"Gelduntergang" will Krise erklären: Autoren warnen vor Geldflut

"Gelduntergang" will Krise erklären : Autoren warnen vor Geldflut

Ein mutiges, nachdenkenswertes Buch macht dieser Tage die Runde im politischen Berlin. Die beiden Autoren, die frühere Impulse-Chefredakteurin Ursula Weidenfeld und der Spiegel-Wirtschaftschef Michael Sauga, unternehmen darin den höchst ambitionierten Versuch, die gegenwärtige Finanz- und Schuldenkrise zu erklären und aus dem Versagen von Politik und Finanzwirtschaft Handlungsempfehlungen abzuleiten.

"Gelduntergang" heißt der etwas reißerische Titel und darunter steht drohend: "Wie Banken und Politik unsere Zukunft verspielen." Doch wer jetzt den Rundumschlag gegen unfähige Politiker und gierige Banker erwartet, wird angenehm enttäuscht. Weidenfeld und Sauga beschreiben vielmehr in nüchterner, aber glasklarer Sprache, wie eine expansive Geldpolitik, die auf das Allheilmittel niedriger Zinsen setzt, und eine unheilige Allianz zwischen Wall Street und US-Regierung eine der größten Wirtschaftskrisen in der Nachkriegszeit auslösten.

Parforce-Ritt durch Finanz- und Wirtschaftsgeschichte

Die beiden Autoren zeigen sich stets auf der Höhe der ökonomischen Diskussion. Sie schreiben aber auch für ein breites Publikum, das sie mit ihrem Parforce-Ritt durch etliche Jahrzehnte Finanz- und Wirtschaftsgeschichte in Atem halten. Das Buch enthält auch viele originelle Ansätze, etwa wenn Weidenfeld/Sauga zum bekannten Phänomen des Turbo-Kapitalismus den Turbo-Keynesianismus hinzusetzen, die beide zusammen erst jenes explosive Gemisch für die Weltfinanzmärkte hervorbrachten.

Im Grund machen sie die bedenkenlose Deregulierung und die Niedrigzins-Politik vor allem der US-Notenbank unter der Führung ihres früheren Chefs Alan Greenspan für das Desaster verantwortlich. Jetzt droht Mario Draghi, der neue Chef der Europäischen Zentralbank, mit dem Ankauf von maroden Staatsanleihen und der Flutung der Finanzmärkte diesen Fehler zu wiederholen.

Ihre bestechende Argumentation dürfte sowohl dem vorgebildeten wie auch dem unbefangenen Leser einleuchten. Indes ist vor mono-kausalen Begründungen zu warnen. Sicher spielte die lockere Geldpolitik eine große Rolle bei der Bildung der Spekulationsblasen. Aber die gewaltigen Umbrüche im Zeitalter der Globalisierung, die Revolutionierung der Informationswirtschaft und die Schnelligkeit der Kapitalströme haben ebenfalls zur neuen Unübersichtlichkeit beigetragen. Dieser Trend ist in seiner Tragweite noch immer nicht richtig erforscht worden. Dass die Autoren das auslassen, ist angesichts der Komplexität des Themas verständlich. Die Krise allein auf die Geldpolitik zurückzuführen, erscheint dennoch etwas zu simpel.

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(RP/felt)