Stresstest: 25 Banken im Euroraum bei EZB-Tests durchgefallen

Stresstest : 25 Banken im Euroraum bei EZB-Tests durchgefallen

Der Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) ist schlechter ausgefallen als erwartet. 25 Institute aus dem Euroraum sind durchgefallen. Am schlimmsten hat es Italien getroffen. Die Hälfte der Banken hat aber in der Zwischenzeit vorgesorgt. Im Vorfeld war man von 11 Banken ausgegangen.

Die Aufseher stellten bei der Überprüfung der Jahresbilanzen 2013 und einem Stresstest bei diesen Banken eine Kapitallücke von insgesamt 25 Milliarden Euro fest, wie die EZB am Sonntag in Frankfurt mitteilte. Details zu einzelnen Banken gab es zunächst nicht.

Insgesamt standen 130 Banken in Europa auf dem Prüfstand. Darunter auch 24 Institute aus Deutschland. Sie erfuhren die Ergebnisse des EZB-Stresstests bereits am Donnerstag. Am Sonntag ist die EZB mit den Informationen erst an die Öffentlichkeit gegangen.

12 von 25 Banken auf der sicheren Seite

Die 25 durchgefallenen Banken kommen aus elf Ländern. Spitzenreiter ist Italien mit 9 Geldhäusern, die auf Grundlage der Zahlen von 2013 nicht die erforderlichen Kapitalanforderungen der EZB schafften. Mehrere Durchfaller gibt es auch in Zypern und Griechenland (jeweils 3) und Slowenien sowie Belgien (jeweils 2). Außerdem bestand jeweils ein Geldhaus in Deutschland, Österreich, Spanien, Frankreich, Irland sowie Portugal den Stresstest nicht.

Knapp die Hälfte der Durchfaller ist bereits auf der sicheren Seite: Sie haben im Laufe der vergangenen Monate ihre Kapitalpuffer für Krisenzeiten verbessert. 12 der 25 Banken stärkten ihr Kapital nach EZB-Angaben um insgesamt 15 Milliarden Euro. Die übrigen müssen nun in den nächsten sechs bis neun Monaten die Lücken schließen.

Von den neun italienischen Banken, die durchgefallen sind, haben fünf Institute jedoch bereits durch eine Erhöhung der Kapitalpuffer vorgesorgt, teilte die Banca d'Italia am Sonntag mit. Der größte Nachbesserungsbedarf besteht bei der seit langem kriselnden Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) und der Banca Cariga. Die MPS braucht nach EZB-Berechnungen 2,1 Milliarden Euro frisches Kapital, bei der Banca Cariga sind es 814 Millionen.

Deutsche Banken haben gut abgeschnitten

Die deutschen Banken haben sich nach Auffassung der deutschen Branchenaufseher gut geschlagen. Sie kämen selbst nach einer - in der Prüfung simulierten - schweren Wirtschaftskrise im Schnitt noch auf eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent, wie die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht am Sonntag mitteilten. Ohne Stress lagen sie Ende 2013 bei 13 Prozent.

Insgesamt verloren sie in einer solchen Krise rund 30 Milliarden ihrer 185 Milliarden Euro dicken Kapitaldecke. Die Latte gerissen hat wie erwartet nur die genossenschaftliche Hypothekenbank Münchener Hyp. Sie hatte schon Ende 2013 nicht genügend Kapital, um die geforderten acht Prozent Quote zu erreichen. Nach einer 408 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung käme aber auch sie selbst in einer Krise auf 7,5 Prozent, mehr als die verlangten 5,5 Prozent.

Insgesamt nahmen die 24 deutschen Stresstest-Teilnehmer seit Jahresbeginn 14,4 Milliarden Euro frisches Kapital auf. Deshalb zog die BaFin eine positive Bilanz: "Fast alle Banken haben die Ziellinie des Comprehensive Assessment erreicht, ohne auch nur eine Hürde zu reißen. Alle Teilnehmer stehen solide da - auch wenn sie sich auf ihren Lorbeeren nicht ausruhen dürfen", sagte BaFin-Präsidentin Elke König.

Auch die HSH Nordbank hat den europäischen Banken-Stresstest bestanden. Danach besitzt sie genug Kapital, um auch starken wirtschaftlichen Belastungen in den kommenden Jahren standzuhalten. Die Prüfer im Auftrag der EZB ermittelten eine Kernkapitalquote von 6,1 Prozent nach einer simulierten Wirtschaftskrise. Gefordert waren 5,5 Prozent. Das teilte die HSH Nordbank am Sonntag in Hamburg mit.

Britische Banken sicher

Neben den europäischen Banken überprüfte die EBA als europäische Bankenaufsicht zudem Banken in Nicht-Euro-Staaten, etwa im wichtigen Bankenmarkt Großbritannien. Das Ergebnis: Die britischen Banken haben den Stresstest allesamt bestanden. Barclays, HSBC, Lloyds und die Royal Bank of Scotland (RBS) haben aus Sicht der Prüfer ausreichend eigenes Kapital, um im Fall einer neuen Krise abgesichert zu sein, wie die EBA am Sonntag in London mitteilte.

Tausende EZB-Experten, nationale Aufseher und externe Wirtschaftsprüfer hatten zunächst die Bilanzen der Banken durchleuchtet. Sie waren auf der Suche nach Kapitallöchern oder Altlasten - etwa wackelige Kredite, bei denen die Rückzahlung nicht sicher ist. Dabei wurden zusätzliche ausfallgefährdete Kredite im Wert von 136 Milliarden Euro gefunden. Damit summiert sich das Volumen fauler Kredite in den Bankbilanzen laut EZB auf 879 Milliarden Euro.

Immobilienkredite und Wirtschaftseinbruch auf dem Prüfstand

Zu dieser Bilanzüberprüfung kam der Stresstest: Die Prüfer untersuchten beispielsweise, wie wahrscheinlich ein Ausfall von Immobilienkrediten ist - und welche Folgen das für die Bank hat. Ein anderes Thema des Tests war: Was passiert mit den Finanzen des Geldinstitutes, wenn die Wirtschaft einbricht? Hat die Bank dann genug Geld, um eine solche Phase zu überstehen? Die Banken mussten also beweisen, dass sie auch unter solchen Umständen genug Kapital haben.

Der Stichtag für diesen Stresstest war bei allen untersuchten Banken der 31. Dezember 2013. Seitdem haben viele Banken bereits reagiert und sich frisches Geld besorgt. In Deutschland hat beispielsweise die Deutsche Bank im Laufe des Jahres 2014 ihr Eigenkapital um rund 8,5 Milliarden Euro erhöht. Das lief über eine Kapitalerhöhung, die Bank hat also neue Aktien ausgegeben.

Hintergrund der Tests: Am 4. November übernimmt die EZB die zentrale Aufsicht über die 120 führenden Banken im Euroraum.

(dpa)
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