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Düsseldorf: Fast 360 Millionen Euro Verlust für Portigon

Düsseldorf : Fast 360 Millionen Euro Verlust für Portigon

Die Kosten für die Abwicklung der alten WestLB drücken deren Rechtsnachfolgerin tief in die roten Zahlen.

Die WestLB-Nachfolgegesellschaft Portigon kommt wegen der hohen Kosten für den Rückbau nicht aus den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen fast 360 Millionen Euro Verlust gemacht, wie Portigon gestern mitteilte. Damit wird erneut offensichtlich, wie teuer die Abwicklung der einst größten Landesbank WestLB wird. Damit hat sich das Minus gegenüber den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres mehr als vervierfacht.

Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer betonte gestern bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen, das Unternehmen sei dennoch zuversichtlich, auch den verbleibenden Teil der Transformation mit dem vom Land Nordrhein-Westfalen, den NRW-Sparkassen und dem Bund bereitgestellten Eigenkapital bewerkstelligen zu können. Der Rückbau schreite planmäßig und in großen Schritten voran, erklärte Franzmeyer. In der Muttergesellschaft Portigon AG seien seit Kurzem erstmals weniger als 1000 Vollzeitarbeitskräfte beschäftigt. Die Bilanzsumme des Unternehmens verringerte sich seit dem Jahreswechsel um 20 Prozent auf 25,5 Milliarden Euro.

Die EU-Kommission hatte Mitte 2012 die Zerschlagung der WestLB erzwungen. Vorausgegangen war eine lange Diskussion um mögliche Beihilfen für die damalige Landesbank. Teile der WestLB gingen an die hessisch-thüringische Landesbank Helaba, andere Vermögenswerte wurden in eine "Bad Bank" übertragen. Seither baut die Erste Abwicklungsanstalt, wie die "Bad Bank" offiziell heißt, das alte Portfolio der WestLB ab.

Was übrig blieb - vor allem die Düsseldorfer Zentrale mit Tausenden Mitarbeitern - wurde in der Portigon AG zusammengefasst. Doch auch für dieses Institut tickt derzeit die Uhr. Denn bis Ende 2016 muss das Herzstück des Unternehmens, das Servicegeschäft für andere Banken und Investmentfonds, entweder verkauft oder abgewickelt werden. Danach soll nur noch eine Rumpfmannschaft von 150 Mitarbeitern die letzten Aufräumarbeiten abschließen. Allerdings beurteilen Experten die Chancen, einen Käufer für die Portigon Financial Services zu finden, eher schlecht. Jüngst hatte das nordrhein-westfälische Finanzministerium eingeräumt, dass der Verkaufsprozess vorläufig gestoppt worden sei. Die Service-Tochter hatte ihren Betrieb zum 1. Februar dieses Jahres aufgenommen.

(gw/dpa)