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Bundesregierung prognostiziert Einbruch um 6,3 Prozent bei Bruttoinlandsprodukt

Deutsche Wirtschaft : Bundesregierung rechnet mit Einbruch um 6,3 Prozent

Die Regierung hat am Mittwoch ihre Prognosen bezüglich der wirtschaftlichen Schäden durch die Pandemie konkretisiert. Sie rechnet mit rund 370.000 wegfallenden Jobs und einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 6,3 Prozent.

Die Bundesregierung erwartet wegen der Corona-Krise eine höhere Arbeitslosigkeit in Deutschland. „Der Arbeitsmarkt gerät stark unter Druck“, heißt es in der Frühjahrsprojektion, die am Mittwoch von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vorgestellt wurde. Demnach dürfte im laufenden Jahr die Erwerbstätigkeit um 370.000 Personen zurückgehen. Besonders betroffen seien das Gastgewerbe, der Handel sowie die Unternehmensdienstleistungen.

Die Kurzarbeit werde im März und April in einem noch nie dagewesenen Ausmaß steigen und viele Entlassungen verhindern, heißt es. Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt auf 5,8 Prozent wachsen. Im März lag die Quote bei 5,1 Prozent.

Infolge der Corona-Krise stürzt Deutschland laut Prognose in eine schwere Rezession. Die Bundesregierung rechnet für das Jahr 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent. Für das Jahr 2021 wird im Zuge eines Aufholprozesses ein Zuwachs in Höhe von 5,2 Prozent erwartet.

Altmaier erklärte, Ziel müsse es sein, die Substanz der Wirtschaft zu erhalten und Unternehmen und Beschäftigte durch die Krise zu begleiten. Die Schutzstrategie müsse nun intelligent weiterentwickelt werden. Dabei dürfe nicht überstürzt ein zweiter hoher Anstieg der Infektionszahlen riskiert werden. „Denn nur wenn wir das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben mit Augenmaß hochfahren, können wir bereits in der zweiten Jahreshälfte wieder eine langsame Erholung starten.“

Der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung komme wegen der massiven Beschränkungen im Kampf gegen das Virus laut Projektion im Lauf des zweiten Quartals dieses Jahres. Danach rechnet die Bundesregierung mit einer Belebung der Wirtschaft.

Derweil drückt günstige Energie die deutsche Inflation in der Corona-Krise auf den tiefsten Stand seit November 2016. Die Teuerungsrate fiel im April auf 0,8 Prozent, nach 1,4 Prozent im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Ökonomen hatten sogar einen Rückgang auf 0,6 Prozent erwartet. Die Europäische Zentralbank sieht einen Wert von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunktur an, verfehlt dieses Ziel aber für den Euro-Raum schon seit Jahren.

Die wirtschaftlichen Turbulenzen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben den Ölpreis drastisch gedrückt. Dadurch verbilligte sich Energie um 5,8 Prozent zum April 2019. Nahrungsmittel verteuerten sich hingegen weit überdurchschnittlich um 4,8 Prozent. Dienstleistungen kosteten 1,3 Prozent mehr, wobei die Wohnungsmieten um 1,4 Prozent anzogen. Die Bundesregierung geht in ihrer neuen Konjunkturprognose davon aus, dass die Inflation im laufenden Jahr auf 0,5 Prozent einbricht, nach 1,4 Prozent 2019.

"Die aktuelle Corona-Krise führte im April 2020 zu Schwierigkeiten bei der Preiserhebung, da einige Güter am Markt nicht verfügbar waren und es zum Teil Schwierigkeiten bei der Vor-Ort-Erhebung gab", erklärten die Statistiker.

(felt/dpa)