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Weidmann in der Akademie der Wissenschaften: Bundesbank warnt vor Bankenunion

Weidmann in der Akademie der Wissenschaften : Bundesbank warnt vor Bankenunion

Den Namen seines größten Widersachers nahm Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nicht in den Mund, als er am Montag die Akademie der Wissenschaften besuchte. Und doch übte er deutliche Kritik an Mario Draghi, dem Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB): "Wer in einer Krise die kurzfristige Beruhigung der Finanzmärkte zur Maxime erhebt ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen, dem wird es nicht gelingen, Stabilität herzustellen."

Weidmann hatte vor kurzem als einziger Vertreter im EZB-Rat gegen Draghis Plan gestimmt, wonach die EZB durch den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen den Euro retten soll. Daraufhin hatte Draghi in Anspielung auf Weidmann öffentlich erklärt, man dürfe nicht nein zu allem sagen. Diesen Ball nahm Weidmann gestern auf: Natürlich müsse man in einer fundamentalen Krise auch Neuland betreten.

"Aber es ist nicht hilfreich, Entscheidungen zu treffen, die Sanktionen (von Schuldenstaaten) durch die Finanzmärkte verhindern." Zu solchen Sanktionen zählen hohe Zinsen, die Investoren von hoch verschuldeten Staaten als Ausgleich für das hohe Ausfallrisiko verlangen. Draghi will diese Zinsen durch den Kauf von Staatsanleihen künstlich drücken.

Elegant übte der Bundesbank-Präsident auch Kritik an dem lautesten Gegner der Euro-Rettung, an Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Die Debatte um Ungleichgewichte zwischen den Notenbanken (so genannte "Target-Salden") nannte Weidmann "etwas aufgeregt" und am eigentlichen Problem vorbei. Auch ohne die Ungleichgewichte hätte die Währungsunion beim Austritt eines Staates ein Problem.

Kritisch äußerte sich Weidmann auch zu der von der EU-Kommission geplanten Bankenunion, bei der die EZB alle Banken und Sparkassen in der Eurozone kontrollieren soll. "Das ist kaum möglich", sagte Weidmann. Zudem müsse man aufpassen, "dass wir nicht die Vergemeinschaftung von Schulden durch die Hintertür einführen." Denn Bankenunion bedeutet, dass bei der Pleite einer griechischen Bank auch deutsche Sparer haften.

Zur Lösung der Krise sieht der 44-Jährige nur zwei Wege: Entweder entwickele sich die Eurozone zur politischen Union weiter, in der die Staaten Souveränität an Brüssel abgeben, was aber unwahrscheinlich sei. Oder die Währungsunion gebe sich neue Regeln und halte sich vor allem daran.

Für Weidmann ist ein Auftritt in NRW stets ein Heimspiel. Er wurde in Solingen geboren und hatte in Bonn promoviert. Neben seinem Doktorvater Manfred Neumann und Akademie-Präsident Hanns Hatt zählten gestern zu seinen Zuhörern Henkel-Aufsichtsrats-Chefin Simone Bagel-Trah, Ex-Henkel-Chef Ulrich Lehner, Arag-Chef Paul-Otto Faßbender und Ex-Eon-Chef Ulrich Hartmann.

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(sap)