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Europäische Zentralbank will Staatsanleihen-Kauf am Montag starten

Leitzins bleibt auf historischem Tief : EZB will Staatsanleihen-Kauf am Montag starten

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins für die Eurozone auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent. Das teilte ein EZB-Sprecher am Donnerstagnachmittag mit.

Im Kampf gegen die niedrige Inflation in der Eurozone hatten die Währungshüter den zentralen Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, im September auf das Rekordtief gesenkt. Seitdem wurde er nicht verändert.

Auch die beiden anderen Zinssätze beließ die EZB dem Sprecher zufolge auf ihrem bisherigen Niveau. Kreditinstitute, die ihr Geld lieber kurzfristig bei der Notenbank parken, anstatt es an Unternehmen zu verleihen, müssen weiterhin einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen. Der dritte Zinssatz für die sogenannte Spitzenfinanzierungsfaziliät bleibt bei 0,30 Prozent.

Die Europäische Zentralbank will zudem ab Montag Staatsanleihen im großen Stil aufkaufen, um das Risiko einer Deflation abzuwenden. Die EZB werde am 9. März mit dem Ankauf von Anleihen beginnen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Nikosia auf Zypern im Anschluss an die EZB-Ratssitzung.

Draghi hatte Ende Januar angekündigt, dass die EZB von März 2015 bis September 2016 jeden Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen werde.

EZB rechnet mit stagnierenden Verbraucherpreisen

Trotz ihres Billionen-schweren Programms rechnen Europas Währungshüter in diesem Jahr mit stagnierenden Verbraucherpreisen im Euroraum. In diesem Jahr werde die Inflation auf 0,0 Prozent sinken, sagte Draghi. Damit korrigierte die Notenbank auch wegen der niedrigen Ölpreise ihre bisherige Prognose von 0,7 Prozent nochmals deutlich nach unten.

In den beiden Folgejahren dürfte sich die Geldschwemme nach der Vorhersage aber stärker auf den Preisauftrieb auswirken. Demnach steigen die Verbraucherpreise 2016 um 1,5 (bisher: 1,3) Prozent. In ihrer ersten Schätzung für 2017 sagen die Notenbanker eine Inflationsrate von 1,8 Prozent voraus.

Gleichzeitig wächst der Konjunkturoptimismus für das laufende Jahr gegenüber der Dezember-Schätzung: Statt bisher 1,0 Prozent Wachstum in diesem Jahr erwarten die Experten nun im Euroraum 1,5 Prozent Plus. Die Prognose für 2016 wurde von 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben. Für 2017 sagen die Notenbanker ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent voraus.

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Euro holt während Draghi-PK auf

Während der Pressekonferenz holte der Euro wieder auf. Händler machten dafür auch den überraschend schwachen Wochenbericht vom US-Arbeitsmarkt verantwortlich, der den Dollar-Höhenflug etwas bremste. Zeitweise kletterte die Gemeinschaftswährung wieder über 1,11 Dollar, nachdem sie am Vormittag noch mit 1,1025 Dollar ein 11-1/2-Jahrestief erreichte hatte. Danach pendelte der Euro um 1,1040 Dollar.

Der Dax grenzte seine Gewinne kurz ein, nahm dann aber seinen Höhenflug wieder auf und notierte bei einem Rekordhoch von 11.517 Punkten um 1,1 Prozent höher. Schon vor Beginn der Pressekonferenz hatte der deutsche Leitindex seine Rekordjagd wieder aufgenommen. Der Bund-Future ging zunächst in die Knie, zog dann aber leicht ins Plus. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg zeitweise auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 0,43 Prozent. Zugleich gaben die Renditen der spanischen und italienischen Pendants weiter nach.

Hier geht es zur Infostrecke: Was die EZB mit ihren Anleihe-Käufen erreichen will

(AFP/rtr/dpa)