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Die gesetzliche Rentenversicherung: Das müssen sie wissen - DRV

Rentensatz, Rentenanspruch, Formel : Das müssen sie über die gesetzliche Rentenversicherung wissen

Die gesetzliche Rentenversicherung gilt als schwieriges und komplexes Thema. Wann steigt der Rentensatz, wann sinkt er? Wie funktioniert das Konzept? Welchen Anspruch habe ich eigentlich als Arbeitnehmer? Muss ich als Rentner noch Steuern zahlen? Und was ist eigentlich ein Generationsvertrag? Wir haben Fragen und Antworten zum Themenkomplex zusammengestellt.

Wie funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist feste Säule des deutschen Sozialversicherungssystems und dient zur Altersvorsorge. Sie ersetzt dabei das ausgefallene Arbeitseinkommen nach dem Ruhestand. Im Grunde genommen ist die gesetzliche Rentenversicherung wie ein großes Sammelbecken. Die Beitragszahler von heute kommen für die Rentner von heute auf. Dieses System wird Umlageverfahren genannt. Die Generation, die heute arbeitet, bekommt ihre Rente später entsprechend durch die folgende Generation der Kinder und Enkelkinder finanziert - ein sogenannter Generationenvertrag. Dabei steht durch das Umlageverfahren die Rente stark in Abhängigkeit zu der Entwicklung der Löhne. Die Rentenanpassung erfolgt immer am 1. Juli eines Jahres. Jeder, der in die gesetzliche Rente einzahlt, erhält eine sogenannte Rentenversicherungsnummer, die er oder sie für das gesamte Leben behalten wird. Diese Nummer soll Sie genau identifizieren und Ihren Rentenanspruch belegen.

Wer zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist Pflicht. Es gilt, dass jeder, der sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, in die Rente einzahlen muss. Das betrifft Arbeiter, Angestellte und auch Auszubildende. Die Sozialversicherungsbeiträge werden dabei vom Arbeitgeber an die Krankenkasse überwiesen.

Wie viel Beitrag muss man in die gesetzliche Rentenversicherung bezahlen?

Vorab erst einmal: Es gibt keinen festen Beitrag, den man in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen muss. Die Änderung des Beitragssatzes erfolgt immer am 1. Juli eines Jahres. Derzeit liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent des Brutto-Lohns. 9,3 Prozent davon tragen die Arbeitnehmer selbst. Die restlichen 9,3 Prozent werden vom Arbeitgeber gezahlt. Wohl zu beachten ist, dass es eine Höchstgrenze gibt, die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Auf Lohn, der über diesem Grenzwert liegt, wird keine Rentenbeiträge gezahlt. Aktuell liegt diese Grenze bei 7100 Euro in Westdeutschland und 6700 Euro in den neuen Bundesländern.

Wie lange muss man in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?

Ein Rentenanspruch kann nur entstehen, wenn der- oder diejenige unter anderem die Wartezeit erfüllt. Konkret bedeutet dies, dass eine gewisse Mindestversicherungszeit zur gesetzlichen Rentenversicherung notwendig ist, damit ein Rentenanspruch entstehen kann. Die Mindestversicherungszeit misst sich dabei insbesondere an der Anzahl rentenrechtlicher Zeiten und der gezahlten Beiträge. Unterschiedliche Rentenarten besitzen unterschiedliche Wartezeiten, die bei 5, 20, 35 oder 45 Jahren liegen können. Die Wartezeit-Prüfung erfolgt dabei in Monaten und nicht in Jahren. Ein Kalendermonat, der nur zum Teil mit rentenrechtlichen Zeiten belegt ist, zählt als voller Monat. Um nach Ihrem Berufsleben eine Regelaltersrente, Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung oder Rente wegen Todes zu erhalten, müssen Sie allerdings mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Wie berechnet sich der Rentenanspruch eines Einzelnen?

Vorab: Die Rente ist stark individuell beeinflusst. Daraus ergeben sich unterschiedliche Beitragszahlungen und Beitragszeiträume, die sich auf die Altersrente auswirken. Grundsätzlich sammelt jeder Arbeitnehmer sogenannte Rentenpunkte oder auch Entgeltpunkte. Ausgangspunkt zur Berechnung dieser Entgeltpunkte ist das bundesweit durchschnittliche Jahreseinkommen. Liegt der Verdienst des Rentenempfängers im Durchschnittsverdienst aller Versicherten, ergibt sich dadurch genau 1 Entgeltpunkt.

Der Zugangsfaktor berücksichtigt, ob das gesetzlich festgelegte Rentenalter bei Rentenbeginn erreicht ist. Abschläge und Zuschläge erfolgen, je nachdem, ob man frühzeitig in Rente geht oder über das Rentenalter hinaus noch keine Rente beansprucht. (Abschläge: Pro Kalendermonat, den sie eher in Rente gehen, werden 0,3 Prozent pro Monat abgezogen. Zuschläge: 0,5 Prozent pro Monat, sofern sie nach Erreichen des Rentenalters auf die Rente zunächst verzichten.

Der aktuelle Rentenwert entspricht dem Gegenwert zu einem Entgeltpunkt. 2018 lag der Wert in Westdeutschland bei 32,03 Euro und in den neuen Bundesländern bei 30,69 Euro. Ab dem 1. Juli 2021 gilt im Westen der Wert von 34,19 und in den Ost-Bundesländern der Wert von 33,47 Euro.

Der Rentenartfaktor ist abhängig von der Form der Rente (Altersrente, Vollwaisenrente, Witwenrente etc.)

Um die monatliche Rentenhöhe zu berechnen, gibt es eine Formel die die verschiedenen Faktoren beinhaltet: Es gilt:

Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte * Zugangsfaktor * aktueller Rentenwert * Rentenartfaktor

Beispiel: 40 * 1,00 (Regelalter) * (West) 34,19 * Rente wegen Alters 1,0 = 1367,60 €

Muss man auf die gesetzliche Rente Steuern zahlen?

Grundsätzlich gilt, dass eine Besteuerung der Rente dann Eintritt, wenn der steuerpflichtige Teil Ihrer Jahresbruttorente den Grundfreibetrag übersteigt. Konkret bedeutet dies, dass die Steuerpflicht nur dann gilt, wenn die Gesamtsumme Ihrer Bezüge aus Altersrente und den jeweiligen Nebeneinkünften über dem Grundfreibetrag liegt – dieser Grundfreibetrag wird jährlich neu angepasst. Für das Jahr 2021 beträgt er 9.744 Euro pro Jahr. Für verheiratete Paare liegt der Grundfreibetrag bei 19.488 Euro pro Jahr.

Wann zahlt die Rentenversicherung die Rente aus?

Die Auszahlung der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung erfolgt immer am letzten Bankarbeitstag des Monats – rückwirkend für diesen Monat. Das heißt: Die Rente für den Monat Januar wird am Ende des Monats Januar überwiesen. Die Auszahlung erfolgt bargeldlos. Die Rentenversicherungsträger veranlassen die Zahlung über den Rentenservice der Deutschen Post auf Ihr Konto.

Was leistet die Rentenversicherung für den Einzelnen?

Die gesetzliche Rentenversicherung zählt zu einer der fünf Säulen der Sozialversicherung in der Bundesrepublik Deutschland. (Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung) Die gesetzliche Rentenversicherung dient der Alterssicherung von Beschäftigten. Sie sorgt für Schutz der Versicherten bei Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit im Alter sowie bei Tod deren Hinterbliebener. Die Rentenversicherung blickt zurück auf eine lange Tradition: Schon 1889, mit dem „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung“, fiel in Deutschland der Startschuss für die gesetzliche Rentenversicherung. In den Jahren zuvor wurden bereits die gesetzliche Krankenversicherung und die Unfallversicherung eingeführt.