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Danièle Nouy — vor dieser Frau kuschen die Banker

Französin leitet neue EU-Aufsichtsbehörde : Danièle Nouy — vor dieser Frau kuschen die Banker

Die weltweite Finanzkrise soll sich nicht wiederholen. Deshalb bekommen Europas 120 wichtigste Banken ab dem heutigen Dienstag eine neue Aufsicht. Geleitet wird diese von einer Französin: Danièle Nouy. Einfach dürften es die Geldinstitute mit ihr nicht haben. Denn Nouy eilt ein strenger Ruf voraus.

"Die Banker kuschen vor ihr, und das ist in diesen Zeiten eher positiv", zitierte die Pariser Zeitung "Le Monde" einen europäischen Finanzexperten. Und ein französischer Insider sagte dem Blatt: "Sie ist überzeugt von der Notwendigkeit, die Banken zu regulieren — jeder hat Angst vor ihr. Die Rede ist von Danièle Nouy, die seit Anfang des Jahres Chefin der neuen europäischen Bankenaufsicht ist, die am heutigen Dienstag ihre Arbeit aufnimmt. Es ist die Beschreibung einer Frau, die in Zukunft verhindern soll, dass sich die Finanzkrise von 2008 noch einmal wiederholt.

In der EU jedenfalls gibt es kaum Zweifel, dass die Französin bestens geeignet für diese Aufgabe ist. Als überzeugte Europäerin wird sie beschrieben, als charakterstark, streng, anspruchsvoll, wenig nachgiebig, kompetent. Zumal sie Frankreichs Banken auch relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gebracht hat — als französische Bankenaufseherin.

In die Fußstapfen des Vaters getreten

"Das französische Bankensystem ist relativ gut durch die Krise gekommen", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Karel Lannoo vom Zentrum für Europäische Politische Studien in Brüssel. "Es gibt ein paar Menschen, deren Ruf nicht durch die Krise verbrannt wurde, sehr wenige. Gegen Nouy kann man nicht sehr viel sagen, und das ist sehr wichtig." Andere berichten, sie habe bereits lange vor der Pleite von Lehman Brothers vor den Gefahren "exotischer" Anlageprodukte gewarnt.

Die am 30. Juli 1950 geborene Mutter von zwei erwachsenen Töchtern hat Jura studiert und ist mit einem Versicherungsmakler verheiratet. Ihre Karriere aber ist eng mit der Bankenbranche verbunden. 1976 und 1985 arbeitete sie bei der französischen Bankenaufsicht. Dann wechselte sie als Vertreterin der französischen Zentralbank nach New York, ein Jahr später kehrte sie zur Bankenaufsicht nach Frankreich zurück. Auch ihr Vater hatte für die französische Nationalbank gearbeitet.

2003 stieg sie schließlich an die Spitze der Aufsicht auf. Zuvor jedoch machte sie noch fünf Jahre einen abstecher in den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, wo sie als Generalsekretärin tätig war. Von 2006 bis 2008 vertrat sie ihr Heimatland zudem im Europäischen Bankenausschuss der EU.

Streng, aber fair will sie sein

Ihrer Meinung nach, so schreibt die "Zeit", zeichne eine gute Bankenaufsicht durch ausreichend Neugierde aus, um die Chancen neuer Marktentwicklungen und Produkte zu erkennen sowie eine tiefgehende Analyse ihrer Risiken. Sie selbst habe in einem Interview gesagt: "Die strenge Aufsicht in Frankreich ist Folge der sehr ernsten Finanzkrise, die wir in den neunziger Jahren erlebten." Die Kontrolleure seien jedoch "zu pessimistisch, um zu glauben, dass eines Tages nicht doch die Lektionen vergessen werden, die man in einer Krise gelernt hat".

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Und so wie sie die Aufsicht in Frankreich geführt hat, dürfte sie auch die Geschäfte der neuen EU-Bankenaufsicht leiten, die in Frankfurt bei der Europäischen Zentralbank angesiedelt ist. Sie selbst jedenfalls kündigte in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" bereits an, wie sie sich die Arbeit der neuen Aufsichtsbehörde vorstelle: "Ich kann ihnen versprechen, dass unsere Aufsicht streng, aber fair sein wird", so Nouy.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Danièle Nouy – die strenge Oberaufseherin über Europas Banken

(das)