Verbot erwartet: Brüssel entscheidet über Börsenfusion

Verbot erwartet : Brüssel entscheidet über Börsenfusion

Tag der Wahrheit für die Deutsche Börse: Die Europäische Kommission will am Mittwoch über die geplante Fusion mit der New Yorker Nyse entscheiden. Es wird erwartet, dass die Wettbewerbshüter den Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber verbieten.

Der EU ist vor allem die dominante Stellung der Unternehmen im Derivate-Geschäft an europäischen Börsen ein Dorn im Auge. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hat in der Kommission EU-Kreisen zufolge breite Unterstützung für seine Empfehlung, die Fusion zu untersagen.

Beide Unternehmen hatten den neun Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss vor einem Jahr angekündigt und bis zuletzt für die Super-Börse geworben. Sie wollen mit der Fusion zum weltgrößten Börsenbetreiber einen neuen "Champion" schaffen, der es mit Konkurrenten aus Amerika und Asien aufnehmen kann. Viele Mitarbeiter und Politiker in Frankfurt fürchten allerdings, dass es nach einem Zusammenschluss zu einem Ausverkauf des Finanzplatzes Frankfurt kommen könnte.

Fusionen müssen von der EU-Kommission genehmigt werden, um sicherzustellen, dass der Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt durch einen Firmen-Zusammenschluss nicht zum Nachteil der Kunden beeinträchtigt wird. Die EU-Behörde sagt sehr selten Nein. Seit Beginn der EU-Fusionskontolle vor 22 Jahren hat sie über fast 4900 Fälle entschieden und nur 21 mal ein Verbot ausgesprochen.

Unter den Börsen häuften sich dagegen zuletzt die gescheiterten Hochzeiten - binnen eines Jahres wäre die deutsch-amerikanische schon die dritte geplatzte Börsenfusion. Zuvor hatten bereits die Nasdaq und IntercontinentalExchange vergeblich versucht, sich die NYSE Euronext einzuverleiben. Auch aus der Toronto Stock Exchange TMX Group und der Börse in Singapur wurde kein Paar.

Für Börsenchef Reto Francioni wäre es die dritte gescheiterte Fusion in den letzten fünf Jahren. Sein Konzern müsste sich damit auf absehbare Zeit alleine im weltweiten Wettbewerb behaupten. Andere große Transaktionen und eine grundlegende Konsolidierung der Börsenlandschaft, wie sie von vielen Branchenvertretern Anfang 2011 ausgerufen wurde, wird es dann nach Ansicht von Experten vorerst nicht geben.

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(REU)
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