Als zweite Ratingagentur: Fitch entzieht Großbritannien Spitzenrating

Als zweite Ratingagentur : Fitch entzieht Großbritannien Spitzenrating

Als zweite große Ratingagentur hat Fitch Großbritannien die Bestnote der Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur senkte am Freitagabend die Bewertung auf "AA+" von zuvor "AAA".

Die Abwertung erfolgte vor allem wegen der trüberen Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung und die staatlichen Finanzen. Fitch erklärte, der Ausblick für das neue Rating sei stabil. Damit signalisierte die Agentur, dass das Land zunächst keine weitere Herunterstufung zu befürchten hat. Das Pfund reagierte mit leichten Verlusten auf die Herabstufung.

Für Finanzminister George Osborne und seinen unbeliebten Sparkurs ist die Fitch-Entscheidung eine weitere Ohrfeige: Er hatte sein Amt 2010 mit dem Versprechen angetreten, das Spitzenrating zu verteidigen.

Wie auch in Südeuropa tobt in Großbritannien ein heftiger Streit über die Frage, ob der Sparkurs der Regierung zu weit geht und damit einer Erholung von Wirtschaft und Staatsfinanzen im Wege steht. Das Finanzministerium erklärte, die Herabstufung sei eine Erinnerung daran, dass Großbritannien seinen Schuldenproblemen nicht davonlaufen könne.

Großbritannien muss "Triple Dip" fürchten "

Das Land zahlt mit den Herabstufungen den Preis für die hartnäckige Wirtschaftsflaute und ein seit der Finanzkrise ausuferndes Staatsdefizit. Der Wirtschaft droht derzeit die dritte Rezession in Folge — der gefürchtete "Triple Dip". Erst Ende März hatte die Regierung ihre Wachstumsprognose auf 0,6 Prozent halbiert.

Ende Februar hatte die Agentur Moody's Großbritannien ebenfalls das Spitzenrating entzogen. Einzig bei Standard & Poor's hat Großbritannien bislang noch immer die Bestnote "AAA" — aber auch hier wackelt die Bewertung, wie Standard & Poor's erst Anfang April erklärte.

Die Finanzkrise und ihre Folgen haben die Verschuldung Großbritanniens so rasant ansteigen lassen wie in kaum einem anderen Land. Der Gesamtschuldenberg verdoppelte sich innerhalb von fünf Jahren auf rund 90 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Grund ist vor allem der riesige Finanzsektor des Landes. Dieser erforderte während der Krise zahlreiche enorm teure staatliche Rettungsaktionen und belastete zudem die gesamte Wirtschaft, die seitdem nie wieder richtig auf die Beine gekommen ist.

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(REU/das)