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Förderung für Langzeitarbeitslose massiv gekürzt

DGB verlangt mehr Hilfe : Förderung für Langzeitarbeitslose massiv gekürzt

Obwohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland stagniert und zuletzt sogar leicht gestiegen ist, ist die Zahl der staatlich geförderten Beschäftigungsverhältnisse zurückgegangen. Das geht aus einer Anfrage der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Grünen, Brigitte Prothmer, hervor.

Laut Bundesarbeitsministerium hatten im Juni 136.000 Menschen einen geförderten Job — 2010 waren es noch 353.000, im vergangenen Jahr immerhin noch 162.500 Stellen. Pothmer spricht von einem "Aderlass bei der öffentlich geförderten Beschäftigung".

Heinrich Alt, Vorstand bei der Bundesagentur für Arbeit, bestätigte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" den Rückgang, erklärte jedoch, es sei ermutigend, "dass es trotzdem nicht zu einem spiegelbildlichen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit gekommen ist".

Kritik an den Einsparungen kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): "Langzeitarbeitslose brauchen eine bessere und nicht weniger Förderung", sagte Wilhelm Adamy, DGB-Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik, unserer Zeitung. "In erster Linie brauchen wir mehr Geld für Weiterbildungsförderung und auch stärkere finanzielle Anreize für die Teilnehmer; bisher sind sie finanziell schlechter gestellt als jene, die einen Ein-Euro-Job ausüben."

Adamy forderte, die Hilfen der Jobcenter sollten auf die Zeit nach der Integration erweitert werden, um Abbrüche der Beschäftigung möglichst zu vermeiden. "Darüber hinaus werden aber auch mehr kommunale Hilfen benötigt — etwa bei Verschuldung, Suchtproblemen oder bei fehlender Kinderbetreuung. Diese sozialen Hilfen werden oft gar nicht angeboten, oder die Bewilligung dauert monatelang", sagte Adamy.

Für Personen, die langfristig auch mit diesen Hilfen nicht in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können, sollte öffentlich geförderte Beschäftigung ausgebaut werden. "Anders als bei den Ein-Euro-Jobs sollte diese Beschäftigung aber arbeitsmarktnah sein, sozialversicherungspflichtig und tariflich bezahlt werden", so der DGB-Arbeitsmarktexperte.

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(mar)