Auftragsbücher leeren sich: Britische Industrie verliert wegen Brexit Aufträge

Auftragsbücher leeren sich : Britische Industrie verliert wegen Brexit Aufträge

Der nahende Brexit macht sich bemerkbar: Die Auftragsbücher der britischen Industrie haben sich im September angesichts einer schwächeren Auslandsnachfrage geleert. Derweil will sich die Opposition in London nicht auf ein neues Referendum festlegen.

Das entsprechende Barometer fiel auf minus einen Zähler von plus sieben Punkten im Vormonat, wie der Branchenverband CBI am Montag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Es verharrt damit zwar über seinem langfristigen Durchschnittswert, liegt aber auf dem schwächsten Niveau seit vier Monaten. Dabei fielen die Exportaufträge so schwach aus wie seit fast einem Jahr nicht mehr. "Während die Auftragslage weiter gut ist und die Produktion immer noch zunimmt, werden die Aussichten durch die Ungewissheit über den Brexit getrübt", sagte CBI-Expertin Anna Leach.

Großbritannien tritt im März 2019 aus der Europäischen Union aus. Premierministerin Theresa May ist mit ihrem Austrittsplan, den sie nach harten parteiinternen Kämpfen im Juli mit ihrem Kabinett vereinbart hatte, bei den Staats- und Regierungschefs der EU aber auf geschlossene Ablehnung gestoßen. Sie will nach dem Brexit eine Freihandelszone mit der EU für Waren und Agrarprodukte, nicht aber für Dienstleistungen und den freien Personenverkehr. Die EU lehnt dies als Rosinenpickerei ab.

Labour will sich nicht auf zweites Referendum festlegen

Die Führung der oppositionellen Labour-Partei in Großbritannien will sich nicht auf ein zweites Brexit-Referendum festlegen. Angesichts des innerparteilichen Streits über dieses Thema legte die Parteispitze am Montag einen Kompromissvorschlag vor, der in erster Linie auf rasche Neuwahlen setzt. Ein weiteres Referendum, wie es viele proeuropäische Parteimitglieder fordern, wird darin nur als eine von mehreren denkbaren Optionen genannt. Der Parteitag soll am Dienstag über den Antrag abstimmen.

Ein Verbleib Großbritanniens in der EU sollte selbst nicht zur Abstimmung gestellt werden, falls es doch noch zu einem Referendum kommt, sagte Labour-Spitzenpolitiker John McDonnell der BBC. Eine Volksabstimmung sollte sich lediglich um die Frage drehen, ob das noch von der Regierung mit der EU auszuhandelnde Abkommen angenommen wird oder ob es Nachverhandlungen für ein verbessertes Abkommen geben solle.

"Falls das Parlament das Abkommen zurückweist, sollten Wahlen anberaumt werden", sagte ein Parteisprecher der Nachrichtenagentur AFP. "Sollte es keine Wahlen geben, wird Labour alle verbleibenden Optionen unterstützen, darin eingeschlossen das Werben für ein neues Referendum."

McDonnell argumentierte, dass Neuwahlen zum Unterhaus einem "veritablem Referendum" zu den Bedingungen des EU-Austritts gleichkämen. Das Votum der Wähler vom Juni 2016 für einen EU-Austritt müsse grundsätzlich aber "respektiert" werden.

Labour-Chef Jeremy Corbyn lehnt ein Referendum über das Brexit-Abkommen bislang ab.

Allerdings gibt es in der Partei eine starke proeuropäische Strömung, die ein solches Referendum anstrebt. Beobachter gingen davon aus, dass es auf dem Parteitag eine Mehrheit dafür geben könnte. Am Sonntag hatten sich rund 5000 Demonstranten vor dem Parteitagsgelände für ein Referendum ausgesprochen. Mit dem Kompromissantrag hofft die Parteiführung auf eine Entschärfung des Streits.

Angesichts der Turbulenzen in der konservativen Regierung von Premierministerin Theresa May erhofft sich Labour einen Sieg bei Neuwahlen. Es ist völlig offen, ob May im Parlament eine Mehrheit für ein Austrittsabkommen finden würde. Das Regierungslager hat im Unterhaus nur eine hauchdünne Mehrheit. Viele konservative Abgeordnete lehnen Mays Plan für den Austritt und die künftigen Beziehungen zur EU vehement ab.

(csr/Reuters/AFP)
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