Arbeitsmarkt in NRW Im Lebensmittelhandel wächst die Personalnot

Düsseldorf · Bedientheken schließen früher, mitunter ganze Märkte. Sogar Verkürzungen der Ladenöffnungszeiten stehen zur Debatte. Solchen Überlegungen stehen aber viele skeptisch gegenüber, auch die NRW-Landesregierung.

 Die Kasse in einem Supermarkt (Symbolbild).

Die Kasse in einem Supermarkt (Symbolbild).

Foto: dpa

Im Lebensmitteleinzelhandel fehlt offenbar zunehmend Fachpersonal. „Der Lebensmittelhandel hat als Arbeitgeber die schlechtesten Karten“, sagte der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein unserer Redaktion, „die Arbeit ist schwer, die Menschen müssen zu Zeiten arbeiten, zu denen andere frei haben, und die Bezahlung ist nicht immer gut.“ Auch einzelne Handelsunternehmen registrieren aktuell Probleme beim Personal. Aus Sicht des Kölner Handelskonzerns Rewe ist dies aber nur ein punktuelles Problem. „Im Moment ist das eine saisonbedingte Mischung aus Urlaub, Krankenständen und Auswirkungen der Pandemie sowie Schwierigkeiten, Fachpersonal zu finden“, erklärte eine Sprecherin am Freitag auf Anfrage.

In den Supermärkten hat das Konsequenzen an Bedientheken. Immer häufiger werden die früher geschlossen. Andere Märkte haben die Vier-Tage-Woche eingeführt, Tegut-Chef Thomas Gutberletder hat in der Lebensmittelzeitung gar eine Verkürzung der Ladenöffnungszeiten auf 20 Uhr (sonst häufig 22 Uhr) ins Spiel gebracht: „Kurzfristig würde eine Reduzierung helfen, Energie zu sparen. Langfristig würde es das Berufsbild im Einzelhandel wieder attraktiver machen.“

Für eine zeitliche Begrenzung wäre das jeweilige Bundesland zuständig. So etwas zeichnet sich in NRW aber nicht ab. Dem Landeswirtschaftsministerium seien von anderen Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel Überlegungen zur Reduzierung der Öffnungszeiten aktuell nicht bekannt. „Grundsätzlich ist es in NRW eine unternehmerische Entscheidung, wann ein Laden von Montag bis Samstag innerhalb des gesetzlichen Rahmens geöffnet hat“, erklärte das Ministerium. Bei Rewe gibt es solche Überlegungen auch nicht; Aldi Süd erklärte auf Anfrage, man passe die Öffnungszeiten den Bedürfnissen der Kunden an:„Wir halten uns dafür an gesetzliche Vorgaben und berücksichtigen bei Bedarf gesellschaftspolitische Themenstellungen.“

Der Personalmangel hängt offenbar auch damit zusammen, dass zu wenig Nachwuchs kommt, wenn andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rente gehen. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft wurden im Jahr 2011 in den Verkaufsberufen noch 76.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen, im vergangenen Jahr waren es nur noch etwas mehr als 52.000. Diese Zahlen beziehen sich allerdings auf alle Verkaufsberufe, gesonderte Zahlen für den Lebensmitteleinzelhandel gibt es nicht. Allerdings sind generell auch beim Fachverkaufspersonal in Fleischereien und Bäckereien die Zahlen deutlich rückläufig.

Dass Bedientheken mitunter früher mit dem Bedienen aufhören, hat nach Einschätzung des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI aber auch andere Gründe: „Die Menschen sparen, und das tun sie auch bei Aufschnitt, Käse und anderen Lebensmitteln. Wenn aber weniger Kunden kommen, lohnt es sich für die Unternehmen mitunter nicht, die Theken so lange wie bisher üblich aufzuhalten“, sagt Vanessa Tuncer, Leiterin Forschungsprojekt Personal beim EHI. Rewe beispielsweise bestreitet aber diesen Effekt. „Das Kaufverhalten insgesamt hat sich von teureren Markenprodukten eher hin zu den günstigeren Eigenmarken, zu mehr Aktionskäufen und Sonderpreisen verschoben. Nicht verschoben hat sich das Verhalten von Bedientheken zu verpackten günstigeren Wurstprodukten“, so die Konzernsprecherin.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort