Experten trauen Dax 13.000 Punkte zu

Ausblick auf das Börsen-Jahr: Experten trauen dem Dax 13.000 Punkte zu

Die Aktienkurse könnten 2019 deutlich steigen. Aber die politischen Risiken machen die Kurse gleichzeitig extrem schwankungsanfällig. Die wichtigsten Fakten.

Vor einem Jahr schauten die Börsenanalysten der Republik frohgemut auf 2018. Einige von ihnen sagten dem Deutschen Aktien-Index (Dax) einen Anstieg um 15 Prozent voraus, die größten Optimisten sahen sogar Potenzial für einen Kurssprung um 20 Prozent – und das nach einem Jahr, in dem der Index schon zweistellig zugelegt hatte. Das Ende ist bekannt. Der wichtigste Leitindex am deutschen Aktienmarkt schloss 2018 mit einem Verlust ab, und das zum ersten Mal nach sieben Jahren. Das Minus von mehr als 18 Prozent war das größte seit der Finanzkrise vor zehn Jahren. Damals war der Index binnen eines Jahres um etwa 40 Prozent abgestürzt. So daneben lagen die Experten selten.

Risikofaktoren Auch das ist vermutlich ein Grund dafür, dass sie bei ihren Voraussagen für 2019 deutlich zurückhaltender sind als vor Jahresfrist. Die Sorgen um das Wirtschaftswachstum in China,  die nach dem verheißúngsvollen Start im vergangenen Jahr  den Anlegern manches Kopfzerbrechen bereiteten, haben sich ebenswowenig verflüchtigt wie die Unsicherheit in Sachen Handelsstreit zwischen den USA und China. Zwar hat der amerikanische Präsident Donald Trump jüngst wieder eine Annäherung an Peking in Aussicht gestellt. Aber wie fragil so ein Burgfriede sein kann, haben wir im abgelaufenen Jahr bereits erlebt. Und: Was wird aus dem Zeitplan und den Modalitäten für den Brexit? Welchen Kurs nimmt die französische Wirtschaft nach den Zugeständnissen von Präsident Macron an die Gelbhemden? Wie entwickelt sich die Lage in Italien nach der Haudshaltseinigung mit der Europäischen Union? Schließlich hat Innenminister Matteo Salvini schon wieder neues Öl ins Feuer gegossen mit der Aussage, dies sei der letzte Etat gewesen, der in Absprache mit Brüssel beschlossen worden sei. Von den geopolitischen Risiken scheint also derzeit keines wirklich unter Kontrolle zu sein. Die Unsicherheit hat sich am Mittwoch erneut gezeigt, auch, weil der Haushaltsstreit in den Vereinigten Staaten noch nicht beigelegt ist. Der Dax verlor zunächst leicht, weil die Anleger immer noch nicht so recht wissen, wo es hingeht, zumal es keine Munition mehr aus der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt. Die kauft nämlich seit Jahresbegonn keine neuen Staatsanleihen mehr (wodurch sie die Märkte mit Geld flutete), sondern ersetzt nur noch auslaufende Staatspapiere.

Dax-Entwicklung Wie geht es weiter? Die Analysten der Bayern LB trauen dem Barometer bis zur Jahresmitte immerhin 12.500 Punkte zu, die Deutsche Bank noch 12.300 Punkte, die Landesbank Baden-Württemberg sogar 13.000 Punkte. Also 20 Prozent mehr als am Mittwoch, aber dafür immer mit erheblicher Schwankungsanfälligkeit. Eine Spanne von  9800 bis 13.000 Punkten sei denkbar, sagte beispielssweise jüngst Manfred Bucher von der BayernLB. Konsequenz: Im ersten Halbjahr winken den Investoren nach Einschätzung der Experten offensichtlich größere Chancen, die Rückschlaggefahr erscheint danach größer.

  • Nach sechs „fetten“ Jahren : Die Börse schließt das Jahr mit dickem Minus

Branchenempfehlungen So oder so kommt auch 2019 niemand, der  Rendite will, an Aktien vorbei.  Aber welche: Die Fachleute der Deutschen Bank glauben an Finanzdiensleister, an Baukonzerne, an Anbieter von Öl und Gas. Gesundheit ist an der Börse immer ein Megathema, Telekommunikation ist auch wegen der Versteigerung der 5G-Lizenzen spannend, Energieversorger haben nach herben Verlusten Potenzial nach oben.

Börsenstarts Neulinge mit Kursfantasie können für Euphorie an der Börse sorgen – erst recht, wenn sie aus der Tech-Branche kommen. Zu den  Kandidaten 2019 gehören der Fahrdienstvermittler Uber,  das Netzwerk Pinterest und der Arbeitsplatz-Messenger Slack. Aber: Branchenzugehörtigkeit ist noch kein Erfolgsgarant. Wer das Geschäftsmodell nicht nachvollziehen kann, sollte die Finger davon lassen.

Mehr von RP ONLINE