechselt, in der Hoffnung auf steigende Kurse aber Aktien gekauft.

Bei Gamestop wiederum kam es zuletzt zu einem regelrechten Kräftemessen mit Hedgefonds, bei dem sich die Kleinanleger zumindest vorerst durchsetzen konnten. Laut dem Datenanbieter Ortex Analytics haben sogenannte Short-Seller, die auf sinkende Kurse gesetzt haben, an der Wall Street wegen der Turbulenzen bei Gamestop und anderen Unternehmen Verluste in Höhe von mehr als 70 Milliarden Dollar zu verschmerzen.

Die massive Nachfrage nach solchen Titeln hatte am Donnerstag bereits zu massiven technischen Problemen beim Börsenhandelsplatz LS Exchange gesorgt, über den die Käufe und Verkäufe von Trade-Republic-Kunden abgewickelt werden. Der Neobroker war daraufhin kurzfristig zum Handelsplatz Tradegate gewechselt, der allerdings ebenfalls aufgrund des außergewöhnlich hohen Handelsvolumens mit technischen Problemen zu kämpfen hatte.