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Chef-Aufseher zockte mit Wirecard-Aktien

Finanzskandal : Chef-Aufseher zockte mit Wirecard-Aktien

Die Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas und die Finanzaufsicht Bafin geraten ins Visier des Bundestags-Untersuchungsausschusses. Die Bafin trennte sich bereits von einem Mitarbeiter. Die Zahl der Geschäfte mit Wirecard-Papieren war größer als bislang bekannt, viele wurden verspätet gemeldet, wie ein Regierungspapier zeigt.

Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose, hat während der Ermittlungen seiner Behörde im Wirecard-Skandal mit Aktien des Unternehmens gehandelt. Das räumte er in der Nacht zum Freitag im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags ein. Nun gerät nicht nur Bose, sondern auch der für die Apas zuständige Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) unter Druck: Er müsse Bose entlassen, forderten Ausschussmitglieder. Altmaier selbst zeigte sich am Freitag „befremdet“ über die Aktienkäufe. Der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz kündigte eine Strafanzeige gegen Bose wegen des Verdachts auf Insiderhandel an.

Die Apas beaufsichtigte die Bilanzprüfer Ernst & Young (EY), die die Wirecard-Bilanzen bis 2018 durchgewunken hatten. Das ehemalige Dax-Unternehmen hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet, nachdem Luftbuchungen in der Bilanz von 1,9 Milliarden Euro bekannt geworden waren. Die Unregelmäßigkeiten begannen spätestens 2015. Der Gesamtschaden dürfte nach späteren Erkenntnissen mittlerweile bei rund drei Milliarden Euro liegen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts des Bandenbetrugs. Der Hauptverdächtige, der ehemalige Finanzvorstand Jan Marsalek, ist weiter flüchtig.

Der Chef der Apas hatte im Ausschuss ausgesagt, er habe die Aktien am 28. April 2020 gekauft und am 20. Mai wieder verkauft. Am Tag des Kaufs war der Börsenkurs von Wirecard abgestürzt, nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in einem Sonderbericht aufgedeckt hatte, dass es keine Nachweise zur Existenz von angeblichen Kundenbeziehungen und daraus erzielten Umsätzen des aufstrebenden Tech-Konzerns gab. Er habe trotzdem an das Geschäftsmodell des aufstrebenden Fin-Techs geglaubt, sagte der Behördenleiter nach Angaben von Teilnehmern im Ausschuss. Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Behörde bereits Vorermittlungen gegen die Wirecard-Wirtschaftsprüfer von EY eingeleitet. Als der Behördenleiter seine Aktien am 20. Mai mit Verlusten wieder verkaufte, lief ein förmliches Berufsaufsichtsverfahren seiner Behörde gegen die Wirtschaftsprüfer. Ob der Verkauf mit diesem Verfahren zusammenhing, blieb zunächst offen.

 Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat sich unterdessen von einem Mitarbeiter getrennt, der eigene Geschäfte mit Wirecard-Aktien miterheblicher Verspätung gemeldet hatte. „Durch vier Beschäftigte der BaFin erfolgte die Anzeige aus nicht nachvollziehbaren Gründen verspätet. In einem Fall wurde das Dienstverhältnis zum 30. November 2020 beendet“, heißt es in der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine kleine Anfrage der FDP. Demnach entfielen auf einen einzigen Bafin-Mitarbeiter 45 zu spät gemeldete Wirecard-Finanzgeschäfte im Jahr 2020.  Sie wurden teils über ein halbes Jahr zu spät gemeldet. Sieben nicht gemeldete Geschäfte wurden allein am 18. Juni 2020 getätigt, an dem die Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro bekannt geworden sind. 

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Von den bisher knapp 500 angezeigten privaten Finanzgeschäften von Bafin-Mitarbeitern entfielen der Antwort zufolge 270 auf das Jahr 2020 und davon 106 auf den Juni 2020. Allein 34 Geschäfte machten Bafin-Mitarbeiter am 18. Juni, so die Antwort. Bisher bekannt waren dagegen nur vier Geschäfte an diesem Tag.  „Der Umfang der Zockerei mit Wirecard-Aktien und Derivaten ist viel größer als angenommen. Bafin-Präsident Hufeld hat bisher alles verharmlost. Die BaFin muss verlorengegangenes Vertrauen zurück gewinnen. Das geht nicht mit der jetzigen Führung“, sagte FDP-Politiker Frank Schäffler.