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Gemeinschaftswährung in der Krise: Euro-Rettung wird für Deutschland teuer

Gemeinschaftswährung in der Krise : Euro-Rettung wird für Deutschland teuer

Düsseldorf (RPO). Die EU-Finanzminister suchen zur Stunde fieberhaft nach einer Lösung für die anhaltende Euro-Krise. Bislang ist aber keine grundlegende Problemlösung in Sicht. Eins zeichnet sich bereits jetzt ab: Für Deutschland wird die Rettung der Euro-Schuldensünder eine teure Angelegenheit.

Als der Euro eingeführt wurde, wurde das jetzige Geschehen noch als Panikmache abgetan. Doch schon jetzt geschieht, was die Regierung immer vermeiden wollte: Deutschland zahlt bereits für die in der Krise befindlichen Euroländer mit. Nicht nur diese müssen Zinsaufschläge bei ihren Staatsanleihen bieten, sondern auch die als äußerst seriös geltende Bundesrepublik.

Die Rendite für Staatsanleihen des Bundes ist in den letzten Tagen spürbar gestiegen, befindet sich jedoch immer noch auf geringem Niveau. Will sich Deutschland an den Kapitalmärkten Geld pumpen, ist ein kleiner Aufschlag fällig. Auch die Preise für Kreditausfallversicherungen für die deutschen Schuldverschreibungen sind zuletzt deutlich gestiegen.

Das hat einen konkreten Grund: An den Börsen geht man offenbar davon aus, dass die Bundesrepublik nicht nur für die Griechen, sondern demnächst auch für die Iren einstehen muss. Deutschland würde in dem Fall, dass die Iren Probleme bei der Refinanzierung ihrer Schulden haben, bürgen. Die Griechen müssen für diese Dienstleistung derzeit eine Gebühr entrichten.

Mehrkosten für den Bund

Das ist natürlich ein zusätzliches Risiko für den Bund, für das die Kapitalmärkte eben die kleine Sonderprämie sehen möchten. Und: Sie können nicht absehen, wie teuer die Krise für den deutschen Steuerzahler werden könnte. Unsicherheit ist an den Kapitalmärkten überhaupt nicht gern gesehen, weswegen die Krisenstaaten derzeit horrende Zinsen von bis zu neun Prozent zahlen müssen. Hierdurch steigt die Zinsbelastung dermaßen an, dass eine Sanierung der Haushalte aus eigener Kraft unwahrscheinlich erscheint.

Wie die Lösung für die aktuellen Geldprobleme der Iren aussieht, ist noch unklar. Sie wollen noch keine EU-Hilfe in Anspruch nehmen, um weiterhin die Hoheit über ihren Haushalt und den Rest ihres guten Rufs zu behalten. Wie lange das noch gut geht, ist fraglich. Zwar braucht der Inselstaat erst Mitte 2011 neue Liquidität, doch die in Schieflage befindlichen irischen Banken könnten schon vorher eine Finanzspritze benötigen.

Außerdem möchten die großen EU-Staaten wie Deutschland die Lage beruhigen. Ihre Sorge gilt den anderen Schuldensündern wie Portugal oder Spanien, die in einen Abwärtssog gezogen werden könnten. Am Montag hatte sich die Lage bereits etwas stabilisiert. Doch es gilt als unstrittig, dass die Äußerungen der Bundesregierung, private Gläubiger mit in die Haftung für Kreditausfälle zu nehmen, die Situation sogar verschlimmert haben.

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Verunsicherung an den Märkten

Diese Aussagen hatten die Finanzmärkte stark verunsichert. Außerdem hatte die Regierung nicht bedacht, was ein - wenn auch nur partieller Zahlungsausfall - für deutsche Banken bedeuten würde. Die halten gegenüber irischen Schuldnern 138 Milliarden Dollar an Forderungen, wie die "FAZ" am Dienstag berichtet. Britische Banken seien sogar mit 150 Milliarden Dollar involviert.

Allein schon deswegen ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Iren mit ihren Problemen allein gelassen werden. Doch es bleibt die Frage, wie die Euro-Sorgenkinder dauerhaft gerettet werden können. Immerhin dachte man bereits im Frühjahr, dass die schlimmsten Turbulenzen nach dem Aufspannen des Rettungsschirms überstanden seien. Doch ein wirklicher Befreiungsschlag sind die Kreditgarantien ebenso wie eine immer wieder geforderte, gemeinsame Euro-Anleihe aber nicht.

Deswegen wird hinter vorgehaltener Hand eine andere Variante diskutiert, die derzeit politisch nicht durchsetzbar scheint: die Transfer-Union. Damit könnte nämlich ein zentraler Fehler des Euroraumes korrigiert werden. Derzeit teilen sich Länder mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen eine Währung. Sie unterscheiden sich in Schlüsseldaten wie der Wirtschaftsleistung pro Kopf, in der Gesamtverschuldung des Staates oder in der Leistungsbilanz.

Ökonomische Ungleichgewichte als Problem

Normalerweise sorgen die unterschiedlichen Wechselkurse der Währungen für den Ausgleich der ökonomischen Ungleichgewichte. Dieses Ventil fällt ebenso weg wie die Möglichkeit für einzelne Staaten, sich ihrer Schulden durch Inflation zu entledigen. Ähnlich wie die USA könnte man Geld drucken, aber auch diese Option haben Griechen, Portugiesen und Spanier mit dem Euro aufgegeben.

Um für einen Ausgleich zwischen den einzelnen Staaten zu sorgen, müssten also Geldzahlungen erfolgen. Ähnlich wie es in Deutschland den Länderfinanzausgleich gibt, könnte eine europaweite Umverteilungsmaschine gestartet werden. Die Bundesrepublik wäre dabei unweigerlich in der Rolle, die die Bayern heute innerhalb des Bundes einnehmen: der Zahlmeister.

Eine solche Regelung wäre nicht nur für den Steuerzahler teuer. Es bleibt die Frage, welchen politischen Preis die Regierungen für ein solches Vorgehen zahlen müsste, das ohnehin nur bei einer gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzpolitik Sinn machen würde. Ob sich die Eurozone so weit zusammenraufen kann, scheint mehr als fraglich.

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