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Fallende Preise sind Gift für die Konjunktur: Die Angst der EZB vor der niedrigen Inflation

Fallende Preise sind Gift für die Konjunktur : Die Angst der EZB vor der niedrigen Inflation

Die niedrige Inflation in der Euro-Zone gibt nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny Anlass zur Sorge. Im Juli war die Teuerung in den 18 Euro-Ländern auf 0,4 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit fast fünf Jahren gefallen.

Für August erwarten Experten einen weiteren Rückgang. Die Daten werden am Freitagvormittag veröffentlicht. "Auch ich bin besorgt", sagte Nowotny am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung am Rande des Forum Alpbach in Österreich.

Viele Experten und zuletzt auch EZB-Präsident Mario Draghi beunruhigt die niedrige Teuerungsrate. Die EZB peilt eine Inflation von knapp zwei Prozent an. Bei diesem Wert spricht sie von stabilen Preisen. Die derzeit niedrige Teuerung nährt die Furcht vor einer deflationären Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen, die als Gift für die Konjunktur gilt, da sie Konsum und Investitionen auf Dauer hemmt.

Im Frühjahr ist die Wirtschaft in der Euro-Zone wegen der Flaute in den drei größten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien nicht vom Fleck gekommen. Neue Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung in der gesamten Euro-Zone gebe es noch nicht.

"Aber es ist ja kein Geheimnis, dass wir eher eine Eintrübung der Konjunktur sehen", sagte Nowotny. Unter anderem wegen der mauen Entwicklung des wichtigsten Handelspartners Deutschland hätten sich auch die Wachstumsaussichten für Österreich eingetrübt, sagte Nowotny. Die Nationalbank erwartet für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent und nicht mehr wie zuletzt noch von 1,6 Prozent.

Um die maue Kreditnachfrage und die für den Geschmack der EZB zu niedrige Inflation anzukurbeln, hat die Zentralbank bereits im Juni zwei zusammen 400 Milliarden Euro schwere Geldspritzen für Banken (TLTRO) angekündigt. Die erste davon soll im September fließen. "Wir gehen davon aus, dass das in großem Ausmaß aufgenommen wird. Ich glaube jeder Treasurer einer Bank, der hier nicht zugreift, begeht einen schweren Fehler", sagte Nowotny.

Zudem hatte die Notenbank im Juni die Zinsen auf ein Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und erhebt erstmals einen Strafzins von Banken, die Geld lieber bei ihr parken statt es an Unternehmen als Kredite weiterzureichen.

Das nächste Mal berät die EZB am kommenden Donnerstag über die geldpolitische Lage. EZB-Chef Mario Draghi hatte jüngst beim jährlichen Notenbankertreffen in Jackson Hole erklärt, die Zentralbank werde "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" versuchen, die Teuerung in den Euro-Ländern anzuheizen.

(REU)