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Düsseldorf: Facebook toleriert Hass, aber kein Nacktsein

Düsseldorf : Facebook toleriert Hass, aber kein Nacktsein

Das soziale Netzwerk Facebook löscht immer wieder Bilder wegen Nacktheit, Hasskommentare wie beispielsweise gegen Flüchtlinge allerdings nicht. Darüber will das Unternehmen auch nicht diskutieren, geschweige denn seine Richtlinien ändern.

Der jüngste Fall: eine Protest-Aktion des Berliner Fotografen Olli Waldhauer. Der hat ein Foto gepostet, auf dem eine barbusige Frau und ein Mann mit Seitenscheitel zu sehen sind. Der Mann hält ein Schild mit dem Schriftzug: "Kauft nicht bei Kanaken!" Damit wollte der Fotograf offenbar provozieren - und erzielte die erwartete Wirkung: Das Foto wurde von Facebook wegen Nacktheit gesperrt, nicht aber wegen des bewusst rassistischen Kommentars.

Facebook löscht regelmäßig Fotos von nackten Menschen, weil diese gegen die Standards verstoßen. Auch Facebook-Nutzer, die das betroffene Foto verbreitet haben, wurden anschließend gesperrt - wegen eines Verstoßes gegen die Gemeinschaftsstandards. Nachdem auch zwei Beiträge von RP Online zu diesem Thema inklusive des betreffenden Fotos gelöscht wurden, hat RP Online das Foto bearbeitet und einen Textblock über den Busen gelegt. So müsste es den Richtlinien von Facebook entsprechen. Doch auch dieses Bild wurde gelöscht.

Eine Facebook-Sprecherin erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, das Unternehmen verstehe, dass es gerade in Deutschland großer Kritik ausgesetzt sei. Facebook habe überhaupt kein Problem mit der Aktion, "wenn dies dazu beiträgt, dass das Thema Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft diskutiert wird - auch auf Facebook". Das Unternehmen werde es nicht zulassen, dass eine kleine Zahl von Nutzern Facebook als Sprachrohr für Hass und Rassismus missbrauche. "Daher möchten wir, statt dieses Foto und das Thema Brüste auf Facebook zu diskutieren, lieber auf die Dinge hinweisen, die Facebook tut, um dagegen zu halten - gegen den Hass und gegen Fremdenfeindlichkeit."

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Facebook ist keine demokratische Diskussionsplattform, sondern ein (auch noch börsennotiertes) Unternehmen, das selbst über die Inhalte seiner Plattform bestimmen kann. Das darf man als Nutzer eben nicht vergessen.

(RP)