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Professorin soll Weder di Mauro nachfolgen: Claudia Buch soll neue "Wirtschaftsweise" werden

Professorin soll Weder di Mauro nachfolgen : Claudia Buch soll neue "Wirtschaftsweise" werden

Einem Medienbericht zufolge soll die Tübinger Professorin Claudia Buch in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung aufrücken.

Buch habe das Rennen um die Nachfolge von Beatrice Weder di Mauro als "Wirtschaftsweise" gemacht, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das Bundeskabinett solle im Laufe des Tages den Personalvorschlag von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) beschließen.

Buch forscht über die Regulierung und Aufsicht von Banken. Die 43-jährige Ökonomin steht bislang dem Wissenschaftlichen Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium vor. Weder di Mauro wechselt in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS. Die gebürtige Schweizerin war die erste Frau unter den fünf "Wirtschaftsweisen". Neben Buch wurde auch die Frankfurter Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln als mögliche Nachfolgerin gehandelt.

Mit Männerdomänen wie dem Rat der Wirtschaftsweisen hat Claudia Buch Erfahrung. Egal wo: Mal ist sie die erste Frau, mal die einzige Frau und mal die jüngste Frau, die sich in der männlichen Welt der Wirtschaftswissenschaftler nach oben gekämpft hat.

Expertin für Banken und Währungen

Mit 45 Jahren zählt die Tübinger Professorin schon zu den angesehensten Experten für Banken und Währungen und blickt auf eine Karriere in der Politikberatung zurück. Längst nicht immer war sie den Mächtigen dabei eine angenehme Beraterin. Denn wenn es um die Bankenaufsicht und die europäische Schuldenkrise geht, hat Claudia Buch ihre ganz eigenen Vorstellungen.

Die Berufung in den fünfköpfigen Sachverständigenrat der Bundesregierung stellt den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere da. Die als zurückhaltend geltende Wissenschaftlerin ist dort wieder einmal die einzige Frau - und nach ihrer Vorgängerin Beatrice Weder di Mauro die zweite Frau überhaupt, die es in der fast 50-jährigen Geschichte in das Gremium geschafft hat.

Buch studierte von 1985 bis 1991 in Bonn und im US-Bundesstaat Wisconsin Wirtschaftswissenschaften, spezialisierte sich auf die Volkswirtschaft. Nach dem Studium wechselte sie ans Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, promovierte, habilitierte und wurde dort 2001 zur Leiterin des Forschungsbereichs Finanzmärkte.

Nach zahlreichen Stationen als Gastforscherin kam sie 2004 mit 37 Jahren als Professorin für Wirtschaftstheorie mit Schwerpunkt Geld und Währung nach Tübingen. Ein Jahr später wurde sie parallel Direktorin des Instituts für Angewandte Wirtschaftswissenschaften (IAW), das häufig im Auftrag von Landes- und Bundesregierung Studien vor allem zur Arbeitsmarktpolitik erstellt. Am Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist sie Forschungsprofessorin.

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Auch in die Politikberatung stieg sie früh ein: Vor acht Jahren wurde sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium, 2008 stieg sie dort zur Vorsitzenden auf. Zuletzt war sie außerdem Mitglied eines Expertengremiums, das für die Bundesregierung Ausstiegsszenarien aus teilverstaatlichten Banken wie der Commerzbank entwickelt hat.

Unbequeme Ratgeberin

Dabei äußerte Buch immer wieder Kritik am Kurs, den die Bundesregierung in der europäischen Schuldenkrise eingeschlagen hatte. Wenn die Politik weitere Krisen verhindern wolle, müsse sie die Gläubiger stärker in die Pflicht nehmen, forderte sie. Wenn die europäischen Staaten wie in Fall Griechenlands immer wieder mit Finanzhilfen einsprängen, würden die Gläubiger zulasten der Steuerzahler aus ihrer Verantwortung entlassen, kritisierte sie im Juni 2011 in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung".

Seit Jahren ermahnt sie die Bundesregierung außerdem, die Regulierung der Banken zu verschärfen. Vor allem eine deutlich höhere Eigenkapitalquote hält sie für zwingend nötig. Bislang ist sie mit diesen Forderungen vor allem in Fachkreisen wahrgenommen worden. Doch mit ihrer Berufung zur Wirtschaftsweisen werden ihre Ratschläge nun auch in der breiten Öffentlichkeit mehr Beachtung finden. Bequem wird es die Bundesregierung mit ihrer neuen Wirtschaftsweisen nicht haben.

(AFP)