Krise lässt Anleger derzeit kalt: Dax zeitweise über 7000 Punkten

Krise lässt Anleger derzeit kalt : Dax zeitweise über 7000 Punkten

Die Schuldenkrise hält den Euro-Raum in Atem, die Konjunkturaussichten trüben sich ein - doch die Anleger scheinen die Turbulenzen kaum zu kümmern. Im Gegenteil: Der Dax schafft es kurzzeitig sogar über die Marke von 7000 Punkten.

Allen Krisen zum Trotz: Die Stimmung am Aktienmarkt ist blendend. Am Donnerstag knackte der Dax erstmals seit Anfang April wieder die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten bevor er bis Handelsschluss wieder etwas zurückfiel. Auf den ersten Blick scheint alles gegen steigenden Kurse zu sprechen. Die Euro-Schuldenkrise lodert weiter und die Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt. Doch selbst die eher börsenscheuen deutschen Kleinanleger zieht es zurück an den Aktienmarkt.

Experten sehen für den Kursanstieg vor allem zwei Gründe: Die Geldflut der Notenbanken - Zinsen auf Rekordtief und billiges Geld für Europas Banken in Milliardenhöhe. Hinzu kommt der Mangel an Anlage-Alternativen. Mit deutschen Staatsanleihen, die in Krisenzeiten als sicherer Hafen gelten, lässt sich angesichts niedriger Renditen kaum noch Geld verdienen.

Die Sorge vor einem Ende der Politik des billigen Geldes, die das Börsenbarometer vor etwas mehr als vier Monaten noch unter die 7000er-Marke gedrückt hatte, scheint zudem verflogen. Marktanalyst Christoph Schmidt von der N.M.F. AG verweist darauf, dass der Dax im Grunde in den vergangenen Wochen nur so kräftig zugelegt hat, weil wieder allerorts auf weitere Unterstützung durch die Notenbanken gehofft wird. Zwar bekommen auch deutsche Dax-Schwergewichte wie Siemens oder Daimler inzwischen die Turbulenzen der Euro-Schuldenkrise zu spüren. Doch: "Quartalszahlen hin oder her, alles baut derzeit auf Liquiditätszuschüsse auf", sagt Schmidt.

Selbst die gestiegenen Konjunktursorgen scheinen die Anleger derzeit nicht zu schrecken. Europas Konjunkturlokomotive Deutschland verlor im zweiten Quartal etwas an Schwung und die weiteren Aussichten haben sich eingetrübt. Volkswirte schließen nicht aus, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal stagnieren oder gar schrumpfen könnte.

Doch der Mangel an Anlagealternativen treibt selbst die Kleinanleger zurück an die Börsen. Durchschnittlich 10,2 Millionen Anleger steckten nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im ersten Halbjahr hierzulande direkt und/oder indirekt Geld in Aktien. Das sind 1,9 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen stärkeren Zuwachs hatte es nur im Ausnahmejahr 2000 gegeben. Damals beflügelte der Börsengang der Telekom die Fantasie der Deutschen.

Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sehen angesichts der mageren Ertragsperspektiven bei den gängigen Anlagealternativen mittelfristig daher noch Potenzial für steigende Nachfrage nach Aktien.

In den nächsten Wochen könnten Dax und Co allerdings erst einmal wieder auf Sinkflug gehen. "Nun steht mit dem September der klassische Angstmonat der Aktienanleger vor der Tür", meinen die Helaba-Experten. Sechs der zehn größten Monatsverluste seit der Dax-Einführung 1988 seien in den Zeitraum August und September gefallen.

Größter Unsicherheitsfaktor ist derzeit die Euro-Schuldenkrise. So könnte die bevorstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsfonds ESM und dem Fiskalpakt, Investoren verunsichern.

Gespannt warten die Anleger auch darauf, wann und zu welchen Bedingungen die Europäische Zentralbank (EZB) wieder Staatsanleihen angeschlagener Euroländer kauft und damit die Zinslast der hochverschuldeten Staaten dämpft. Das insbesondere in Deutschland umstrittene Ankaufprogramm der Notenbank ruht seit März.

(dpa)
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