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Corona-Impfstoff: Biontech aus Mainz sorgt für Euphorie an Börsen weltweit

Mainzer Unternehmen : Biontech sorgt mit Corona-Impfstoff für Euphorie an Börse

Mit vielversprechenden Nachrichten zu seinem Impfstoff hat Biontech große Hoffnungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschürt. Die Börse reagierte euphorisch auf die Ankündigung des Mainzer Unternehmens.

Die Aktie des Impfstoffentwicklers Biontech hat nach der Veröffentlichung ermutigender Zwischenergebnisse zu seinem Corona-Impfstoff an der Börse zulegt – um stolze 9,2 Prozent. Das Mainzer Unternehmen hatte am Montag ermutigende mit seinen Studienergebnissen zum Corona-Impfstoff die Börsen weltweit in Euphorie versetzt.

Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer hatten am Montag als erste westliche Hersteller vielversprechende Ergebnisse einer für die Zulassung entscheidenden Impfstoff-Studie veröffentlicht. Ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19, erklärten die beiden Unternehmen. Schwere Nebenwirkungen seien nicht festgestellt worden. Biontech und Pfizer wollen nach eigenen Angaben voraussichtlich schon ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Ein effektiver Corona-Impfstoff in Europa und den USA rückt damit in greifbare Nähe.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte um knapp fünf Prozent. Der deutsche Leitindex landete bei 13.095,97 Punkten. Auch international zeigte sich eine Euphorie an den Börsen: Noch massiver waren die Kursgewinne in Frankreich. Der französische Leitindex CAC 40 kletterte um 7,57 Prozent. An der Londoner Börse stieg der FTSE 100 ebenfalls deutlich. Das Börsenbarometer in Athen verzeichnete sogar einen Zuwachs von 11,46 Prozent.

Die Impfstoff-Meldung schlug sich auch auf die Bewertung von Biontech an der US-Technologiebörse Nasdaq nieder. Die Aktie schoss im vorbörslichen Handel um zeitweise 25 Prozent nach oben. Der Kurs von Pfizer an der Börse in New York lag kurz nach Handelsbeginn mit mehr als acht Prozent im Plus. Im elektronischen Handel hatte der Kurs zwischenzeitlich einen Zuwachs von 17 Prozent verzeichnet. Europaweit und in den USA legten auch die Kurse anderer Pharmakonzerne und von Unternehmen kräftig zu, die von einem schnell verfügbaren Impfstoff profitieren könnten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verlangt, dass die EU so schnell wie möglich einen Vertrag über die Lieferung eines Corona-Impfstoffs mit dem Mainzer Unternehmen Biontech und dem Pharmakonzern Pfizer abschließt. Es gebe bisher einen Vorvertrag, aber keinen Abschluss, kritisierte Spahn am Montagabend im „heute journal“ des ZDF. Auch wenn viele rechtliche Fragen zu klären seien - es gehe auch um Geschwindigkeit. Spahn geht von einer parallelen Beantragung der Zulassung bei FDA und der europäischen Arzneimittelbehörde EMA aus. „Ich möchte vor allem, dass wir in den nächsten Tagen zu einem Abschluss kommen als Europäische Union. Ich könnte es als deutscher Gesundheitsminister jedenfalls schwer erklären, wenn in anderen Regionen der Welt ein in Deutschland produzierter Impfstoff schneller verimpft würde als in Deutschland selbst“, betonte der Minister. Die EU-Kommission verhandelt bereits seit einiger Zeit mit Biontech/Pfizer über einen Rahmenvertrag zur Lieferung des Impfstoffs an alle EU-Staaten.

Für Corona-Impfstoffe gilt wegen der besonderen Dringlichkeit ein beschleunigter Zulassungsprozess. Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Arzneihersteller schon vor dem kompletten Zulassungsantrag einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit eines Präparats einreichen. Ein solches Verfahren hat neben Biontech auch das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca für seinen Impfstoff-Kandidaten gestartet.

Biontech hatte den Impfstoff BNT162b2 im Projekt „Lightspeed“ (Lichtgeschwindigkeit) seit Mitte Januar entwickelt. Die für eine Zulassung entscheidende Phase-3-Studie begann ab Ende Juli in verschiedenen Ländern. Bis Montag haben mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

Biontech und Pfizer rechnen damit, noch in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitzustellen, im kommenden Jahr kalkulieren sie mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen. Die EU-Kommission verhandelt bereits seit einiger Zeit mit Biontech und Pfizer über einen Rahmenvertrag zur Lieferung des Impfstoffs an alle EU-Staaten.

An diesem Dienstag legt Biontech Zahlen zum dritten Quartal vor. Zudem will das Unternehmen um 14 Uhr in einer Telefonkonferenz „Informationen zum operativen Fortschritt“ geben.

(june/mba/dpa/AFP)