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Cash oder Karte? Bedeutung von Bargeld nimmt ab

Bargeld wird unwichtiger – aber bleibt : Cash oder Karte?

Kontaktlos per Girokarte oder Onlinebanking statt Bargeld – diese Tendenz setzt sich fort. Das ist das Ergebnis ­einer Studie der Bundesbank. Allerdings bleiben Münzen und Scheine das liebste Zahlungsmittel der Deutschen.

Hand aufs Herz – beziehungsweise aufs Revers mit der Brieftasche: Wie haben Sie Ihren letzten Einkauf bezahlt? Am Computer, mit dem Handy oder mit der guten alten Geldbörse an der Ladenkasse? Gleich vorweg: Sollte Letzteres der Fall sein, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denn Bargeld ist immer noch die beliebteste Art des Bezahlens in Deutschland. Wer Karte und Münze zückt, gehört also nicht zum alten Eisen. „Man gehört vor allem zum ‚reichen‘ Eisen, wenn man mit Bargeld bezahlt“, sagte der für Bargeld zuständige Bundesbankvorstand Johannes Beermann: „Unsere Studien zeigen: Je mehr verfügbares Monatseinkommen da ist, desto mehr ist tatsächlich auch im einzelnen Portemonnaie drin.“ Sprich: Wer mehr auf dem Konto oder der hohen Kante hat, der trägt auch mehr Bargeld mit sich herum.

Ihre Studie hat die Bundesbank im Herbst 2021 durchgeführt. Befragt hat sie dazu knapp 5900 Personen. Die Daten sind zum einen das Ergebnis von Interviews. Zum anderen gehen sie auch auf Auswertungen von Tagebüchern zurück, in denen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ihre Ausgaben während des Untersuchungszeitraumes notiert hatten. Demnach wird die Mehrheit aller Transaktionen auch weiterhin noch über Bargeld abgewickelt. Allerdings schrumpft die Anzahl dieser Transaktionen.

So hat das bargeldlose Bezahlen vor allem durch die Pandemie einen deutlichen Schub bekommen, weil dadurch viele Menschen auf den Geschmack gekommen sind, Waren im Internet zu bestellen. „Wir können einen Trend erkennen, der weg von Barzahlungen geht. Unbares Zahlen mit Karte oder mit Smartphone wird auch in Deutschland immer beliebter“, so Burkhard Balz, im Bundesbank-Vorstand zuständig für Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme. Konkret heißt das: Zahlten bei der vorigen großen Erhebung der Bundesbank die Menschen in fast drei Viertel aller Fälle bar, sind es vier Jahre später nur noch knapp 58 Prozent. Gemessen am Umsatz der Bezahlungen ist die Verschiebung noch deutlicher zu erkennen. Denn hier liegen die Summen der Bargeldzahlungen und die der Bezahlungen per Girokarte mit rund 30 Prozent mittlerweile gleichauf. „In Deutschland haben wir den klassischen Platzhirschen mit der Girokarte. Hier sind in den letzten Jahren die Nutzerzahlen immer weiter in die Höhe gegangen“, sagt Balz. Die Girokarte habe sich als unbares Zahlungsmittel etabliert.

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Über zwei Drittel der Umsätze bei Geldtransaktionen laufen mittlerweile bargeldlos ab. Dabei spielen neue Formen des Bezahlens per Handy oder der smarten digitalen Armbanduhr zwar noch eine Nebenrolle, doch nehmen die Transaktionen über die smarten Alltagsbegleiter zu. Burkhard Balz sagt: „Hier ist, glaube ich, schon ein erster Trend zu erkennen. Die Nutzerzahlen nehmen klar zu. Meine Prognose ist, dass sich das auch noch weiter verstärken wird.“ Der Studie zufolge zahlen bereits 17 Prozent der Smartphone-Besitzer mit ihrem Handy; auch mit anderen tragbaren technischen Hilfsmitteln wie Uhren oder Fitnessarmbändern werde öfter bezahlt. Eine deutliche Steigerung bei der Nachfrage nach Bargeld spüren die Bundesbank und ihre Geschäftsstellen auch seit dem zeitweisen Ausfall vieler Karten-Bezahlterminals im Einzelhandel vor ein paar Wochen. Man befinde sich mit der Kreditwirtschaft im Austausch, um die Ursache der Probleme zu klären, um solche Ausfälle in Zukunft zu vermeiden.