Facebook will zehn Milliarden Dollar an Börse erlösen

Facebook will zehn Milliarden Dollar an Börse erlösen

New York Heute oder morgen will das größte Online-Netzwerk der Welt, Facebook, in New York den Börsengang anmelden. Dabei peilt der erst 2007 von Mark Zuckerberg gegründete Konzern laut US-Medienberichten eine Gesamtbewertung von 100 Milliarden Dollar an.

Was bedeutet der Börsengang? Es gibt zwar bereits Anteilsscheine von Facebook, aber die werden nicht öffentlich gehandelt. Der Börsengang gibt der Öffentlichkeit das erste Mal die Möglichkeit, sich an dem Unternehmen bei San Francisco zu beteiligen. Jedoch werden wohl nur zehn Prozent der Anteile abgegeben, das soll zehn Milliarden bringen.

Ist die angestrebte Bewertung realistisch? Gemessen an den bisherigen Gewinnen ist das Ziel von umgerechnet 75 Milliarden Euro absurd. Obwohl Facebook bereits 800 Millionen Mitglieder hat, werden für 2011 nur 400 Millionen Euro Gewinn erwartet. Facebook wäre also das 200-Fache des Jahresgewinnes wert, üblich sind Bewertungen zwischen dem Zehn- und Fünfzehnfachen. Inhaber wie Mark Zuckerberg oder Fonds, die viel Geld sehen wollen, sprechen aber gerne von extrem hohen Wachstumschancen. Diese sollen daher kommen, dass Facebook sehr viel mehr Werbung als bisher verkauft und für eine gezielte Ansprache der Kunden deren Persönlichkeitsprofile stärker nutzt. Aber auch große Banken wollen Facebook "hochjubeln": Morgan Stanley erhält ein gigantisches Honorar bei einem erfolgreichen Börsengang, Goldman Sachs vermittelte wichtigen Kunden Anteile von Facebook – und die wollen nun Kasse machen.

Welche Gewinne können bisherige Investoren erwarten? Microsoft erwarb 2007 für 240 Millionen Dollar 1,5 Prozent von Facebook. Bei der erhofften Bewertung von 100 Milliarden käme für Microsoft ein Gewinn von 500 Prozent heraus. Zuckerberg hält 24,7 Prozent an Facebook – egal wie der Börsengang läuft, er ist vielfacher Milliardär mit nun 27 Jahren.

Wie steht Facebook im Vergleich zu Apple und Google da? Apple und Google haben klare Geschäftsmodelle, die bereits Milliardengewinne bringen. Apple könnte dieses Jahr dank der exzellenten Margen beim Geräteverkauf einen Gewinn von 40 Milliarden Euro einfahren. Google verkauft Anzeigen passend zu eingegebenen Suchanfragen, dies brachte 2011 einen Gewinn von mehr als sechs Milliarden Euro. Bei Facebook ist dagegen völlig unklar, wie die Mitglieder-Profile für Geschäfte genutzt werden können, ohne diese durch weitere Verstöße gegen den Datenschutz oder eine Mitgliedergebühr zu verschrecken.

Was bedeutet der Börsengang für Mitarbeiter und Mitglieder? Alle wichtigen Mitarbeiter erhalten ihr Gehalt überwiegend in Aktienoptionen. Klappt der Börsengang, werden viele von ihnen Millionäre. Die Mitglieder können dagegen nur hoffen, dass die Börsenbewertung am Ende doch nicht so hoch ausfällt: Dann hat das Management einen nicht ganz so hohen Druck, die Gewinne zu steigern und ihre Persönlichkeitsprofile auszuwerten.

(RP)
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