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Der Dehoga NRW drängt auf ein verbindliches Konzept, wann Restaurants und Gaststätten wieder starten.

Restaurantöffnungen : NRW-Gastwirte fordern Neustartplan für Anfang 2021

Der Dehoga NRW schlägt Alarm: Für 2021 müsse die Politik ein verbindliches Konzept vorlegen, wann Restaurants/Cafés wieder loslegen. Schon Ende Januar könnte Außengastronomie wieder stattfinden, heißt es. Einem Drittel der Firmen droht das Aus, falls der teilweise Lockout immer weiter geht.

Der Hotel- und Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in NRW (Dehoga NRW) fürchtet den Untergang vieler Tausend der rund 50.000 Gaststätten, Restaurants und  Hotels im bevölkerungsreichsten Bundesland, falls es keine Perspektive für einen baldigen Neustart gibt. Das sagte in Düsseldorf Bernd Niemeier, Präsident des Dehoga NRW. Die Politik müsse für nächstes Jahr „verlässliche und pragmatische Öffnungsbedingungen“ festlegen, damit die Unternehmen ihre Beschäftigten halten können. „Wir wollen frühestmöglich die Bedingungen wissen, wie wir Kneipen, Restaurants und Cafes wieder öffnen können“, sagte er. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, bräuchten die Unternehmen „mindestens zehn Tage“ Vorlauf, um Waren einzukaufen, Mitarbeiter einzuplanen und um die Technik hochzufahren.

 Nicht zu akzeptieren sei dagegen, dass die Unternehmen im Januar oder Februar einige Wochen öffnen dürfen, nur um dann wieder dicht gemacht zu werden. Wir sind keine Licht-an Licht-aus Branche“, sagte er. Damit sich der Betrieb einer Gaststätte oder  eines Hotels lohne, müsse es im Schnitt 33 Tage offen sein, um keine neuen roten Zahlen zu schreiben. Das habe eine Umfrage unter den NRW-Betrieben ergeben.

Rund 75 Prozent der Gastronomen und Hotels würden aktuell ihre Existenz in Gefahr sehen. Er fürchtet für ein Drittel der Betriebe die Pleite, wenn ab 2021 die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz bei einer Schieflage wieder in Kraft tritt.

 Die IHK Düsseldorf unterstützt die Forderung nach Perspektiven. „Die Politik muss sagen, wie es nach dem Anfang des neuen Jahres weitergeht“, sagte ihr Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. Notwendig seien Planungssicherheit und Hoffnung für die Unternehmen, so Berghausen. „Dann wollen die Unternehmen auch anpacken, um ihre Gäste zufrieden zu stellen.“

Auch aus der Landespolitik kommt Zustimmung zu den Anliegen des Dehoga. „Wichtig zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind Planungssicherheit und Optimismus“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) unserer Redaktion. Am Wochenende hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im DLF verkündet, der Lockdown im Gastgewerbe müsse in absehbarer Zeit enden. „Ein Staat kann nicht 15 bis 20 Milliarden Euro jeden Monat neue Schulden aufnehmen, nur um Restaurants und Gastronomie die Schäden zu ersetzen.“

Als Sofortmaßnahme fordert Dehoga-Mann Niemeier, dass die Novemberhilfe sofort ausgezahlt wird und die Dezemberhilfe sehr bald.  Es sei eine „ungeheure Herausforderung“, die Betriebe zu stabilisieren, wenn die Hilfe für November zum großen Teil erst ab 10. Dezember ausgezahlt werde.

Es sei auch eine falsche Annahme, die Firmen würden Gewinne damit machen, wenn ihnen im November und  Dezember der Umsatz zu 75 Prozent des Vorjahres erstattet werde, obwohl keine Materialkosten bezahlt werden müssen. Diese Rechnung seien alleine darum falsch, ergänzt ein Dehoga-Sprecher, weil die Betriebe den ganzen Sommer und Herbst wegen der Pandemie weniger Umsätze gemacht hätten und viel in den Umbau ihrer Häuser zum Infektionsschutz investiert hätten.

 Für den Neustart kann sich Niemeier gut vorstellen, wie im Sommer/Herbst stark auf die Außengastronomie zu setzen. „Wenn Ende Januar die ersten Sonnenstrahlen kommen, könnte dies manche Menschen locken.“ Außerdem sollen technische Nachrüstungen helfen. „Wir wissen um die Chancen, die Luftreinigungsanlagen bieten. Deshalb könnte deren geförderter Einsatz zum Beispiel Clubs bei der Wiedereröffnung helfen.“

 Ausdrücklich unterstützt der Dehoga NRW die Linie der Landespolitik, Übernachtungen in Hotels über Weihnachten zuzulassen. „Diese Entscheidung des Ministerpräsidenten begrüßen wir. Das dient Familienbesuchen. Nemand wird in Köln oder Düsseldorf zwischen den Festtagen ein touristisches Programm absolvieren.“

Er fürchtet, dass gerade die Großstadthotels dauerhaft leiden werden, weil viele Unternehmen an Geschäftsreisen sparen werden. Videokonferenzen würden viele Meetings ersetzen, die Messen würden dauerhaft weniger Besucher haben. Niemeier, Inhaber eines Hotels in Minden, stellte allerdings auch klar, dass nicht alle Herbergen aktuell geschlossen seien, weil Übernachtungen aus dringenden Gründen erlaubt sind.

 Große Sorgen macht sich der Dehoga über die Zukunft der rund 380.000 Beschäftigten. Ohne Verlängerung der Kurzarbeit müssten viele von ihnen entlassen werden, so Niemeier. Gerade die Aushilfskräfte würden leiden. So hätten viele Studenten Schwierigkeiten, ihre Mieten zu zahlen. Niemeier: „Das dicke Ende wird kommen. Viele Betriebe hängen bald das Schild ‚Dauerhaft geschlossen’ aus.“