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KanAm Grundinvest wird aufgelöst: Erstem großen Immobilienfonds geht die Luft aus

KanAm Grundinvest wird aufgelöst : Erstem großen Immobilienfonds geht die Luft aus

Die Krise der Offenen Immobilienfonds in Deutschland fordert ihr achtes und bislang größtes Opfer: Der knapp vier Milliarden Euro schwere Fonds KanAm Grundinvest wird aufgelöst. Alle 51 Objekte werden verkauft. Der Erlös soll in Etappen an die rund 100.000 Anleger ausgezahlt werden, wie KanAm am Mittwoch mitteilte. Das kann bis zu fünf Jahre dauern.

Die Liquidation ist ein denkbar schlechtes Vorzeichen für die ebenfalls eingefrorenen Flaggschiff-Fonds SEB ImmoInvest und CS Euroreal. Beide sind jeweils rund sechs Milliarden Euro schwer. "Das ist natürlich ein Signal", sagte Wolfgang Kubatzki, Leiter Real Estate bei Feri EuroRating. "Aber jede Fondsgesellschaft muss das für sich klären. Die entscheidende Frage ist: Habe ich eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch nach Erfüllung der Rückgabewünsche meinen Fonds langfristig aufrechtzuerhalten?"

Wie beim KanAm Grundinvest läuft auch für die Immobilienfonds der SEB und der Credit Suisse im Mai die vom Gesetzgeber maximal erlaubte Schließungsfrist von zwei Jahren aus. Spätestens dann müssen sie sich entscheiden: öffnen oder abwickeln.

Die Credit Suisse bekräftigte, eine nachhaltige Wiederöffnung ihres Fonds anzustreben. Aktuell liege die freie Liquidität bei knapp 1,6 Milliarden Euro, etwa 25 Prozent des Fondsvermögens. "Wir sind zuversichtlich, die Liquidität für eine nachhaltige Wiedereröffnung des CS Euroreal durch zusätzliche Verkäufe weiter zu steigern", sagte Geschäftsführer Karl-Heinz Heuß. Nach Einschätzung von Experten braucht ein Fonds eine Liquiditätsquote von etwa 30 Prozent. Dann habe er gute Chancen, den ersten Ansturm rückgabewilliger Anleger zu bewältigen und dauerhaft geöffnet zu bleiben.

Die SEB betonte, weiter "mit Hochdruck" an einer Wiederöffnung des ImmoInvest zu arbeiten. Fondsmanagerin Barbara Knoflach hatte zu Monatsbeginn für Unruhe gesorgt, als sie erstmals andeutete, dass es ihr Fonds möglicherweise nicht schaffen könnte.

Rahmenbedingungen nicht verbessert

Die Rahmenbedingungen für die Branche haben sich seit der Pleite der US-Investmentbank Lehmann Brothers im Herbst 2008 nicht wirklich gebessert. Damals waren viele Offene Immobilienfonds wegen massiver Rückgabewünsche von Anlegern in Liquditätsnöte geraten und sahen sich gezwungen, die Notbremse zu ziehen. Sie setzten die Rücknahme von Anteilsscheinen aus.

Manche Fonds öffneten wieder, hielten das aber nur vorübergehend durch. "Der Anleger ist auch heute noch ein scheues Reh", sagte Kubatzki. "Die Unsicherheit reicht von der Euro-Schuldenkrise bis hin zur immernoch als angeschlagen wahrgenommenen Branche der Offenen Immobilienfonds." Derzeit sind dem Fondsverband BVI zufolge mehr als 17 Milliarden Euro in eingefrorenen Offenen Fonds dem Zugriff der Anleger entzogen.

KanAm will den Investoren des Grundinvest in den kommenden Wochen die ersten 200 Millionen Euro auszahlen. Der Abverkauf der Immobilien läuft nach Angaben der Gesellschaft auf Hochtouren. Bislang seien Objekte für rund eine Milliarde Euro in Amerika und Europa verkauft worden. Zum Portfolio des Fonds gehört auch der Londoner Sitz des Nachrichten- und Finanzdienstleisters Thomson Reuters im Geschäftsviertel Canary Wharf. Hier gab es Finanzkreisen zufolge noch keine Einigung mit Interessenten. Weitere Auszahlungen für die Anleger sollen nun abhängig von den Immobilienverkäufen im halbjährlichen Turnus erfolgen. Die Gesellschaft erwartet nach Angaben eines Sprechers noch Erlöse über rund fünf Milliarden Euro.

"Aus Sicht der Gleichbehandlung der Anleger ist die Abwicklung die beste Entscheidung", sagte Kubatzki. Wenn ein Fonds all sein Tafelsilber verkaufen müsse, um Rückgabewillige auszuzahlen, hätten im Fonds bleibende Investoren das Nachsehen. "KanAm hat jetzt fünf Jahre Zeit den Fonds abzuwickeln, und sie haben mit dem US-Grundinvest bewiesen, dass sie das können", erklärte der Feri-Experte. Der wesentlich kleinere, und stark auf die USA zugeschnittene Fonds wird seit Oktober 2010 aufgelöst und ist nach Angaben von KanAm inzwischen fast vollständig abgewickelt.

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(REU)