Arbeitskosten steigen nur schwach: Experten fordern deutliche Lohnzuwächse

Arbeitskosten steigen nur schwach : Experten fordern deutliche Lohnzuwächse

Die Arbeitskosten in Deutschland sind 2013 und in der ersten Hälfte 2014 laut Wissenschaftlern nur schwach gestiegen. Aktuell liegt der Wert hierzulande bei 31,30 Euro.

Die Entwicklung habe sich im Vergleich zu 2012 "wieder deutlich verlangsamt", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Den Trend bezeichneten die Studienautoren als "enttäuschend" - sie forderten deutliche Lohnsteigerungen.

Die Arbeitskosten stiegen den Angaben zufolge von Anfang 2013 bis Mitte 2014 in Deutschland um 1,4 Prozent. Der Wert lag somit "nahe am sehr niedrigen EU-Durchschnitt von 1,3 Prozent", wie die Wissenschaftler erklärten. Im ersten Halbjahr 2014 habe der Zuwachs in der Bundesrepublik sogar nur 1,1 Prozent betragen.

"Wir könnten und müssten in der gegenwärtigen Situation die Nachfragelokomotive in Europa sein", verlangte Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Er sprach sich für gesamtwirtschaftliche Lohnsteigerungen in Deutschland um "deutlich mehr als drei Prozent" aus, um die Konjunktur in der Bundesrepublik und Europa zu stärken.

Zu den Arbeitskosten zählen der Bruttolohn, der Arbeitgeberanteil an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen des Arbeitgebers für Aus- und Weiterbildung sowie bestimmte Steuern. Sie betrugen in Deutschland laut den Berechnungen der Wissenschaftler im vergangenen Jahr 31,30 Euro pro Stunde. Deutschland liege damit an achter Stelle unter den EU-Ländern. Teurer ist Arbeit demnach unter anderem in Schweden, Belgien, Frankreich und den Niederlanden, günstiger ist sie etwa in Italien, Irland, Spanien und Griechenland. Ganz vorne rangiert Dänemark mit 41,40 Euro Arbeitskosten pro Stunde, das Schlusslicht bildet Bulgarien mit 3,70 Euro pro Stunde.

Die Lohnstückkosten, welche die Arbeitskosten in Relation zur Produktivitätsentwicklung setzen, stiegen laut der Studie 2013 und in der ersten Hälfte 2014 hierzulande deutlich stärker als in der EU insgesamt. Sie seien aber von 2000 bis 2013 in Deutschland vergleichsweise langsam gestiegen. Auch wenn sich der Abstand zu den Euro-Partnern verringere, habe Deutschland gegenüber dem Rest Europas weiterhin einen hohen Wettbewerbsvorteil, erklärten die Forscher. Vor allem Krisenländer könnten gegenüber Deutschland nicht "nennenswert aufholen".

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(AFP)
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