Amerikanische Notenbank Fed erhöht Leitzins um Viertel-Prozentpunkt auf 4,75 bis 5,0 Prozent

New York · Die US-Notenbank Fed lässt sich trotz des jüngsten Bankenbebens nicht vom Zinserhöhungskurs abbringen. Sie erhöhte den Schlüsselsatz am Mittwoch um einen Viertel-Prozentpunkt - auf die neue Spanne von 4,75 bis 5,0 Prozent.

Das Siegel des Gouverneursrats des Federal Reserve Systems der USA (Symbolbild).

Das Siegel des Gouverneursrats des Federal Reserve Systems der USA (Symbolbild).

Foto: dpa/Andrew Harnik

Die in den USA gehäuft aufgetretenen Probleme von Regionalbanken wie der in die Pleite gerutschten kalifornischen SVB hatten zuletzt Spekulationen aufkommen lassen, dass die Fed nach rund einem Jahr der Zinserhöhungen nun pausieren könnte.

Denn die Schwierigkeiten der Geldhäuser gelten auch als Folge der rasant angehobenen Zinsen zur Bekämpfung der Inflation. Diese lag zuletzt trotz eines Rückgangs auf 6,0 Prozent noch weit über dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent. Die Währungshüter signalisierten nun, dass sie dem Preisauftrieb auch weiter Paroli bieten wollen.

Im Mittel veranschlagen die Währungshüter in ihren aktualisierten Projektionen nun für das Jahresende ein Zinsniveau von 5,1 Prozent - so wie sie es bereits im Dezember angepeilt hatten.

Die Probleme bei mehreren Geldhäusern im Zusammenhang mit steigenden Zinsen hatten zuletzt auch Erwartungen geschürt, dass die Fed in ihrem Kampf gegen die Inflation künftig kleinere Zinsschritte machen könnte, um eine breitere Krise zu verhindern. Manche Analysten sahen dieses Szenario vor der Entscheidung aber als wenig realistisch an: „Um das Bankenproblem zu lösen, müsste man wirklich zu sehr niedrigen Zinssätzen zurückkehren, und ich glaube nicht, dass das passieren wird“, sagte Paul Nolte, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Kingsview in Chicago.

Derweil kann sich die EZB laut Bundesbank-Präsident Joachim Nagel aufgrund des anhaltend starken Preisschubs auch nach sechs Zinserhöhungen in Folge noch nicht zurücklehnen. Die Inflation müsse eindämmt werden, und dazu müssten die Währungshüter mutig und entschlossen sein, sagte Nagel am Mittwoch in einem Vortrag am King's College in London laut Redetext. „Aus meiner Sicht ist unsere Aufgabe noch nicht erledigt“, führte er aus. „Wenn sich die Inflation wie prognostiziert entwickelt, müssen auf den kommenden Sitzungen weitere Zinserhöhungen folgen.“ Nagel sitzt im 26-köpfigen Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), der über die Zinsen entscheidet.

Die EZB hatte zuletzt in der vergangenen Woche auf ihrer geldpolitischen Sitzung die Zinsen um 0,50 Prozentpunkte angehoben. Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, wurde damit auf 3,00 Prozent erhöht. Die Inflation im Euro-Raum hat zuletzt nur geringfügig nachgelassen. Im Februar stand sie noch bei 8,5 Prozent nach 8,6 Prozent im Januar. Das Ziel der EZB einer Teuerungsrate von zwei Prozent liegt damit immer noch weit entfernt. Die Kerninflation, in der die schwankungsreichen Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert sind, stieg sogar auf 5,6 Prozent im Februar von 5,3 Prozent im Januar.

Die Inflation werde auf kurze Sicht hoch bleiben, sagte Nagel. Zudem seien die jüngsten Prognosen der EZB-Volkswirte mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet. „Beispielsweise könnten die hohen Rohstoff- und Produktionspreise in einem größeren Umfang als bisher erwartet an die Verbraucher weitergegeben werden“, sagte er. Auch könnten die Löhne noch stärker steigen als in den Projektionen angenommen.

Nagel äußerte sich auch zu den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten nach dem Kollaps der Silicon Valley Bank in den USA und der Notübernahme der krisengeschüttelten Schweizer Großbank Credit Suisse. Sollten die Finanzmarktspannungen anhalten oder auf den Euro-Raum übergreifen, stünden die Euro-Wächter bereit zu handeln, um Finanzstabilität im Währungsgebiet zu sichern. Die Ansteckungsrisiken für die Banken im Euro-Raum scheinen Nagel zufolge aber gering zu sein. „Wir werden die Entwicklungen an den Finanzmärkten genau beobachten“, sagte er. Die Turbulenzen in der Bankenbranche hatten Befürchtungen geschürt, eine neue Finanzkrise könne entstehen. „Letzte Woche herrschte große Unsicherheit“, sagte Nagel. Inzwischen sei die Lage viel besser geworden. „Und wir werden sehen, wie die nächsten Wochen verlaufen werden“, fügte er hinzu. Es sei keine Finanzkrise, was vergangene Woche stattgefunden habe.

(felt/Reuters)
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