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Bundesbank-Bericht: Deutsche Wirtschaft wächst im zweiten Quartal kräftig

Monatsbericht der Bundesbank : Deutsche Wirtschaft wächst im zweiten Quartal kräftig

Im Corona-Krisenjahr 2020 haben die Menschen in Deutschland gespart wie die Weltmeister – zum großen Teil notgedrungen. Es ist also einiges an Konsum nachzuholen. Der deutschen Konjunktur tut das gut.

Sinkende Corona-Infektionen und Fortschritte beim Impfen schieben die Konjunktur nach Ansicht der Bundesbank derzeit spürbar an. „Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im Frühjahr 2021 nach dem Rückschlag im ersten Quartal wieder kräftig steigen“, erklärte die Notenbank am Montag in ihrem Monatsbericht. Von Lockerungen des Lockdowns profitierten vor allem Dienstleister wie Gastwirte und Einzelhändler.

Allerdings bremsten Lieferengpässe – etwa bei Vorprodukten wie Halbleitern – wie schon im ersten Quartal die Produktion insbesondere in der Autoindustrie. Auch der Bau leide unter knappem Material bei Holz, Stahl und Dämmstoffen. Dennoch dürften sich die Belastungen durch die Lieferengpässe für die Industrie in Grenzen halten, schrieben die Bundesbank-Experten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war Anfang 2021 im Lockdown noch um 1,8 Prozent geschrumpft. Die Bundesbank hatte vor knapp zwei Wochen ihre Konjunkturprognose vorgelegt und traut der Wirtschaft einen „starken Aufschwung“ zu. Die Notenbank erwartet in diesem Jahr einen kalenderbereinigten BIP-Anstieg um 3,7 Prozent, der sich 2022 auf 5,2 Prozent beschleunigen dürfte. Im laufenden Jahr dürfte die Inflation kräftig auf 2,6 Prozent klettern, nach 0,4 Prozent 2020. Demnach könnte die für europäische Vergleichszwecke berechnete Inflationsrate HVPI zum Jahresende vorübergehend vier Prozent erreichen.

Der von der Pandemie ausgebremste private Konsum dürfte nach Einschätzung der Bundesbank nun zu einem kräftigen Treiber für den Wirtschaftsaufschwung werden. „Im laufenden Sommerhalbjahr sollte sich der private Konsum schnell erholen“, erklärt die Notenbank in ihrem Juni-Bericht.

Im Krisenjahr 2020 hielten viele Menschen ihr Geld zusammen, Schließungen im Einzelhandel und Reisebeschränkungen bremsten den Konsum zudem. Die Sparquote in Deutschland stieg nach neuester Berechnung des Statistischen Bundesamtes auf das Rekordhoch von 16,2 Prozent. Heißt: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die Haushalte im Schnitt gut 16 Euro auf die hohe Kante.

In einer Umfrage der Bundesbank im März dieses Jahres gab die Hälfte der 2402 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, in den vorangegangenen zwölf Monaten am Monatsende im Durchschnitt mehr Geld übrig gehabt zu haben als vor der Pandemie. Viele Volkswirte rechnen damit, dass Verbraucher in den kommenden Monaten zumindest einen Teil aufgeschobener Anschaffungen, Reisen und Unternehmungen nachholen werden – und damit die Konjunktur anschieben.

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Die Bundesbank führt aus, es werde angenommen, dass vor allem in diesem und im nächsten Jahr „etwa ein Viertel der Ersparnisse, die während der Pandemie unfreiwillig gebildet wurden, (...) für zusätzliche Konsumausgaben verwendet wird“. Langfristig dürfte die Sparquote in Deutschland somit „wieder ein ähnliches Niveau erreichen wie vor der Pandemie“. 2019 betrug die Quote 10,9 Prozent.

(c-st/Reuters/dpa)