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Börse: Aktien fallen wegen Sorgen um Syrien-Konflikt

Börse : Aktien fallen wegen Sorgen um Syrien-Konflikt

Sorgen um eine Eskalation des Syrien-Konflikts und durchwachsene Konjunkturdaten haben den deutschen Aktienmarkt am Freitag belastet. Der Dax schloss 1,12 Prozent tiefer bei 8103 Punkten.

Auf Wochensicht büßte der deutsche Leitindex damit 3,73 Prozent ein, im August ging es um 2,09 Prozent nach unten. Der MDax fiel am Freitag um 0,43 Prozent auf 14 386,16 Punkte und der TecDax büßte 0,62 Prozent auf 1019,84 Punkte ein.

Wegen des verlängerten Börsen-Wochenendes in den USA hätten die Anleger angesichts der Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Syrien-Konflikts Vorsicht walten lassen, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets. Von der Konjunkturseite kamen durchwachsene Nachrichten. So stieg die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone auf ein Zweijahreshoch und in den USA trübte sich das Wirtschaftsvertrauen im August weniger stark ein als zunächst ermittelt. Indes verharrte die Arbeitslosigkeit in der Eurozone auf einem Rekordhoch und in Deutschland sanken die Einzelhandelsumsätze überraschend.

An der Dax-Spitze verteuerten sich die Aktien von Lanxess um rund ein Prozent. Hier sorgte ein "Handelsblatt"-Bericht für gute Stimmung. Diesem zufolge stellt der Chemiekonzern seine Strategie auf den Prüfstand, um eventuell die Kapazitäten und Investitionspläne der derzeitigen Marktentwicklung anzupassen.

Commerzbank-Titel setzten ihre jüngste Erholung fort und kletterten ein halbes Prozent nach oben. Der frühere Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter, hält die staatlich gestützte Bank für ein attraktives Übernahmeziel. Mit Blick auf die immer wieder aufflammenden Übernahmespekulationen komme dem Interview zwar keine große Bedeutung zu, sagte ein Händler. Allerdings stütze es den zuletzt positiven Trend der Papiere. Die Papiere des Chip-Herstellers Infineon sowie die Titel der Deutschen Bank profitierten von positiven Analystenkommentaren. Sie verteuerten sich um 0,42 Prozent beziehungsweise 0,71 Prozent.

Als Schlusslicht im deutschen Leitindex büßten die Papiere der Lufthansa fast zwei Prozent ein. Seit ihrem Hoch Anfang Juni haben die Papiere der Fluggesellschaft nun mehr als 20 Prozent verloren.

Auch an den anderen wichtigen Börsen in Europa ging es nach unten. Der EuroStoxx 50 schloss 1,34 Prozent niedriger bei 2721,37 Punkten. Der Pariser Cac 40 und der Londoner FTSE 100 fielen ebenfalls deutlich. In den USA stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss rund 0,30 Prozent tiefer.

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Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,55 Prozent am Vortag auf 1,52 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,13 Prozent auf 132,71 Punkte. Der Bund Future aber verlor 0,04 Prozent auf 140,62 Punkte. Der Kurs des Euro sank auf 1,3196 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,3235 (Donnerstag: 1,3266) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7556 (0,7538) Euro.

Ausblick

Die drohende Eskalation des Konflikts in Syrien dürfte den deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche in Atem halten. "In den kommenden Tagen sollten angesichts der kritischen Nahost-Gemengelage Korrekturbewegungen kaum überraschen", schrieb Investmentanalyst Thomas Hollenbach von der Landesbank Baden-Württemberg in einem Marktkommentar. Für neue Engagements in Aktien bestehe mit Blick auf den historisch ohnehin eher schwächeren September keine Eile.

Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research sieht den Dax weiterhin "dreifachem Gegenwind" ausgesetzt. Neben der Syrien-Krise verwies er auf die wirtschaftlichen Probleme der Schwellenländer, die nicht über Nacht verschwinden würden. Die Aussicht auf den Anfang vom Ende des Billiggelds in den USA bringt die aufstrebenden Volkswirtschaften derzeit kräftig unter Druck. Die indische Rupie war zuletzt regelrecht abgestürzt, Thailand rutscht in die Rezession und ein rekordtiefes Loch in Indonesiens Leistungsbilanz macht Anleger nervös. Über allem schwebt die Sorge über eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft.

Neben diesen fundamentalen Faktoren spreche als dritter Belastungsfaktor die Saisonalität am Aktienmarkt für weitere turbulente Tage, so Experte Saurenz. Positive Signale gebe es in Europa zwar auf der Konjunkturseite, etwa in Spanien, wo die Rezession im dritten Quartal überwunden scheine. Trotzdem sei die Angst in den Markt zurückgekehrt.

Hier geht es zur Infostrecke: Glossar - Aktienmarkt von A bis Z

(dpa)